Eine verlassene Insel (voller Kletterer)

Hallo Zusammen!

Ich weiß, es ist schon eine Weile her, seit meinem letzten Eintrag. Jana hat mir auch auf Bali ständig in den Ohren gelegen, ich sollte noch meinen Eintrag schreiben über Vietnam, damit wir dann zusammen einen Eintrag zu Bali schreiben können. Aber ich habe irgendwie viel lieber meine Zeit mit ihr verbracht, als darüber zu schreiben, wie ich meine Zeit mit ihr verbringe.

 

Jetzt ist Bali leider schon Vergangenheit. Aber dafür kann ich endlich über unsere letzte Station in Vietnam schreiben.

Nachdem wir die Höhle und ich auch noch den Nationalpark besucht hatten, haben Dirk und ich uns in einen Nachtzug nach Norden gesetzt und sind mit schmerzenden Hintern erst in Hanoi wieder ausgestiegen. Von da ging es mit Taxi, Bus, Bus, Boot und nochmal Bus auf das, zu dem Zeitpunkt kurz nach Tet, ziemlich verwaiste Cat Ba Island. Cat Ba ist eine recht große Insel vor der vietnamesischen Nordküste, am Rande der Ha Long Bucht. Wie ich bestimmt schon einmal erwähnt habe, wollten wir dort zum Deep Water Solo hin – Klettern über Wasser ohne Seil.

Tja – als wir ankamen erfuhren wir als erstes, dass die Tiden im Moment relativ ungünstig waren. Genau genommen sogar so ungünstig, dass DWS (Deep Water Solo) eigentlich nur so zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens möglich war. Na super … Aber angeblich so am nächsten Montag oder so – also in einer Woche.

Dafür sind wir dann am nächsten Morgen mit einer Gruppe los zum Klettern in der Bucht. Lässig entspannt ging es mit einem Boot in die Bucht, bis wir an den ziemlich kleinen Moody’s Beach kamen.

Moodys Beach

Während die anderen Teilnehmer (alles noch Kletteranfänger) sich erklären ließen, wie das so alles funktioniert mit dem Seil und den Gurten und so, sind Dirk und ich abwechselnd alle vorhandenen Routen hoch gestiegen.

Klettern über Moodys Beach

Nach einem Mittagessen auf dem Boot haben uns die Jungs von Slo Pony (dem Veranstalter) ein Kanu dagelassen, damit wir am Nachmittag auch zum gegenüberliegenden Tiger Beach wechseln konnten, um dort noch zu klettern. Die anderen sind zum Kajaken in einen anderen Teil der Bucht gefahren.

Von Kletterspot zu Kletterspot

Mit, vom ziemlich scharfkantigen Fels, schmerzenden Fingern haben wir am nächsten Tag einfach mal Garnichts gemacht. Da mit DWS immer noch nix war, ging es dann am Mittwoch und Donnerstag ins Butterfly Valley. Einem hübschen Tal im Inselinneren mit einer noch viel hübscheren Felswand, an der es noch ein paar Herausforderungen gab. Mit einer Wegbeschreibung a la „wenn die Straße sich gabelt, nehmt ihr den dunkleren Teil des Weges“ bewaffnet, haben wir uns zwei Motorroller gemietet und sind stilecht über Schotter und durch Dörfer gedüst, auf der Suche nach dem sagenumwobenen Tal der Schmetterlinge. Wir haben es sogar gefunden und es gab auch tatsächlich noch einiges zu klettern.

Butterfly Valley

Noch ein Pausentag und nochmal im Tal klettern gehen.

Da wir nun bei der weltbekannten Ha Long Bucht waren, wollte ich auch nicht abreisen, ohne sie einmal etwas detaillierter gesehen zu haben. Also haben wir eine Tagestour durch die Bucht gebucht. Wider Erwarten hielt sich der touristische Faktor sehr in Grenzen. Vermutlich, da die Touristensaison noch nicht begonnen hatte und fast nur Kletterer dabei waren. Mit einer sehr angenehmen Gruppe sind wir dann durch wörtlich hunderte von Kalksteinfelsen geschippert. Wenn man sich hier nicht auskennt, kann man sich vermutlich wirklich leicht verirren. Überall ragen die, mit tropischem Bewuchs gekrönten, Felsen aus dem Wasser. Häufig erinnern sie in der Form an eine Eierhälfte oder Zuckerhüte. Aber auch bizarrere Formen waren nicht selten. Felsnadeln, die aus dem ruhigen Wasser ragen; Bögen aus Stein; Überhänge, an denen man – bei richtiger Tide – wunderbar klettern könnte.

Ha Long I

Verkehr in Ha Long

Allerdings war es kalt. Eindeutig auch zu kalt um mit Freuden vom Fels ins Wasser zu platschen. Hier im Norden von Vietnam war gerade die Regenzeit zu Ende und das Frühjahr hatte noch nicht richtig begonnen. Leicht frierend hielten wir dann am Strand von Monkey Island – einer kleinen Insel, auf der es – wer hätte das gedacht – Affen gab. Wobei die größeren Affen vermutlich wir waren. Denn anscheinend waren wirklich alle Teilnehmer Kletterer. Zumindest sind alle direkt auf die Felsen geklettert, von denen man einen guten Ausblick über die Insel und die ganze Ha Long Bucht hatte.

Monkey Island

Ha Long Bucht von Monkey Island aus

 

Nach einer weiteren Stunde faszinierender Fahrt durch das verdientermaßen zum Weltnaturerbe erklärte Gebiet, durften wir kurz in ein Kajak steigen und danach gab es Mittagessen. Wir hatten schon erwartet, gerade beim Essen eher etwas „gewöhnungsbedürftiges“ vorgesetzt zu bekommen, wie es in Asien öfter der Fall ist. Aber von dem, auf dem Boot servierten, Fisch, Seafood, Reis und Salat waren wir sehr positiv überrascht.

