Verliebt!

Ja, ich habe mich verliebt. In eine Frau, die ich auf einem Gamedrive kennengelernt habe und die so schön war, dass ich sie fast eine volle Stunde einfach nur angucken musste. Und bevor jetzt jemand meine Freundin anruft, um es ihr zu sagen – Jana weiß es schon.

Aber von Anfang…

Nach dem Mokoro-Trip stand noch ein Ausflug weiter in den Norden des Okavango-Deltas an. In das Moremi Game Reserve, einen Nationalpark im eher westlichen Botswana. Übernachtet habe ich in der Mankwe Bush Lodge auf einem völlig einsamen, nicht eingezäunten Campingplatz, der bei meiner Ankunft übersäht war mit Elefantenspuren. Zum Glück haben sie mich nicht nachts besucht…

Roter Litschi

Am Freitag, den 24.5. holte mich mein Guide zusammen mit seinem Guide-Lehrling um sechs Uhr morgens am Zelt ab (ehrlich gesagt habe ich aus Vorsicht vor den Elefanten im Auto geschlafen). Wieder mal war ich der einzige Teilnehmer, was in diesem Fall richtig von Vorteil war. So musste ich mich nie darüber ärgern, dass jemand anderes vor der Kamera sitzt und Clifford, der Guide, hat mich immer erst gefragt, bevor er weiter gefahren ist.

Geier sind Aasfresser

Bisher – und auch danach – habe ich alle Pirschfahrten selbst unternommen. Aber da ich gelesen hatte, dass die Wildnis im Moremi Reserve teilweise stark überflutet sein kann und man eventuell richtig durch Wasser fahren muss, wollte ich das Risiko nicht eingehen. Und nachdem ich die Erfahrung im Wasser zu versinken ja auch schon gemacht hatte, erschien mir mein Entschluss, eine geführte Tour zu machen doppelt weise. Am Ende gab es zwar kein nennenswertes Wasser, welches wir hätten überqueren müssen, aber es war auch mal sehr angenehm, nicht selber fahren zu müssen, sondern einfach nur gucken zu können.

Nilkrokodil beim Sonnen

Was besonders gut war, da wir insgesamt tatsächlich 15 Stunden unterwegs waren. Und in den 15 Stunden haben wir eigentlich gar nicht so viele Tiere gesehen. Ein relativ seltener Anblick waren die afrikanischen Wildhunde. Die, zu den am meisten gefährdeten Tieren Afrikas zählenden, Hunde sind schlank und vierfarbig gescheckt. Auffällig und auch ein wenig lustig aussehend sind diegroßen, runden Ohren. Sie leben meistens in Gruppen und jagen immer als Pack.

Afrikanischer Wildhund

Auch der Kampfadler, der sich einen Fuß in einem Wasserloch gekühlt hat, ist nicht wirklich häufig und vor allem eindrucksvoll groß.

Kampfadler

 

An einer Stelle fuhren wir an einem Wasserloch entlang in dem einige Nilpferde badeten. Auf einmal bricht ein ziemlich fettes Exemplar rechts von uns aus dem Gebüsch und sprintet mit einem dicken Platsch ins Wasser. Es hatte offensichtlich unter den Büschen gelegen und wurde von uns erschreckt. Und das konnte es natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Als wir beobachtend neben dem Wasserloch standen, hat es ein paar Mal versucht, das Auto zu verscheuchen. Es hat geschnaubt, plötzlich den Kopf zu uns herumgerissen und vor allen Dingen seine beeindruckenden Zähne präsentiert

Drohgebärde

Nachdem mit dieses Foto gelungen war, war ich für den Tag schon zufrieden.

 

Abendstimmung im Moremi Wildreservat

Aber als es Abend wurde und wir schon auf dem Rückweg zum Tor waren, habe ich sie gesehen. Sie rannte vor einem Mann weg, direkt vor unserem Auto quer über die Piste, und flüchtete sich auf einen Baum. Der Kerl ist noch hinterher, war aber zu schwer, um ihr bis in das dünne Geäst im Wipfel zu folgen. Nach ein paar Minuten ist er dann abgezogen und ich habe sie das erste Mal richtig gesehen – und war verliebt.

