Endlich!

Freitag, der 8. März. Nachdem ich am Abend vorher noch eine der besten Surfsessions meines Lebens hatte, war das Surfen an diesem Morgen eher mit das schlechteste, was ich bisher hatte. Aber ich war eh nur im Wasser, um irgendwie die Zeit bis zum Abend rum zu bekommen. Da Jana meinte, sie wolle abends nichts mehr essen, hab ich dann am Mittag noch eine Portion gebratene Nudeln bestellt. Als sie vor mir auf den Tisch gestellt wurden, stellte ich mit Schrecken fest – da war gut Knoblauch drin. Auch toll so beim ersten Wiedersehen nach einem halben Jahr …

Aber offensichtlich hast Du nichts gemerkt, oder?

Lullaby Bungalows

Etwa anderthalb Stunden, bevor ihr Flieger landen sollte, bin ich dann mit einem Fahrer zum Flughafen. Während der einstündigen Fahrt habe ich so ungefähr 30 mal auf die Uhr gesehen – nicht, dass wir zu spät kämen. Aber – unglaublich und trotzdem wahr – wir waren pünktlich. Ich musste sogar noch ca. 20 Minuten warten, bis auf dem Monitor „landed“ (gelandet) angezeigt wurde.

Dann nochmal warten. Schließlich musste sie ja noch durch die Passkontrolle, das Visum bezahlen, usw. Und ich stand draußen und hab krampfhaft versucht cool zu bleiben. War nicht einfach. Ist mir auch ehrlich gesagt so überhaupt nicht gelungen…

Jedes Mal, wenn jemand um die Ecke kam musste ich mich erst mal wieder beruhigen. Gott – ich hätte nicht geglaubt, dass man so nervös werden kann, wegen einer Frau! (Ich hätte nicht gedacht, dass man überhaupt so nervös sein kann.)

Tja – und als meine Freundin dann durch die Tür kam war aber auch wirklich jeder Rest von Coolness dahin. Hat auch noch ein paar Stunden gedauert, bis ich sie auch nur ansatzweise wiedergefunden habe, meine sonst so im Überfluss vorhandene Nonchalance…

 

Endlich

 

Am nächsten Tag begann der Urlaub von der Weltreise. Braucht man ja auch mal, bei dem Stress, den man hat, wenn man so um die Welt gondelt. Und was für ein Urlaub. Jetzt, im Nachhinein, kann ich die Tage kaum auseinander halten.

Die drei Wochen, die leider auch wieder viel zu schnell vorbei waren, begannen mit einem Tag am Strand und einem Abendessen im Single Fin – dem Lokal, in dem man die kitschigen Sonnenuntergänge sehen kann. Aber diesmal war ich ja wenigstens nicht alleine da.

Im Single Fin

Sunset vom Single Fin aus

 

Am Montag haben wir uns den Uluwatu Tempel angesehen. Eine Tempelanlage, ganz im Süden der Insel. Im Gegensatz zu den buddhistischen Tempeln, wie ich sie z.B. in Bangkok gesehen habe, sind die Hindu-Tempel auch einfach ein Ort, um sich zurück zu ziehen und zu meditieren. Und auch im Gegensatz zu den erstgenannten, sind sie fast gar nicht geschmückt.

Uluwatu

Jana hatte an dem Tag noch ziemlich mit dem tropischen Klima und ein wenig mit dem Jetlag zu kämpfen. So dass wir mittags erst noch am Pool waren. Außerdem war der 11. März der „Nyepi“-Vorabend. Nyepi ist das von den Balinesen gefeierte Neujahr. Ja, genau: das war dann mein drittes Sylvesterfest in 2013. Und endlich eines mit Dir.

Auf Bali lief das allerdings etwas anders ab, als in Sydney. Alle möglichen Gemeinden, Schulen, Gruppen, wer-auch-immer, haben in den Tagen zuvor „Oggo-Oggo“s gebastelt. Große Monster aus Pappmache, die am Nyepi-Vorabend in einem Wettbewerb präsentiert wurden. Mit unserem Motorroller, den wir für die ersten zwei Wochen geliehen hatten, sind wir dann am Abend in den benachbarten Ort gedüst, um uns das Spektakel anzusehen. Und es WAR ein Spektakel. Die Monster sahen richtig furchterregend aus. Auf einem großen Platz standen sie aufgereiht und wurden der Reihe nach der Jury präsentiert. Aber nicht einfach vorgeführt. Nein!

Über scheppernde Lautsprecher wurde zu jedem Oggo-Oggo eine Geschichte erzählt. Leider auf Indonesisch – so können wir nur vermuten, dass es um die Missetaten des Monsters ging. Aber die lautstarken Geräusche, die die Oggos wohl gemacht haben sollten, wie z.B. ein „Wuuuaaahaaahaaahaaaa!“ oder ein laut gebrülltes „OOhooohoooooo!“, und die nun über die Lautsprecher in die Geschichten eingeflochten wurden, waren schon sehr amüsant.