Ha Long II

Nach dem Essen stand noch der Besuch einer Fischfarm auf dem Programm. Die Fischfarmen hier waren kleine Hütten auf Pontons und ins Wasser hängende Netze, deren obere Ränder an schwimmenden Stegen und/oder Tonnen festgemacht waren. Dutzende dieser Hütten und Stege bildeten ganze schwimmende Komplexe auf dem Wasser, auf denen die Fischfarmer mit ihren ganzen Familien lebten. Sogar Hunde liefen darauf hin und her und sprangen irgendwann ins Wasser um 10 Minuten zum nächsten Strand zu paddeln, wenn sie mal mussten.

Eine völlig andere Art zu leben.

Fischfarmen

 

Auf dem Rückweg begegnete uns noch eine ziemlich coole Dschunke, wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob diese Art Boot hier tatsächlich noch benutzt wird, oder nur für Touristen durch die Bucht segelt.

Dschunke

 

Nachdem wir ja am Anfang gehört hatten, Montag könnten wir noch DWS klettern, hieß es dann am Wochenende „naja – geht schon. Aber nur so bis 8 Uhr morgens. Und irgendwie hatten weder Dirk noch ich am Ende Lust, um 5 Uhr aufzustehen, nur um zwei Stunden DWS zu klettern und uns bei ca. 15 Grad Außentemperatur und einer mit Sicherheit noch niedrigeren Wassertemperatur den Hintern abzufrieren. So ging es am Ende dann am Montag nach Hanoi, wo wir den Dienstag noch in der Stadt verbracht haben.

Am Mittwoch, den 26.2. ging mein Flieger nach Kuala Lumpur. Da die Stadt tatsächlich außer den Petronas Towers meines Erachtens mal so gar nichts zu bieten hat, bekommt sie hier auch keinen separaten Eintrag. Am Donnerstag den 1. März ging es – endlich – nach Bali. Das wurde aber auch so was von Zeit langsam, das war schon fast nicht mehr auszuhalten!

 

Nichts verpasst!

Als wir in dem Jeep zur Höhle gefahren sind und dabei eine gute halbe Stunde durch den Phong Nha Ke Bang Nationalpark kurvten, hab ich das erste Mal gedacht „SO habe ich mir Vietnam vorgestellt“. Und da ich unbedingt mehr davon sehen wollte, hab ich dann am darauf folgenden Tag (Freitag, der 15.2.) direkt noch eine Tour gebucht. Diesmal durch den Nationalpark.

Mit zwei vollen Minivans und dem Jeep, waren es auch deutlich mehr Teilnehmer. Aber da alle relativ jung und locker waren und auch die Guides das Ganze eher entspannt angingen, war es zum Glück keine gefühlt pauschaltouristische Tour (wenn ich schon einer bin, will ich mich wenigstens nicht fühlen wie ein Tourist). Los ging es wieder vom gleichen Hostel, wie am Vortag, wo mir diesmal dieses tolle Schild am Eingang auffiel. Auf Nachfrage sagte man mir, ja – das sei tatsächlich kein Scherz, sondern schon vorgekommen.

Warnung

 

Dann ging es zunächst mal vorbei an Reisfeldern, die teilweise noch von kreisrunden, mit Wasser gefüllten Bombenkratern durchsetzt waren. Auch heute sollte man noch sehr vorsichtig sein, wenn man abseits der Wege läuft. Und schon einmal gar nicht sollte man auf die Idee kommen, in solche (trockenen) Krater zu klettern. Es liegen immer noch an vielen Stellen scharfe Granaten oder Tretminen. Überbleibsel aus dem Vietnamkrieg.

Die Landwirtschaft wird hier noch so betrieben, wie man es in Deutschland fast nur noch aus Erzählungen kennt. Gesät und geerntet wird vollständig von Hand. Um den Boden umzuwühlen wird ein Pflug hinter einen Ochsen gespannt. Es ist mit Sicherheit ein anstrengendes Leben, aber es gibt einen harmonischen Eindruck. Und irgendwie würden landwirtschaftliche Maschinen auch völlig fehl am Platze wirken in dieser Umgebung.

Landwirtschaft

Hinter den Reisfeldern erhoben sich schon die vom Tropendschungel bewachsenen Berge des Nationalparks. Unsere Fahrt führte kreuz und quer hindurch. Dabei hatten die Guides sich Stellen für die Stopps ausgesucht, die meist einen guten Ausblick boten und gleichzeitig völlig Abseits vom „normalen“ Tourismus waren. Wobei man sagen muss, dass der Tourismus sich hier sehr auf zwei bis drei, zum Teil erschlossene, Höhlen konzentriert – z.B. eben die Paradieshöhle.

Weite

Das Meiste, was man uns erzählte, bezog sich auf Ho Chi Minh, den Vietnamkrieg oder ganz allgemein auf die Geschichte Vietnams. Es war interessant, allerdings hätte ich mir ab und an auch mal ein wenig zu der wirklich Wahnsinns-Natur um uns herum gewünscht.

Schmetterling

 

Der erste eventmäßige Halt war die Besichtigung des Paradise-Caves. Da Carrie (die Amerikanerin) und ich die Höhle ja schon am Tag vorher gesehen hatten, haben wir zusammen mit den Guides draußen gewartet und schon mal entspannt unser Mittagessen zu uns genommen. Danach ging es wieder durch die steilen Berge und Täler.