Raubkatze

Vor uns sind zwei Leoparden über den Weg gesprintet und auf den Baum geklettert. Und nachdem das Männchen fort war, hat das Weibchen es sich dort oben gemütlich gemacht. Direkt über unserem Auto. Ich habe noch nie vorher Leoparden gesehen – und falls es doch mal einen im Zoo gab, kann ich mich nicht daran erinnern. Und ich war hin und weg. Mir war vorher nicht klar, wie unglaublich elegant diese Katzen sind. Die schlanken Geparde wirken dagegen anorektisch. Löwen sind einfach nur plump.

Eleganz

Leoparden sind ziemlich selten und vor allem nachts aktiv. Es war also quasi schon Schicksal, dass wir sie gesehen haben. Und sie sind verdammt kräftig. Zur Beute der Raubtiere gehört alles, was sie erlegen können. Um ihren Fang vor Aasfressern und anderen Raubkatzen zu sichern, tragen sie z.B. Antilopen mühelos auf einen Baum, wo sie sie dann fressen.

Katzen beobachten alles

Von der Jagd oder dem Fressen war die neue Dame meines Herzens allerdings weit entfernt. Sie beobachtete die Umgebung, war aber ansonsten ziemlich entspannt und begann dann auch bald damit, sich die Pfoten zu lecken und sich auf dem Baum einzurichten.

Entspannt

Wir standen fast eine Stunde lang unter dem Baum und der Guide Clifford war anscheinend genauso begeistert wie ich. Am Ende waren wir sogar eine dreiviertel Stunde zu spät am Tor und mussten eine wilde Geschichte von einer Bootsfahrt erfinden, bei der der Motor ausgefallen sei, weswegen wir jetzt zu spät seien. Ansonsten hätten wir eine Geldbuße zahlen müssen. Aber mal ehrlich, wer kann diesen Augen wiederstehen?

 

Diese Augen ...

 

Der Tag hatte sich eindeutig gelohnt.

 

 

Im Okavango-Delta

Wann immer ich früher Bilder von Afrika aus dem Okavango-Delta gesehen habe, dachte ich, da will ich hin! Es gab genau zwei Ziele während der ganzen Reise, die auf meiner Da-muss-ich-im-Leben-nochmal-hin-Liste standen. Das eine war Vietnam – und es war wirklich so schön, wie ich immer gedacht hatte. Das andere war das Okavango-Delta. Was soll ich sagen – auch das ist wirklich so schön, wie ich es mir vorgestellt habe.

Am Sonntag, den 19. Mai, kam ich mit meinem gefühlt immer noch nassen Auto im Audi-Camp an. Fragt mich nicht, woher der Name kommt. Er hat auf jeden Fall nichts mit dem Ingolstädter KFZ-Hersteller zu tun. Nach einer Nacht in dem zwar einfachen, aber ganz hübschen Camp, ging es am Morgen des 20. dann gegen halb acht los. Mit mir unterwegs war ein schwedisch/amerikanisches Ehepaar mit ihrem Enkelsohn. Erst mal mussten wir zwei Stunden mit einem Jeep zur Mokoro-Anlegestelle fahren. Denn das war der Trip, den ich gebucht hatte: 2 Nächte und 3 Tage mit dem Mokoro, dem traditionellen Einbaum der lokalen Bevölkerung, durch das Okavango-Delta. Nachdem als erstes mal auf einer nicht gerade stabilen Holzbrücke die Anhängerkupplung abgebrochen war und wir eine Stunde auf ein Ersatzfahrzeug warten mussten, kamen wir mit etwas Verspätung an. Die „Anlegestelle“ war nichts weiter als ein Stück Wiese, auf dem fast ein Dutzend der langen, schmalen Boote lag.

Traditionell werden die Mokoros aus dem Holz eines bestimmten Baumes hergestellt (leider habe ich vergessen, aus welchem). Da sie allerdings aus einem Stück gefertigt werden, muss immer ein ganzer Baum für ein einzelnes Boot gefällt werden. So hält die Regierung die Anwohner des Deltas mittlerweile an, Mokoros aus Fieberglaas zu nutzen. Nicht ganz so traditionell, dafür aber haltbarer und Baumbestand-schonender.