Oggo Oggo

Der Nyepi-Tag selber ist auf Bali ein absoluter Ruhetag. Jegliche Art von Lärm, Arbeit, Reisen oder Vergnügen sind verboten. Und zwar wirklich verboten. Es war nicht erlaubt, die Anlage zu verlassen und nachts durfte kein elektrisches Licht gemacht werden. Germaine, die junge Besitzerin der Lullaby Bungalows, erzählte, dass sie vor ein paar Jahren mal Surfer als Gäste hatten, die an dem Tag dachten „Ha – dann gehen wir surfen. Dann ist ja kein anderer im Wasser“. Endete damit, dass die Polizei sie am Strand erwartete und sie einen Tag später die Tempel im Dorf fegen mussten.

Wir waren da deutlich vernünftiger und haben schlicht und einfach den ganzen Tag auf kitschigste Art und Weise gemeinsam am und im Pool verbracht. Abends haben wir noch zusammen mit unseren Gastgebern gegessen (wir waren die einzigen Gäste an dem Tag).

 

Das nächste Highlight war dann das Abendessen in Jimbaran. In dem Ort gibt es eine ganze Menge an Fischrestaurants. Man sucht sich den Fisch oder die Krustentiere vorher aus und bekommt sie dann nach Wunsch zubereitet serviert. Dabei steht der Tisch direkt am Strand im Sand. Man blickt auf das Meer in den Sonnenuntergang und mit dem richtigen Motiv bekommt man neben der ganzen Romantik auch noch ziemlich gute Fotos. Tja – Jana war definitiv das richtige Motiv – und Romantik gab es sowieso im Überfluss. Danke, Baby.

Dinner-Tisch bei Jimbaran

Ohne weitere Worte

Romantik in Jimbaran

 

Irgendwo in den vorbeifliegenden Tagen waren wir auch an den verschiedenen Stränden. Ich hatte meistens mein Surfbrett dabei und bin zwischendurch mal für eine Session ins Wasser gegangen. Wir sind mit dem Mofa rumgefahren und haben uns den Südzipfel der Insel angesehen. Zwei Mal haben wir versucht shoppen zu gehen. Am ersten Tag (am Tag nach Nyepi) waren die meisten Geschäfte noch geschlossen. Beim zweiten Versuch hat Jana, bis auf das Maßschneidern lassen einer Bluse, irgendwie keinen Shopping-Erfolg feiern können. Dafür hatte ich jetzt zwei neue Hosen, obwohl ich eigentlich Garnichts kaufen wollte. Irgendwie ist da wohl etwas schief gelaufen…

Auf dem Weg nach Balangan

Balangan Beach

 

An ein paar Tagen haben wir uns einen Fahrer genommen, um den Nordteil der Insel zu erkunden. In Ubud haben wir den Affenwald besucht. Die auf Bali lebenden kleinen, grauen Tiere sind dort in ziemlicher Anzahl vorhanden und schon reichlich unbeeindruckt, von den Touristenmassen, die sie jeden Tag begaffen. Trotzdem war es nett dort.

An einem anderen Abend haben wir uns im Uluwatu-Tempel den dort aufgeführten Tempeltanz angesehen. Eine Mischung aus Theater und Tanz. Untermalt wurde die kostümreiche Vorführung von einem reinen Männerchor, der allerdings eher einen steten Rhythmus in abgehackten Tönen vorgegeben hat, als wirklich zu singen. Die Story der Aufführung war – nun ja – unvollständig. Eine wilde Geschichte um eine Prinzessin, die von einem Riesen entführt wird. Ihr Prinz und dessen Bruder (oder war es ihrer?) wollen sie retten und bekommen dabei Hilfe von einem magischen Vogel, der allerdings nichts wirklich tut, und von einem weißen Affenkönig, welcher der gefangenen Prinzessin einen Ring des Prinzen bringt, als Symbol, dass der ihn geschickt hat. Er will zum Prinzen zurück und wird dabei von den Riesen gefangen genommen. Da er die Festung der Riesen halb geschleift hat, sind die natürlich entsprechend übel gelaunt und wollen King Lui verbrennen. Da der Affenkönig allerdings magische Fähigkeiten hat, kann er nicht verbrannt werden. Punkt. Schluss. Keine Ahnung, was aus der Prinzessin und ihrem Prinzen geworden ist, oder was der König der Lianenschwinger als nächstes zu tun gedenkt.

Aber dafür waren die Kostüme sehenswert und die Aufführung mal was anderes, als Theater oder ähnliches bei uns.

Tempeltanz

 

Die Zwillingswasserfälle von GitGit standen ebenso auf dem Touri-Programm, wie auch die größten Reisfelder Balis weit im Norden der Insel. Und auch, wenn ich ja normalerweise nicht so auf den Touristenteil stehe – irgendwie ist es anders, wenn man das mit seiner Freundin macht. Die Reisfelder haben mich dabei übrigens am meisten beeindruckt. Ewig große, grüne Terrassen. Bergauf und Bergab. Soweit man gucken kann.