Vor – wenn ich mich recht erinnere – zwei Jahren gab es ein ziemliche Unwetter in der Gegend, bei dem Unmengen an Regen in kürzester Zeit gefallen sind. Dabei sind viele Täler wie Badewannen vollgelaufen. Soweit, dass die Straße, auf der wir fuhren, und die sich bestimmt 100 Meter über dem tiefsten Punkt des Tals befand, unter Wasser lag. Die gesamte Vegetation wurde weggespült. Allerdings wächst so ein tropischer Urwald anscheinend verdammt schnell. Die Pflanzen, Ranken, Bäume, Palmen, Farne und wie sie alle heißen (wie gesagt, es gab nicht so viel Info zur Natur …) standen auf jeden so dicht, wie überall im Park.

Typisches Bild im Nationalpark

 

Dann kam ein Stopp an einem, ausgerechnet von „Germans“ angelegten, Ecotrail. Ein kleiner Rundweg, bei dem man versucht hatte, die Natur möglichst nicht zu verändern und möglichst wenig ins Gesamtbild einzugreifen. Man lief z.B. nur über Bambusbrücken und es wurde generell kein Beton verbaut. An einer Stelle flossen zwei Bachläufe zusammen. Das Wasser des Einen kam durch die Berge aus dem nur 50 km entfernten Laos. Wissenschaftler, so habe ich gelernt, haben wohl versucht herauszufinden, von wo genau es kommt. Sie haben in alle möglichen Flüsse und Quellen in Laos Farbmittel und Sonden geschmissen und gewartet, welche sich in Vietnam wieder zeigten. Keine. Man hat bis heute keine genaue Ahnung, woher das Wasser kommt. Der andere Fluss war genau der, was wir am Vortag in der gigantischen Höhle im Paradise-Cave gesehen hatten.

Bach beim Ecotrail

Durch die unterschiedliche Herkunft und die verschiedenen Wege, hatten die beiden Läufe ziemlich unterschiedliche Temperaturen. Das durften wir dann auch direkt testen und sind am Zusammenfluss schwimmen gegangen. Tja – es stimmte. Das Wasser aus dem einen Bach war eher kühl, das aus dem Anderen ziemlich warm.

Bachverlauf

 

Nach der Schwimmeinlage stand noch paddeln und der „Dark Cave“ – die dunkle Höhle – auf dem Programm. Die Schwimmsachen brauchten wir erst gar nicht ausziehen. Vom Bootsanleger aus sind wir in aufblasbare Kanus gestiegen und die vielleicht 200 Meter zum Dark Cave hinüber gepaddelt. Nach unserer Kanutour in Neuseeland konnte ich über diese Einlage allerdings nur grinsen.

Die dunkle Höhle heißt nicht etwa so, weil es keinerlei Beleuchtung oder ähnliches gibt und es tatsächlich dunkel ist, sondern weil der Stein, in dem sie liegt so dunkel ist. In der Höhle selber mussten wir wieder ein kleines Stück schwimmen. Dann in einem Gang, der an den Füßen so eng war, dass man nur einen Fuß vor den anderen setzen konnte, durch verdammt glitschigen Ton stapfen, in den man bis zur Wade eingesunken ist. Dann noch kurz über ein paar Felsen steigen und nochmal schwimmen und wir standen in einer etwas größeren Kammer. Im Vergleich zu der Wanderung am Vortag war das natürlich ein Witz und dauerte auch nur 20 Minuten hin und 20 zurück.

Anleger beim Dark Cave

Aber es war trotzdem nett. Als wir zurück an den Bussen waren gab es erst einmal wahlweise vietnamesischen Rum oder Suppe zum Aufwärmen. Das Wasser in der Höhle war tatsächlich richtig kalt.

Zulauf zum Dark Cave

 

Nach dem Dark Cave ging es dann zurück zum Ausgangspunkt, dem Phong Nha Ke Bang Farmstay. Unterwegs haben wir noch auf einer Brücke gehalten, von der aus man sehr schön die Abendstimmung aufnehmen und einfangen konnte.

 

Insgesamt war der Tag nicht so eindrucksvoll, wie die Höhlenwanderung, aber ich bin froh, die Tour mitgemacht zu haben. Sonst hätte ich das Gefühl gehabt, etwas von der großartigen Natur verpasst zu haben. Und jetzt im Nachhinein weiß ich: das hätte ich auch.

Abendstimmung

 

 

Willkommen im Paradies

Angekommen in unserem ziemlich ruhigen Hotel im noch viel ruhigeren Dong Hoi am Rande des Phong Na Ke Bang Nationalparks, war unser erster Auftrag, am Abend noch etwas zu Essen aufzutreiben. Die Bahn fuhr zwar schon wieder – schließlich hatte sie uns ja hierher gebracht – aber der Rest des Ortes feierte noch Tet. Nachdem wir bestimmt eine Stunde durch den Ort gelaufen waren und es gerade eben geschafft hatten, zwei Flaschen Wasser und ein paar Kekse zu ergattern, stellten wir bei der Rückkehr in unser Hotel fest, das genau jenes wohl der einzige Ort in der Stadt war, wo es noch etwas zu Essen gab…

So konnten wir dann doch noch mit vollem Magen ins Bett gehen und am nächsten Morgen, zwar müde, aber nicht verhungernd, um sechs wieder aufstehen, da uns um 06:30 der Fahrer zum Phong Na Ke Bang Farmstay abholen sollte. Typisch für Asien, kam er dann so gegen 07:30.

Bei dem Hostel, das auch die Tour für diesen uns den nächsten Tag anbot, angekommen sagte man uns nur, wir sollten in den Jeep springen und es ging los. Stilecht, mit offenem Dach, auf einer Rückbank ohne Lehne, den Wind im Gesicht in einem uralten amerikanischen Militärjeep, der vermutlich noch aus Zeiten des Vietnamkrieges stammte. Sogar die riesige Funkantenne war noch daran. Allerdings war so ziemlich alles, außer dem Motor, nicht mehr funktionstüchtig.