Aus dem Mokoro

Der Einbaum wird, ähnlich wie die Gondeln Venedigs, mit einem langen Stab voran geschoben. Für mich hieß das, ich konnte es mir vorne im Boot gemütlich machen, mich an die gestapelte Ausrüstung hinter mir lehnen und mich von Jacky, meinem persönlichen Guide, durch das Wasser schieben lassen. Eigentlich dachte ich ja, dass ich zumindest die erste Nacht mit den Schweden/Amerikanern verbringen würde (sie hatten nur eine Nacht gebucht). Aber als wir nach anderthalb Stunden durch die Landschaft gleiten an einem Platz zum Campen ankamen, sagte mir Jacky, dass die drei einen eigenen Zeltplatz hätten. So war ich denn drei Tage mit einem Koch, zwei Gondolieren, von denen einer den Koch und der andere nur Ausrüstung transportiert hatte, und Jacky alleine. Vier Leute nur für mein Wohlbefinden…

Okavango Delta

Das Camp, was wir dann errichteten war tatsächlich mal ein Naturerlebnis, wie ich es haben wollte. Irgendwo auf einer Insel wurden die Zelte unter ein paar Bäumen aufgebaut. Hinter dem nächsten Busch grub jemand ein Loch in den Boden – die Toilette. Der Koch baute noch einen Tisch und einen Trinkwasserkanister auf und die beiden Gondoliere entzündeten ein Feuer, welches von da ab eigentlich durchgängig brannte. Denn Irgendetwas war immer zu erhitzen. Ständig kochte z.B. ein großer Topf mit Wasser, damit es warmes Wasser zur Verfügung gab zum Waschen.

Bis auf das Trinkwasser aus dem Kanister, welches eigentlich nur für mich war, wurde alles mit dem Wasser direkt aus dem Okavango gemacht. Wir hatten zwei Schüsseln, in denen wir das Geschirr darin spülten, es gab zwei offene Wassersäcke an Ständern, die als Waschbecken fungierten (natürlich mit warmem Flusswasser), der Kaffee wurde mit Flusswasser gekocht, das Essen ebenso und Jacky und die beiden Gondoliere, die alle aus dem gleichen Dorf nahe der Anlegestelle kamen, tranken auch einfach direkt aus dem Fluss.

Und der war überall. Der Okavango ist einer der wenigen Flüsse der Welt, der von seiner Quelle nicht ins Meer fließt, sondern sich immer weiter auffächert und schließlich in der Kalahari versickert, bevor er einen Ozean erreichen kann. Als Ergebnis ist die Landschaft seines Deltas geprägt vom Wasser. Es gibt Unmengen an Inseln, angefangen mit kleinen, die nur ein paar Meter groß sind, bis zu solchen, über die man stundenlang laufen kann. Das Wasser ist je nach Jahreszeit und Stelle zwischen ein paar Zentimetern und zwei Metern tief. Jetzt, ein paar Monate nach der Regenzeit weiter im Norden, schwillt der Okavango an. Die Gras- und Baumlandschaft, über die wir gelaufen sind, wird in einem Monat komplett überflutet sein. Im afrikanischen Sommer, also im November/Dezember wird hingegen weniger Wasser vorhanden sein, als noch im Moment. Und so wechselt das Bild, dass der Fluss malt, jedes Jahr von trocken zu überflutet, zu trocken, zu überflutet, zu …

Irgendwo im Delta

Der Fluss selber wiederum ist geprägt von Pflanzen. Überall gibt es Wasserpflanzen, Wasserlilien, Bäume, die die Hälfte des Jahren im Wasser und die andere auf dem Trockenen stehen, Schilf, … Und fast alle Pflanzen werden von den Einwohner verwendet.

Wir haben jeden Morgen und Abend eine Tour gemacht. Am zweiten Abend hat Jacky mich schweigend durch den Sonnenuntergang gestakt, ansonsten sind wir über die Inseln gewandert. Dabei hat er mir Unmengen an Dingen erklärt, von denen ich leider die meisten schon wieder vergessen habe. Zum Beispiel eben, wofür welche Pflanzen verwendet werden. Aus welchem Gras sie die Dächer für ihre Lehmhütten machen, aus welchen Bäumen sie die Mokoros fertigen, mit welchen Pflanzen sich traditionell Krankheiten behandeln lassen und mit welchen Blättern man sich als Moskitoschutz einreiben kann. Dazu habe ich ein wenig gelernt die Spuren der Tiere zu erkennen oder dass ich am Dung erkennen kann, ob es sich um einen Wiederkäuer handelt (hier hauptsächlich Büffel).