GitGit Twin Falls

Reisfelder im Norden Balis

 

Einen Abend war Germaines Mann so nett, uns mit seinem kleinen Boot in den Sonnenuntergang mitzunehmen. Wir sind die Küste rauf und runter gefahren und konnten uns Bali mal vom Wasser aus ansehen. Die ganzen Surfspots, den Uluwatu Tempel, das Single Fin mal von der anderen Seite. Es war toll. Und schon wieder so verdammt kitschig. Oder?

Bootsfahrt

 

Die letzten fünf Tage sind wir noch einmal umgezogen und haben in einer etwas nobleren Bungalow-Anlage im Dschungel im Nordwesten gewohnt. Der Gegensatz der relativen Abgeschiedenheit in den Bergen zur Hektik und den Stränden war angenehm. Aber leider ging mit dem erhöhten Nobelfaktor auch das persönliche und intensive, was wir in den Lullaby Bungalows hatten. Uns beiden hat die erste Anlage deutlich besser gefallen.

Highlight der Tage in den Taman Wana Villas & Spa – wie die Anlage in den Bergen hieß – war der Schnorchelausflug. Eine unglaubliche Vielfalt an Fischen, klares Wasser mit 20 Meter Sicht und mehr bei Temperaturen wie in einer Badewanne. Wir waren begeistert. Ich zitiere hier Jana mit „das war wie ‚Findet Nemo‘ – nur in echt“.

Ansonsten war noch der Infinity-Pool der Anlage erwähnenswert, von dem es zum Abschluss hier noch ein Bild gibt.

 

Taman Wana Pool

 

Ich bin drei Wochen lang auf Wolke sieben, acht und neun gleichzeitig gelaufen! Und das war definitiv der schönste Urlaub, den ich bisher hatte. Dank Dir, Baby.

Ich liebe Dich!

 

 

 

Indonesien!

Bali! Ich war da. Auf der Insel, wo ich nach 6 verflucht langen Monaten endlich Jana wiedersehen würde.

 

Aber zunächst mal holte der Fahrer von den „Lullaby Bungalows“ mich alleine am Flughafen Denpasar ab. Denn die erste Woche musste ich noch solo verbringen. Nach ca. einer Stunde Fahrt kam ich dann ganz im Süden der Insel an der kleinen Bungalow-Anlage an. Nur vier achteckige Hütten, ein kleiner Pool und ein echt hübsch angelegter tropischer Garten dazwischen.

Als ich in meine Unterkunft für die nächsten 3 Wochen kam, war es schon fast nicht mehr auszuhalten. Ein Doppelbett mit Moskitonetz darüber, aufgerollte Handtücher darauf, Blütenblätter zur Deko, eine private Open-Air-Außendusche zwischen Palmen und Farnen, dezente Beleuchtung, …

Wenn ich meine Freundin bis hierher nicht schon so unglaublich vermisst hätte – jetzt wäre es soweit gewesen.

 

Aber wie gesagt – erst einmal eine Woche alleine. Die meiste Zeit dieser Woche habe ich mit surfen verbracht. Ich war selbst ziemlich überrascht, wie gut es klappte. Die Ausdauer zum Paddeln hätte ich nicht erwartet. Und mit dem 6‘4‘‘er Brett waren endlich auch mal die ersten Ansätze zu CutBacks möglich.

Die ersten 3 Tage bin ich mit dem Surflehrer, den sich 2 Australierinnen, die auch in den Bungalows schliefen, angeheuert hatten, und den Beiden, die verschiedenen Strände abgefahren. Super Sache – so wusste ich wenigstens direkt, wie ich wohin komme.

Abends habe ich dann schon mal die möglichen Restaurants getestet, in die ich dann mit Jana gehen könnte. So auch das ‘Single-Fin‘. Eine wirklich schön gelegene Mischung aus Bar und Restaurant, hoch über dem Surfspot Uluwatu. Beim Abendessen auf der Terrasse konnte man die Surfer im Sonnenuntergang beobachten. Und Uluwatu ist ein Spot, an dem eher die Leute surfen, die wissen, was sie tun. Es gab also was zu sehen.

Beim ersten Mal war ich schon fast im Dunkeln dort und habe nur gegessen. Ein paar Tage später wollte ich früher hin. Leider hatte es noch geschlossen, so dass ich in eins der anderen zahlreichen Warungs (simple, balinesische Cafes und/oder Essensbuden) bin, eine Coke bestellt habe und mir nur den Sonnenuntergang angesehen habe.

 

Eine absolute Scheiß-Idee! Die totale Pärchen-Sache! Unglaublich, wie kitschig so ein Sonnenuntergang sein kann! Ich kann nur allen raten, die 6 Monate von ihrer Freundin getrennt verbringen müssen und dann noch eine Woche auf Bali warten müssen: guckt Euch nicht alleine den Sonnenuntergang bei Uluwatu an. Un-er-träg-lich!

 

Völlig deprimiert bin ich dann noch woanders essen gewesen und hab mich alleine unters Moskitonetz ins Bett gelegt.

Zum Glück waren es ja nur noch ein paar Tage. Noch ein paar Mal skypen mit Hamburg und dann war es soweit. Jana stieg in den Flieger zu mir. Endlich!