Fahrt im Jeep

Mit diesem coolen Vehikel fuhren wir dann zum Paradise-Cave, wo ein vietnamesischer Führer und ein Mittagessen-Träger auf uns warteten. Wir, das waren eine Amerikanerin, Dirk und ich, wollten eine Wanderung durch die Höhle, abseits des für Touristen erschlossenen Bereichs, machen.

Bevor es losging, sollten wir uns dann noch, für uns etwas überraschend, umziehen. Wir bekamen tolle, zu kurze Klamotten in grünen Tarnfarben gestellt und – sofern man Füße kleiner als Schuhgröße 42 hatte – ein paar, ebenfalls grüne, Leinenschuhe. Dazu natürlich eine Stirnlampe. Außerdem sagte man uns, wir sollten am besten nichts außer der Kamera mitnehmen. So ausgerüstet ging es dann los.

Wundervolle Klamotten

Zunächst liefen wir wie alle anderen Touristen auch durch den erschlossenen, beleuchteten Teil der Höhle. Vermutlich hat uns mehr als einer für wahlweise für ein paar durchgeknallte Militärfreaks oder einen Junggesellenabschied gehalten, wie wir da alle in den gleichen Sachen rumliefen.

Der Eingang der Höhle ist relativ klein. So ist zu erklären, dass dieses insgesamt 31 km lange Höhlensystem erst 2005 von einem Einheimischen entdeckt und erst weitere 5 Jahre später von britischen Höhlenforschern bekannt gemacht wurde. Wenn man durch ihn die Treppe abwärts in die Höhle hinabsteigt, befindet man sich in einer ziemlich großen Kammer mit einer Unmenge von Stalagmiten und Stalaktiten. Das Ganze ist schön, weil noch einigermaßen dezent, ausgeleuchtet. Ein Holzsteg verläuft etwa einen Kilometer weit und ermöglicht die Besichtigung des touristisch erschlossenen Teils. Nachdem wir mit ziemlich vielen Einheimischen, die die Tet-Feiertage zur Besichtigung nutzten am Ende des Stegs angekommen waren, hatten wir allerdings das Privileg, nicht einfach umdrehen zu müssen, sondern vom Steg herunter zu klettern und tiefer in die Höhle vordringen zu dürfen.

Beleuchteter Teil

Schon nach der ersten Biegung mussten wir die Stirnlampen anmachen. Nach etwa 200 Metern wurde es richtig dunkel. Noch einmal 100 Meter mehr und man hörte und sah einfach nichts mehr. Und damit begann das Abenteuer. Die einigen „touristischen Anzeichen“ waren kurze, rot angemalte Stöckchen im Boden, damit man sich nicht verlief. Aber es gab tatsächlich keinerlei Stege, Geländer, Beleuchtung oder sonst irgendetwas, was den Expeditionscharakter verdorben hätte.

Wir sind an riesigen sogenannten Vorhängen – Steinstrukturen, die wie ein Vorhang von der Decke hängen – vorbeigekommen, die ein tiefes, befriedigendes „Bong“ von sich gaben, wenn man mit dem Knöchel dagegen klopfte. Wir mussten über große Steine klettern, aufpassen, dass wir nicht im Lehm oder Schlamm ausrutschten, bergan und bergab wandern. An einer Stelle mussten wir uns durch einen wahren Wald aus zusammengewachsenen Stalagmiten und Stalaktiten winden.

Die gesamte Höhle ist nicht nur in ihrer Länge groß. Wirklich bücken mussten wir uns nur zwei oder drei Mal. Und selbst dabei war es nicht eng, weil die Stellen dafür sehr breit waren. Dafür sind wir durch unglaublich große Kammern gewandert, deren Ausmaße man auf einem Foto erst erahnen kann, wenn man einen Bezugspunkt hat.

Höhlenkammer

Teilweise reichten die Strahler der Stirnlampen zwar noch bis zur Decke, aber wirklich zu erkennen war dort oben in 50 oder mehr Metern Entfernung schon kaum noch etwas.

Es gab die bizarrsten Gesteinsformationen, die zwar alle auch irgendwelche Namen haben, aber deren umfängliche Beschreibung hier einfach zu lang dauern würde. Teilweise blinkten die Formationen durch die eingeschlossenen Kristalle und Erze, teilweise waren sie fast schwarz. Manche der Stalagmiten sahen weich und fast organisch aus (waren aber natürlich weder das eine noch das andere) und fühlten sich glatt und nass an. An anderen konnte man sich ohne weiteres die Haut aufschneiden.

Stalagmiten – haben wir gelernt – wachsen etwa drei Millimeter im Jahr. Man kann kaum vorstellen, wie lange es gedauert hat, bis sich die manchmal absurd großen Felsnadeln gebildet haben.

Stalagmiten

Wir waren gute sechs Stunden unter der Erde und sind dabei etwa 3,5 km tief in die Paradieshöhle eingedrungen. Haben also gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel gesehen. Irgendwann während dieser Wanderung hieß es auf einmal „ausziehen“. Wir mussten schwimmen. Einen trockenen Weg gab es nicht, um weiter zu kommen. Also haben wir uns alle bis auf die Unterwäsche und die Schuhe (unter Wasser waren leider nicht die runden, organischen, sondern die spitzen, scharfkantigen Steine) ausgezogen – ein wunderbarer Anblick, nur mit Unterhose und Wanderschuhen bekleidet zu sein –, haben uns die in der Dunkelheit bereitliegenden Schwimmwesten angezogen, unsere Sachen in einen wasserdichten Sack gepackt und sind etwa 100 m durch ziemlich kühles Wasser gewatet und geschwommen. Als wir auf dem Rückweg die gleiche Stelle passiert haben, konnte ich mich nicht beherrschen und habe mal vorgeschlagen doch einmal alle Lampen zu löschen. Jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, warum man das innere einer Höhle als ewige Nacht beschreibt. Man sieht einfach nichts mehr. Es gibt nicht die kleinste Lichtquelle, an die sich die Augen gewöhnen könnten. Absolute Dunkelheit! Und absolute Stille!