Überall Wasser

Auch irgendwo im Delta

Es ist eine ganz andere Erfahrung, wenn man die Natur und vor allem die Tierwelt, wie in den Nationalparks, aus dem Auto bestaunt, oder wenn man mitten durch läuft. Erst als ich wirklich direkt neben einem Termitenhügel stand, der deutlich größer war, als ich, wurde mir klar, wie groß die Dinger sind. Und erst als ich zum Ausblick auf einen gestiegen bin, wusste ich, wie stabil sie sind. Das war tatsächlich Afrika, wie ich es erleben wollte.

Afrika

Wir haben an den drei Tagen nicht besonders viele Tiere gesehen, aber es hat gereicht, um mich zu begeistern. Die Zebras sind vor mir hergelaufen und die Giraffen haben mich von hoch oben aus 10 Metern Entfernung komisch angeglotzt.

Giraffen im Delta

Das Zebra ist übrigens das „Nationaltier“ Botswanas. Schön fand ich die Erklärung, die Jacky mir dazu gab. Das Land hatte einen Präsidenten, ein schwarzer Mann, der mit einer weißen Frau verheiratet war. Und um diese Vereinigung von Schwarz und Weiß zu symbolisieren eignet sich das eben so gefärbte Zebra hervorragend.

Botswanas Nationaltier

 

Wie ich eben schon geschrieben habe, sind wir am zweiten Abend mit dem Einbaum durch den Sonnenuntergang gefahren. Ein Erlebnis, dass sich schwer beschreiben lässt. Jacky hat diesmal kaum etwas erklärt und mich einfach schauen lassen. Und ich habe geschaut – und wie. Ich habe ständig den Kopf geschüttelt, weil die Landschaft und das Erlebnis so unglaublich schön waren. Ich saß im Boot, hörte nichts außer dem leisen Plätschern des Wassers und den Vögeln. Ab und an grunzte in der Ferne ein Hippo. Es war so unglaublich … friedlich.

Jacky fährt mich

Das war der Punkt, an dem ich restlos überzeugt war. Ich war so begeistert, dass ich es selber schon fast albern fand. Aber ich kann es nur wiederholen – das Okavango-Delta ist unfassbar schön. Und das Erlebnis, mitten drin zu sein, ohne andere Touristen, ohne Luxus wie Strom oder fließendes Wasser, ohne Zäune oder die Autokabine um sich herum, war schon ein Hammer.

Sonnenuntergang im Okavango Delta

Mokoro im Sonnenuntergang

Als wir am dritten Tag, nach einer weiteren morgendlichen Wanderung und einem Brunch, mittags zurück gefahren sind, haben wir noch ein paar planschende Nilpferde gesehen. Die riesigen Tiere hatten offensichtlich Spaß, sich im Wasser zu wälzen, hin und her zu schwimmen und sich den Okavango aus der Nase zu prusten. Und ich hatte Spaß, ihnen dabei zuzusehen – in einem Einbaum, in nur zehn Metern Entfernung… Es ist tatsächlich etwas ganz anderes, aus dem Auto heraus zu beobachten, oder direkt dabei zu sein.

Badendes Nilpferd

 

Vor ein paar Monaten hat mich ein griechischer Freund, den ich noch aus Stockholm kenne, gefragt, welches der schönste Ort war, den ich bisher gesehen habe. Ohne zu zögern oder groß nachdenken zu müssen, habe ich ihm geantwortet: wenn wir über Städte reden Sydney, wenn wir über Kultur reden Machu Picchu und wenn wir über Natur reden die Anden. Jetzt würde ich die Anden durch das Okavango-Delta ersetzen. Nachdem ich nun im wörtlichen Sinn einmal um die ganze Welt gereist bin, ist das Okavango-Delta mit Abstand der schönste Flecken Erde, den ich gesehen habe!

 

Schon wieder Wasser

Schon wieder Wasser

Der namibische Caprivi-Zipfel bildet quasi die nördliche Grenze von Botswana. Und die Victoriafälle liegen direkt neben der Nord-Ost-Ecke des Landes. Von dort aus führte mich mein Weg dann Richtung Süden, um in Nata nach Westen abzubiegen und über ein paar Zwischenstationen vom Süde aus in das Okavango Delta zu fahren.