Aus dem Wasser gestiegen, haben wir uns wieder angezogen und es ging weiter durch Kammern, über Pfützen, Steine, vorbei an Felsblöcken und Tropfsteinformationen. Bis irgendwann unser Guide meinte, wir sollten ruhig sein und horchen… Rauschen. Ein unterirdischer Fluss.

Ein bisschen weiter konnte man dann auch einen ganz schwachen Lichtschein ausmachen. Noch näher dran wurde klar, dass es irgendwo einen zweiten Ausgang geben muss, durch den die Sonne scheint. Aber unser Guide hatte doch gesagt, das gesamte Höhlensystem habe nur den einen Eingang. Darauf angesprochen meinte er nur, das sei ja auch kein Ein- oder Ausgang.

Als wir die Lichtquelle sehen konnten, wussten wir auch warum. Wir standen auf halber Höhe einer riesigen Kammer. Bestimmt 100 Meter hoch und 150 Meter breit. Am Boden der Kammer floss der, das Rauschen verursachende, Fluss. Und oben an der Decke, am höchsten Punkt, war ein gut 10 Meter durchmessendes Loch, durch welches das Sonnenlicht einfiel. Bewachsen mit Farnen und herabhängenden Tropfsteinen und so weit oben war dies allenfalls ein Eingang für Adrenalinsüchtige (ich habe natürlich direkt daran gedacht, sich dadurch abzuseilen). Als Ausgang taugte die Öffnung aber nun wirklich nicht.

Lunchtime-Kammer

Ein steter Strom von Wassertropfen fiel von oben hinab auf die großen Felsblöcke, die überall auf dem Boden verstreut herum lagen. Als ich mal versucht habe, den Flug eines Tropfens zu verfolgen kam ich auf gute fünf Sekunden, die das Wasser von oben bis unten brauchte.

In dieser wahrhaft beeindruckenden Umgebung gab es dann unser Mittagessen. Danach machten wir uns auf den gleichen Weg zurück. Das Licht nahm hinter uns immer weiter ab und bald standen wir wieder in völliger Dunkelheit und Stille. Wieder ausziehen, schwimmen, anziehen, durch den Stalagmiten-Wald, die Abhänge hinauf und hinab, über die Felsen klettern, die Strukturen bewundern. Wenn man neben einem Stalagmiten steht, den Blick nach oben wandern lässt und den Kopf in den Nacken legen muss, um das obere Ende sehen zu können, ist das tatsächlich eine große Erfahrung. Man kommt sich wirklich vor wie ein Höhlenforscher.

Höhlenforscher

 

Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich in einer Höhle war und auch Tropfsteinhöhlen habe ich schon ein paar gesehen. Aber bisher immer nur den Touristen-Teil. Ich bin noch nie nur mit einer kleinen Lampe durch ein solches, gigantisches System gewandert. Beeindruckend – ein passenderes Wort fällt mir nicht ein. Und ich kann nur jedem, der Vietnam besucht, raten, eine solche Wanderung mitzumachen. Im Phong Nha Ke Bang Nationalpark gibt es neben dem Paradise Cave noch ein paar andere, ebenso gigantische Höhlen. Bei meinem nächsten Besuch muss ich definitiv ein oder zwei weitere davon erkunden.

 

 

 

 

My Tho und Tet in Hoi An

Eigentlich wollten wir in My Tho die durch die Stadt führenden Kanäle bestaunen. Aber anscheinend hatte der Lonely Planet mal wieder maßlos übertrieben. Wir haben zumindest keine hübschen, kleinen Kanäle gesehen. Dafür haben wir eine Tour gemacht, bei der man uns zunächst eine Bienenfarm zeigte (eine Holzkiste mit ein paar Waben auf einem Plastikschemel musste da stellvertretend herhalten), wir etwas Obst zu essen bekamen, auf einer Touristeninsel mit einer Menge Restaurants hielten und – das einzig annähernd erwähnenswerte – eine Krokodilfarm besucht haben. Wobei ein paar Krokodile in einem Gehege mit Wasser auch nicht so wahnsinnig interessant waren.

Krokodilfarm

Grinsende Echse

Und damit ist unser Besuch in My Tho auch schon ausreichend beschrieben. Oder zusammengefasst: nicht der Rede wert.

 

Da am 10. Februar das vietnamesische Neujahr „Tet“ gefeiert wurde, sind wir am Samstag den 9. noch von Saigon – oder Ho Chi Minh City, wie die Stadt seit Vietnams Wiedervereinigung 1976 heißt – nach Hoi An in der Nord-Süd-Mitte des Landes geflogen. In der ehemaligen Hafenstadt, die heute den Charme eines französischen Mittelmeerdorfes hat, haben wir die Feiertage verbracht und darauf gewartet, dass Busse und Züge wieder fahren.

Hoi An 1

Wobei das Städtchen sowieso auf der Besuchsliste stand.  Insofern passe es ganz gut. Hoi An ist ziemlich entspannt und macht einen, für Vietnam, erstaunlich ordentlichen Eindruck. Es gibt eine Unmenge an guten Restaurants und Bars. Man sieht, dass es eine der reichsten Städte des Landes ist.

Hoi An 2

Etwa 20 Fahrradminuten entfernt liegt der Strand am Südchinesischen Meer. Wobei der Strand aussieht, wie vermutlich alle Strände der Welt – Sans, ein paar Liegen und Cafés und natürlich das Meer. Einzig erstaunlich war der offenkundige Brauch der Vietnamesen mit kompletter Bekleidung baden zu gehen…

Rückfahrt vom Strand

Die Tage vergingen ziemlich entspannt und unaufgeregt. Aufstehen, frühstücken, Kaffee trinken, essen, relaxen, … Es war fast wie Urlaub. Am Mittwoch den 13. Februar hatten wir dann genug Urlaub und sind in einen nicht gerade hübschen Nachtzug nach Norden gestiegen, der uns bis zum Phong Nha Ke Bang Nationalpark gebracht hat.

Cafe mit Ausblick

 

 

Auf dem Wochenmarkt

Vor dem Hotel in Can Tho stand schon Abends ein ziemlich aufdringlicher Mensch, der jedes Mal, wenn wir das Hotel betraten oder verließen, versuchte, uns eine Tour am nächsten Tag zu verkaufen. Zunächst mit der Masche, wie viel wir doch zu sähen bekämen für das wenige Geld. Die Märkte, eine Fischfarm, eine Bienenfarm, und und und. Ganze sieben Stunden sollte die Tour gehen. Als er irgendwann spitz gekriegt hat, dass Dirk und ich gar keine Lust auf eine siebenstündige Tour hatten, hat er auf einmal versucht uns die halbe Tour zu verkaufen. Wir haben dann jedes Mal gesagt „maybe later“ (vielleicht später) und sind einfach weiter gegangen.

Am Ende haben wir am nächsten Dienstagmorgen dann das getan, wozu auch die Backpackerbibel Lonely Planet rät: wir sind einfach morgens um sieben zur Ho Chi Minh Statue gegangen und brauchten gar nicht wirklich zu suchen, um eine der Frauen zu finden, welche die Touristen mit dem Boot rausfahren. Sie fand uns …

Nachdem wir dann – natürlich mit dem einzigen anwesenden Mann – den Preis verhandelt hatten sind wir der Frau hinterher, die sich übrigens mit den Worten beschrieben hatte „I am boat“ (Ich bin das Boot), als wir fragten, mit welchem Boot wir denn fahren würden.

Da wir zwischen einem recht großen Boot mit 10-15 Sitzplätzen und einer kleinen Schatulle, in der wir auf einer einfachen Planke hocken mussten, wählen konnten, haben wir natürlich die Schatulle gewählt. Was eindeutig die bessere Wahl war!

So war das ganze Erlebnis fast gar nicht touristisch, sondern man hatte das Gefühl, die Menschen wirklich aus der Nähe zu erleben. Das kleine Boot, welches übrigens langsam aber sicher ein wenig voll Wasser lief – aber dafür gab es ja eine kleine Lenzpumpe in Form eines ca. fünfjährigen Mädchens an Bord – war dabei der eine Faktor. Es hatte aber, wie wir nach etwa einer Stunde Anfahrt gelernt haben, auch den Vorteil, dass man damit wirklich mitten durch den Markt rudern konnte. Die großen Boote, von denen auch einige dort waren, konnten nur außen herum fahren.

Der schwimmende Markt

Und der Markt war auch tatsächlich ein Markt. Keine nur noch für Touristen aufrecht erhaltene Tradition. Eigentlich gar nicht so unähnlich unseren Wochenmärkten. Wobei dort fast ausschließlich Lebensmittel verkauft wurden. Und das teilweise in nicht geringen Mengen.

Ananas

Obst und Gemüse

Da standen dann fünf Leute auf zwei oder drei Booten in einer Kette und haben sich eine Melone nach der anderen zugeworfen. Zwischendurch wurde verhandelt, es schipperten kleine und größere Schiffe hin und her, Motoren tuckerten, es wurde gerufen, geredet, gestikuliert. Ein buntes Treiben im wahrsten Sinne des Wortes.

Verhandlungen

Und es war ein schöner Einblick in das Leben der Menschen hier. Es wirkte freundlich und vor allem lebendig. Das Interessante waren hier nicht die Boote, die Waren oder der Fluss; es waren die Menschen.

Sich die Übersicht verschaffen

Durst

Was auch noch auffiel, waren die Unmengen an Blumen, die angeboten wurden. Uns wurde erst eine Woche später richtig klar, dass dies dem nahenden vietnamesischen Neujahr „Tet“ zu verdanken war. Nämlich dann, als die allgegenwärtigen Blumen auf den Straßen, in den Parks, in den Hauseingängen, an den Uferpromenaden, … nach den Feierlichkeiten wieder entfernt wurden. Für uns war die erste Woche in Vietnam allerdings voll von Blumen aller Art und in allen Farben.

Blumenverkäuferin

 

Nachdem wir bestimmt eine gute Stunde lang kreuz und quer durch den Markt geschippert sind – und nur nichts gekauft haben, weil wir schlicht und einfach nicht einmal eine ganze Melone brauchten, geschweige denn direkt mal die augenscheinliche Mindestabnahmemenge von einem halben Boot voll – sind wir wieder zurück gefahren und waren gegen Zehn oder halb Elf wieder in der Stadt und haben mit Ausblick auf den Fluss erst einmal gefrühstückt. Der Rest des Tages wurde in aller Ruhe verbracht, bevor wir am Mittwoch weiter nach My Tho gefahren sind.

 

 

Unterwegs mit der Zigarettenmafia

Am nächsten Morgen – das müsst, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, der 4. Februar gewesen sein – wurden wir relativ früh am Hotel abgeholt. Denn wir hatten am Vorabend in unserem Hotel noch ein Busticket nach Can Tho gekauft. Dort wollten wir hin, um die schwimmenden Märkte zu besuchen.