Auf dem Weg durch Botswana muss man immer wieder Veterinärzäune passieren. Die Begrenzungen werden im Englischen „Buffalo-Fence“ (Büffelzaun) genannt und dienen in erster Linie dazu, die Ausbreitung der Maul-und-Klauen-Seuche durch die Büffelherden zu verhindern. Das Prozedere an den Posten ist immer gleich: man wird nach dem Führerschein gefragt, muss aussteigen und alle Schuhe auf einen alten Lappen mit antibakterieller Lake pressen und mit dem Auto durch ein Wasserbecken fahren. Und meistens wird auch noch die Kühlbox kontrolliert. Wie schon bei der Einreise ins Land, dürfen keine frischen Fleisch- und Milchprodukte durch die Kontrollen  gebracht werden. Man gewöhnt sich an die Prozedur.

Nur zwei Mal, war sie etwas lustiger. Das eine Mal hält man mich an, Führerschein, aussteigen, Schuhe auf den Lappen. Dann kontrolliert der Beamte meine Kühlbox. Der Wagen hat eine fest installierte Kühlbox, in die man von oben hineingreifen kann. Er macht also den Deckel auf, und schiebt, auf der Suche nach Frischfleisch, den Inhalt hin und her. Nachdem er eine Weile darin herumgewühlt hat, nimmt er den Kopf aus der Box, guckt mich an, und fragt leicht ungläubig „only beer“? (Nur Bier?). Ich hab geantwortet „Ne-in – da ist auch noch Cider drin!“

Das zweite (lustige) Mal begann ähnlich. Anhalten, Führerschein. Dann wollte mich der Polizist schon weiter fahren lassen. Aber ein Kollege von ihm kam an, noch bevor ich den Motor starten konnte, und fragte mich, was ich hinten im Wagen habe. Campingausrüstung. Ja – er wolle das gerne sehen…

Also aussteigen und aufmachen. Er sieht die Kühlbox. Will reingucken. Fragt noch „Kein Fleisch“? Ich sag „ne – nicht mehr“. Dann guckt er noch mal in die Box und dann mich an und fragt mit einem Grinsen „And where is my cold drink“? (Und wo ist mein kalter Drink). Bevor ich weiterfahren konnte, musste ich ernsthaft einen Polizisten mit einer Dose Bier bestechen. Die botswanische Polizei hat ja wohl echt keinerlei Ehrgefühl! Ich meine – der hat sich mit einem DOSENBIER als Bestechungsgeld zufrieden gegeben… Ich konnte mir das Lachen gerade noch verkneifen.

 

Nachdem ich dann durch einige Kontrollen durch war, kam ich in einer Unterkunft in der Nähe des Makgadikgadi-Nationalparks an. Am 18. Mai wollte ich mir den recht kleinen Nationalpark ansehen.

Am Nordost-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen. Aber wenn ich etwa 100 km weiter fahre, gibt es an der Nordwest-Ecke einen weiteren Eingang. Da könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da ich sowieso an die Westseite des Parks wollte, denn dort befindet sich der Fluss, an dem die meisten Tiere zu finden sind, bin ich dann halt zu dem besagten Tor gefahren.

Am Nordwest-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen.

Déjà-Vu nennt man das wohl…

Allerdings sei es kein Problem, wenn ich durch den Park zum Haupttor fahre, dass ca. 70 m weiter südlich liegt. Dort könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da das sowieso die Strecke war, die ich fahren wollte… was soll’s.

Der Makgadikgadi-Park stellte sich allerdings schnell als relativ langweilig heraus. Bis auf die Geier, die ich im „You and me …“ Beitrag vorgestellt habe, gab es nichts Besonderes zu sehen. Dafür gab es besonders viel Sand. Zwei Mal wäre ich fast stecken geblieben und kam nur mit Allrad, Untersetzung und einer ziemlich rabiaten Fahrweise wieder heraus. Die meiste Zeit bin ich mit 60 km/h durch den tiefen, feinen Sand gebrettert und geholpert, um nicht stecken zu bleiben. Das ist für 20 Minuten mal ganz lustig. Aber nach einer Stunde hatte ich langsam keine Lust mehr darauf.

Vom Haupttor aus konnte man auch einen Umweg, außen um den Park herum, nehmen, um wieder zurück zu fahren. War zwar etwas weiter, aber dafür wenigstens Asphalt und kein Treibsand. Nachdem ich also tatsächlich mein Tagesticket erstanden habe, bin ich – glücklicher Ticketbesitzer – direkt mal aus dem Park raus und ca. 100 Meter gefahren.