Aber zunächst mal zur Fahrt…

Es ging schon damit los, dass wir morgens mit Xe Oms abgeholt wurden. Xe Om lässt sich relativ direkt mit Motorrad Umarmung übersetzen. Und das wiederum beschreibt es auch gut. Man setzt sich hinten auf ein Motorrad und „umarmt“ den Fahrer. Nur, dass es sich nicht um wirkliche Motorräder handelt, sondern um vietnamesisch heruntergefahrene Motorroller und dass es ziemlich schwierig ist, das Vorderrad auf dem Boden zu behalten, wenn der Beifahrer hinten (wie in meinem Fall) etwa doppelt so groß ist wie der Fahrer und vor allem noch 25 kg Rucksack auf dem Rücken hat.

Aber wir haben es geschafft und sind ziemlich verspannt, vom krampfhaften festklammern, bei der Busgesellschaft angekommen.

Angepriesen war übrigens vollmundig ein klimatisierter Minivan. Wir kamen dann in einen Raum, der vielleicht die Größe einer Doppelgarage hatte. Vor dem Tor stand einer der Minivans. Übles Gefährt …

Aber wir hatten auch nicht wirklich mit klimatisiert und komfortabel gerechnet. Wobei dies auch nicht unser Van war. Er sah allerdings genauso aus.

Ganz gemütlich wurde der Van beladen und ich dachte schon, die haben ja mal wieder Zeit. Aber dann wurde es auf einmal hektisch. An einem Tisch saß eine junge Frau von etwa Anfang 20 und neben ihr auf einem Hocker die offensichtliche Matriarchin des Unternehmens. Und die beiden fingen ziemlich zeitgleich an, die Männer, die bis dahin noch lässig Zigaretten rauchend rumgestanden hatten, anzukeifen. Plötzlich wurden Pakete und Koffer in den Bus gewuchtet, alles rannte durcheinander und dann die Türen zu und los. Kaum war der Bus auf der Straße, lief noch jemand hinterher und reichte noch ein Paket zum Fenster rein und weg war der Van.

Dann kam der nächste. Wir durften einsteigen. Alles gemütlich. Bis irgendwann wieder leichte Hektik ausbrach. Das gleiche Spiel. Wir waren gerade vom Bürgersteig auf die Straße gefahren, als aus einem Gebäude auf der anderen Straßenseite ein Mann gelaufen kam und dem fahrenden Minivan noch ein Paket durchs Seitenfenster hineinreichte. Dann wurden alle Fenster zugemacht und los ging die Heizerei.

Die Vietnamesen fahren alle nicht gerade ordentlich. Und die Hupe ist dort eine Art Ortungssignal. Wenn jemand überholt wird, wird gehupt, wenn Fußgänger am Straßenrand laufen wird gehupt – immer wird gehupt. Und es ist auch völlig normal, dass man auf der Gegenspur fährt oder dass teilweise auf einer eigentlich zweispurigen Staubpiste vier Fahrzeuge nebeneinander fahren.

Aber unser Fahrer war selbst für diese Verhältnisse ein Heizer. Er hat die Hupe eigentlich gar nicht losgelassen. Und es gab kein einziges Fahrzeug in drei Stunden Fahrt, das uns überholt hätte. Dafür haben wir alle anderen überholt.

Und kurz nachdem wir losgebraust sind, wurde auch der Grund für die Hektik deutlich. Der Beifahrer kletterte nach hinten und schraubte, ohne sich um die Anwesenden zu scheren, die Verkleidung des Fachs über der Fahrerkabine ab. Dort, wo eigentlich nur ein paar Kabel der Lautsprecher entlang laufen, wurden nämlich jetzt die ca. 25 Stangen Zigaretten, die am Anfang noch hektisch durch das Seitenfenster reingereicht wurden, versteckt. Dann kamen, wie gesagt, etwas zwei bis drei Stunden Heizerei über Staubpisten, durch Ortschaften und ab und an sogar über geteerte Straßen. Wäre dies Paris-Dakar gewesen, wir hätten gewonnen.

Dann hielten wir irgendwann und vor allem IRGENDWO an. Eine Frau stieg aus. Wir warteten. Nach vielleicht 10 Minuten kam sie zurück und wir fuhren weiter. Der Beifahrer stand wieder auf, kletterte nach hinten und holte die Kippen wieder aus dem Versteck. Dann kletterte er über die erste Sitzbank und schraubte die Verkleidung über dem linken Seitenfenster ab. Mehr Zigarettenstangen kamen zum Vorschein. Die Verkleidung unter dem linken Seitenfenster. Noch mehr Zigaretten. Die Verkleidung über dem hinteren linken Fenster. Und noch mehr Zigaretten. Alle wurden in einen großen Sack gepackt. Bestimmt insgesamt 50 oder 60 Stangen. Und anscheinend gehörten auch alle Fahrgäste, bis auf Dirk, eine weitere, ständig schlafende Frau und mich zu der Bande. Denn keiner sagte etwas. Ein oder zwei halfen noch, die Kippen in den Sack zu packen.

Dann wieder ein Stopp, dieses mal in einer Einfahrt.

Plötzlich wurden hektisch die Türen aufgerissen. Viel Geschrei. Gekeife. Der Sack mit den Kippen wurde aus dem Van gehievt und nur eine Minute später sah man die Frau, die vorher schon einmal ausgestiegen war, hinten auf einem Mofa sitzend, den Sack quer über ihren Knien und davonbrausen.

Danach waren Fahrer und Beifahrer auf einmal viel ruhiger. Es wurde vietnamesisch normal gefahren, erst einmal eine der Schmuggelzigaretten zur Entspannung geraucht und irgendwann kamen wir in Can Tho an.