 

Dann musste ich mit einer Fähre über den Fluss setzen, an dessen Ufer ich zuvor die Geier fotografiert hatte. Die „Fähre“, wie sie genannt wurde, war dann doch eher ein Floß mit Außenbordmotor. Als der Fährmann am gegenüberliegenden Ufer mich sah, ließ er seinen Zweitjob als Hüter einer Rinderherde kurz liegen und kam herüber getuckert.

Die Fähre

Da das Wasser zu seicht war, konnte er nicht bis ganz ans Ufer kommen und bedeutete mir mit Handzeichen, durch das Wasser zu ihm zu fahren. Dabei legte er noch Wert darauf, dass ich einen Bogen fahren sollte. Vermutlich Steine im Wasser oder so etwas.

Also fahre ich schon leicht angespannt in dem mir bedeuteten Bogen auf das Floß zu. Plötzlich macht der Fährmann ein ziemlich blödes Gesicht und sagt „Oh – there is a hole“ (Oh, da ist ein Loch). JA, das hab ich auch gemerkt. Schließlich ist gerade mein rechter Vorderreifen abgesagt und die Karre hängt schräg bis zum Scheinwerfer im Wasser! Rückwärtsgang!

Keine Chance. Der Boden ist viel zu schlammig und von den vier Reifen haben sowieso nur noch zwei überhaupt Bodenkontakt. Versucht der Fährmann als erstes mal, mein Auto vorne hochzuheben… Der Typ war noch dünner als ich. Der hätte vermutlich schon Probleme gehabt, MICH hochzuheben, geschweige denn mich und das Auto, in dem ich sitze. Tja – ein Satz mit X, das war wohl nix.

Dann stand er da etwas bedröppelt und wusste auch nicht weiter. Unterdessen sickerte langsam das Wasser durch die Tür.

Dann eine Idee: er würde Hilfe holen. Jemanden, der ihm hilft, den Wagen hochzustemmen. Nur – wen?? Da war weit und breit niemand! Mittlerweile hatte das Wasser die Pedale erreicht.

Am gegenüberliegenden Ufer tauchten zwei Jeeps auf, die übersetzen wollten. Von denen würde er jemanden fragen. Die sollten helfen und retten. Ich konnte es kaum glauben… Da sitze ich in meiner gemieteten Karre mitten in einem Fluss und hab meine Beine bis zu den Knien im Wasser. Wohlgemerkt – im Wasser IN MEINEM AUTO! Und der verantwortliche Fährmann schippert mit einem Höllentempo von gefühlten 5 Metern pro Minute ans andere Ufer, um Supermann zu holen, der mein Auto hochhebt.

Zum Glück waren die Jeepfahrer nicht ganz so naiv und kamen auf die Idee, mich mit ihrem Auto rückwärts rauszuziehen, statt mit Muskelschmalz meinen Wagen anzuheben. Es dauerte ungefähr eine Viertelstunde, dann war der erste Jeep auf meiner Seite. Der hat dann übrigens auch den direkten Weg von der Fähre zum Ufer genommen und nicht den mir zuvor angezeigten Bogen. Da war dann auch kein Loch im Boden…

Während der Jeep-Mann anscheinend hinten an meinem Wagen das Seil befestigte, tuckerte der Fährmann wieder rüber und holte den anderen Jeep. Irgendwann war es dann so weit. Das Seil war verknotet und ich sollte gleichzeitig rückwärts fahren, während ich gezogen werden.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen. Zweiter Versuch.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen.

Dann fiel dem Jeep-Mann ein, dass er ja noch ein dickeres Seil hat. Mittlerweile war der gesamte Fußraum auf der Fahrerseite voll Wasser und ich bekam einen nassen Hosenboden…

Nach weiteren 5 Minuten war das dicke Seil angebracht. Und tatsächlich – ich wurde aus meiner nassen Lage befreit. Ich kam mir vor, wie in einem dämlichen Film, als ich die Tür öffnete und ein riesen Schwall Wasser AUS meinem Auto schoss.

Aber ich musste ja immer noch über den blöden Fluss… Dieses Mal bin ich allerdings auf direktem Weg auf das Floß gefahren – ohne Löcher. Nur saß das Floß jetzt fest. Ich denk noch „das kann jetzt nicht Dein Ernst sein…“ Ein Stückchen vorfahren auf dem Floß, dann wird es hinten leichter. Hilft nicht. Noch ein Stück vor. Tatsächlich – wir tuckern über den Fluss. Wieder ein Stück zurück – zum Anlegen. Zum Glück ist das Ufer an dieser Seite steiler, so dass das Floß bis ganz an den Rand kann.

Puuh – ich habe es geschafft. Ich stehe auf der anderen Seite und der Motor läuft auch noch. Na wenigstens musste ich für die Überfahrt so nichts bezahlen. Ganz umsonst bin ich über den Fluss gekommen. Wahnsinn!

 

Mit seiner langjährigen Erfahrung hatte der Fährmann übrigens schnell erkannt, woran es lag, dass mein Auto fast ertrunken wäre: es ist ein Nissan!

Na dann …

 

 

Botswana!

Am Ende des namibischen Zipfels ging es dann am 12. Mai hinüber nach Botswana. Nachdem ich mir in der letzten Lodge noch habe erklären lassen, dass ich in der letzten Stadt vor der Grenze eben nicht die Grenzformalitäten erledigen muss (wie es fälschlicherweise meine Reisebüro-Tante behauptet hatte), sondern dies nur der Fall bei der Einreise ist, bin ich direkt durchgefahren, bis zum Grenzposten. Als ich gerade anhielt, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen, kam eine Frau auf mich zu, die ich ab ungefähr 3 Minuten, nachdem sie mich angesprochen hatte, nur noch

 

Die Stinkefrau

genannt habe. Die etwa Mitte Dreißig Jahre alte Stinkefrau suchte eine Mitfahrgelegenheit bis nach Kasane, dem Ort, zu dem auch ich musste. Da sie alleine war (häufig kommen dann auf einmal noch fünf andere Leute von irgendwo her, die auch mit wollen, habe ich gemeint, klar, sie könne mitfahren.

Die besagten drei Minuten später saß sie in meinem Auto und ich habe eine Weile ernsthaft überlegt, sie wieder raus zu schmeißen. Gott, stank die Frau. Übelst! Ich habe es natürlich nicht über mich gebracht, über sie hinweg nach der Beifahrertür zu greifen, sie zu öffnen und die Stinkefrau kommentarlos aus dem fahrenden Auto zu schieben. Stattdessen habe ich mein Fenster aufgemacht und mich die ganze Fahrt gefragt, ob sie sich nicht wundert, dass ich als Fahrer die ganze Zeit zum Seitenfenster hinaus sehe. Als sie mir erzählte, sie sei in der Tourismusbranche, dachte ich nur, na hoffentlich duscht sie wenigstens, wenn sie Kundenkontakt hat. Sonst wird die Lodge, in der sie arbeitet vermutlich bald pleitegehen…

 

Zusammen mit der Stinkefrau kam ich nach den Ausreiseformalitäten noch zur Schranke, hinter der dann ein Stück Niemandsland begann, bevor botswanischer Boden unter meine Räder kommen sollte. Dort fragte mich dann der Wachmann nach meiner Genehmigung für den Grenzübergang. Ich habe ihn nur ziemlich verständnislos angeschaut und er versuchte mir dann zu erläutern, dass ich eine Genehmigung brauchte, um das Auto über die Grenze zu bekommen. Und zwar nicht die, die mir mein Autovermieter ausgestellt hatte – nein. Sondern die, die ich für 70 Namibianische Dollar (ca.6 EUR) an der Total-Tankstelle im letzten Ort vor der Grenze hätte kaufen müssen. Etwa vor 70 Kilometern! Ich habe mich einfach nur so lange weiter blöd gestellt und getan, als verstünde ich ihn nicht, bis er mich leicht genervt einfach so durchgelassen hat.

Nach dem Streifen Niemandsland kam dann die Veterinärkontrolle. In Botswana dürfen keine frischen Tier- und Milchprodukte eingeführt werden. Eine rundliche Mama-Frau schaute erst in meine Kühlbox und meinte, die H-Milch gehe in Ordnung. Aber die Salami musste ich entsorgen. Dann mussten noch alle Schuhe auf einen uralten Lappen gepresst werden, der anscheinend mit einer antibakteriellen Lake getränkt war oder so etwas. So, wie der aussah, hab ich mir da allerdings eher Bakterien unter die Schuhe gerieben, statt sie zu entfernen.