 

Ich war echt erleichtert. Zum einen, war die Fahrweise echt schon angsteinflößend. Aber zum anderen habe ich die ganze Zeit gedacht, wenn die tatsächlich von der Polizei angehalten worden wären, hätte vermutlich irgendjemand zufällig eine oder zwei Packungen der Kippen in unseren Rucksäcken gefunden. Und dann hätte es geheißen, das waren die Touris. Die natürlich kein Wort der Landessprache sprechen, um sich zu verteidigen. Und was man von den asiatischen Rechtssystemen mitbekommt, kann man, befürchte ich, auch nicht davon ausgehen, dass jedem klar ist, dass Dirk und ich da nichts mit zu tun haben. Beziehungsweise – klar wäre das vermutlich jedem. Aber das heißt ja nicht, dass auch entsprechend gehandelt wird.

Na am Ende sind wir auf jeden Fall mit zwei weiteren Xe Oms heil zu unserem Hotel gekommen und haben uns am Abend noch die Festlichkeiten zum vietnamesischen Neujahr „Tet“, dass am 10. Februar gefeiert werden würde angesehen.

 

Vietnam!

Und das Mekong-Delta

Nachdem wir die Tempel von Angkor besucht hatten, sind wir wieder zurück nach Phnom Penh, wo genau an diesem Abend der verstorbene König verbrannt und beigesetzt wurde. Am nächsten Morgen wurden wir relativ früh am Hotel abgeholt, zum Hafen gefahren und sind dort auf ein sogenanntes Schnellboot (es war halt nicht ganz so langsam) geklettert, was uns die nächsten 4 oder 5 Stunden den Mekong runter bis über die Grenze nach Vietnam gebracht hat.

Falls irgendwer mal auf die Idee kommt, von Kambodscha aus nach Vietnam zu reisen, kann ich nur raten, diese Tour zu machen. Es ist eine sehr entspannte und schöne Fahrt. Relativ träge und mit erstaunlich stiller Oberfläche wälzen sich die braunen Wasser des Mekong Richtung Südosten. Man sieht zunächst nur die Stadt an sich vorbeiziehen. Sobald man aus deren Gebiet herauskommt, ändert sich das Bild zu Feldern von Mais, Reis und sonstigen Nutzpflanzen, die bis an die Ufer des Flusses angebaut werden.

Landwirtschaft am Fluss

Und je mehr man hinschaut, desto mehr bemerkt man, wie die Menschen den Fluss in ihr Leben einbeziehen. Dabei sind die typischen, schmalen Fischerboote noch der häufigste Anblick.

Fischen I

Aber Fischen alleine, wäre noch kein Leben mit dem Fluss. Die Verhältnisse sind einfach, aber die Bilder, die man mit der Kamera leider immer nur ausschnittsweise einfangen kann, entbehren trotzdem nicht einer gewissen Schönheit. Die Menschen im Mekong-Delta, dem knapp 40.000 qkm großen Gebiet, in dem sich der Mekong vielfach verzweigt, bevor der schließlich ins Südchinesische Meer mündet, bauen ihre Häuser nicht nur an den Rand des Flusses. Manche stehen zur Hälfte auf Stelzen, schon zum Teil im Fluss. Dazu kommen schwimmende Hütten, die vollständig auf Pontons errichtet sind.

Wohnen am Wasser

Es wird wirklich alles im und mit dem fließenden Gewässer gemacht. Man badet seine Ochsen darin, man spült sein Geschirr darin, Kinder spielen darin, man wäscht sich darin, …

Badewanne

Häufig fuhren auch größere Boote an uns vorbei und man konnte einen Blick quasi ins Wohnzimmer der Besatzung erhaschen. In der jeweils einzigen Kabine auf dem Schiff standen manchmal Frauen und bereiteten ein Essen zu, schliefen Kinder in Hängematten oder spülten Männer das Geschirr in einer Wasserleitung, die direkt aus dem Fluss gespeist wurde.

Typischer Anblick

Parken am Mekong

Nach etwa drei Stunden kamen wir an die Grenze und mussten alle aussteigen. Dann zu einem kleinen Grenzposten und den Pass vorzeigen. Relativ zügig wurde abgestempelt und wir durften wieder auf das Boot. Ich dachte noch,  dass ging ja zügig, als wir an der Einreisekontrolle nach Vietnam anhielten. Der schnelle Part war die Ausreise aus Kambodscha gewesen. Jetzt kam der langsame Part. Aber im Grunde war es trotzdem völlig unproblematisch. Wir haben unsere Pässe dem Bootsführer gegeben, mussten etwa eine Stunde warten und durften dann weiterfahren. Visa hatten wir uns schon vor der Abreise besorgt (sonst wäre es auch komplizierter geworden).Wir waren in Vietnam!

Und was soll ich sagen? Der Mekong sah genauso aus, die Leute sahen genauso aus, die Landschaft sah noch genauso aus.

Fischen II

Nach einer weiteren halben Stunde verließen wir dann den Mekong, um einen Seitenarm bis nach Chau Doc, der ersten vietnamesischen Stadt nach diesem Grenzübergang, hoch zu fahren. Der Arm war wesentlich schmaler als der Hauptfluss und gleichzeitig deutlich bewohnter. Hausboote, Hütten und Häuser reihten sich aneinander. Überall waren Menschen dabei, ihr Abendessen zuzubereiten. Die Luft roch durchdringend nach Rauch und die Sicht reduzierte sich deutlich im Qualm der zahllosen Feuerstellen. Boote fuhren den Wasserlauf entlang und kleine Fähren kreuzten hin und her.

Irgendwann kamen dann die ersten Betongebäude in Sicht und bald darauf hielten wir am Pier von Chau Doc. Noch eine kurze Fahrt mit einer Fahrradrikscha, bei der die 2 Fahrer (mit unseren riesigen Rucksäcken brauchten wir jeder jeweils eine eigene Rikscha) am Ende auf einmal mehr Geld haben wollten, als ursprünglich ausgemacht (wir haben das ignoriert und den vereinbarten Betrag bezahlt), waren wir dann im Hostel und haben die erste Nacht in Vietnam verbracht.

Sonnenuntergang im Mekong Delta