Bevor ich dann mit dem Wagen auch noch durch ein Wasserbad fahren musste, wünschte die Mama-Frau mir noch einen schönen Tag und  erinnerte mich „und rufen Sie ihre Mutter an“… Heute war Muttertag und wenn mich die rundliche Mama-Veterinärkontrolleurin an einem recht einsamen Grenzübergang nicht daran erinnert hätte, hätte ich es wohl vergessen.

Dann die Einreiseformalitäten nach Botswana. Soweit problemlos, nur das Visum musste bezahlt werden. Aber da mir jeder und jeder Reiseführer gesagt hatte, in Botswana kann man sogar besser mit US-Dollar bezahlen, als mit der lokalen Währung, hatte ich genügend dabei.

Tja – ich nehme an, der Spannungsbogen war nicht so besonders geschickt aufgebaut und man hat es schon geahnt – nix US-Dollar. Namibische Dollar wären OK. Von denen hat allerdings jeder und jeder Reiseführer gesagt, damit könne man nun überhaupt nicht bezahlen. Also hatte ich die alle aufgebraucht. Jetzt stand ich da an der Grenze und lies mir erklären, ich müsse dann zurück durchs Niemandsland und an der namibischen Grenze könne ich die US-Dollar dann in botswanische Pula wechseln… Na super!

Aber ich hatte ja noch die Stinkefrau bei mir. Die hat mir dann die nötigen 200 Pula (ca. 19 EUR) geliehen und ich kam endlich nach

Botswana!

Nur mit äußerster Willensanstrengung (nicht anzuhalten und um Luft ringend ins Freie zu stürzen) kamen die Stinkefrau und ich nach etwa einer Stunde dann in Kasane an. Nachdem ich sie abgesetzt hatte, habe ich erst mal Stundenlang den Wagen gelüftet…

Nach einer Nacht in der Chobe Safari Lodge bin ich dann am Montag, den 13.5., in den Chobe-Nationalpark gefahren. Und ich war begeistert!

Im Gegensatz zu den Parks in Namibia, hatte man auf einmal das Gefühl, wirklich durch die Natur zu fahren. Das äußerte sich zum einen durch ziemlich tiefen Sand, in dem ich definitiv ohne 4×4-Antrieb mehrfach stecken geblieben wäre und zum anderen durch die Möglichkeit direkt am Ufer des Chobe-Flusses entlang zu fahren; ohne Straße oder auch nur einen Schotterweg. Sondern wirklich einen Meter neben dem Wasser einfach über das Flussufer. Ab und an kamen auch mal Passagen, in denen man ein wenig durch das Wasser musste.

Kaffernbüffel

Hier habe ich auch das erste Mal die großen Kaffernbüffel gesehen. Die Paarhufer mit den mächtigen Hörnern und der dicken Stirn grasten und badeten in einer riesigen Herde von bestimmt 100 Tieren. Ein paar Minuten später musste ich kurz weg vom Ufer und bin mitten durch die Herde gefahren.

Büffelherde

Rechts, links, vor und hinter mir – überall grasten, dösten, schliefen oder sonnten sich die Viecher. Manche sprangen erschrocken zur Seite, wenn sie das Auto bemerkten, andere hatte damit überhaupt kein Problem und ich musste warten, bis sie sich aus dem Weg bequemten.

Die Drei von ...

Badender Büffel

 

Nachdem ich schon richtig begeistert war, fuhr ich etwas später wieder zum Ufer – und trat auf die Bremse. Auf einer kleinen Schilfinsel ein paar Meter entfernt lag ein ziemlich großes Nilkrokodil und ließ sich geduldig das Wasser durch das offene Maul laufen, in der Hoffnung, ein Fisch würde ebenfalls den Weg zwischen seine gefährlich aussehenden Kiefer finden. In der Zeit, in der ich es beobachtet habe, hatte es allerdings kein Glück.

Nilkrokodil

Etwas weiter begegnete mir dann einer seiner Verwandten – der Nilwaran. Die bis zu zwei Meter langen Echsen bewegen sich oft sehr gemächlich vorwärts, können aber bei Bedarf auch richtig flink werden. Ihr Gang sieht ein wenig aus, als wären einer Schlange Beine gewachsen. Der ganze Körper und der lange Schwanz bewegen sich beim Laufen hin und her, wie der Körper einer Schlange.

Nilwaran I

Nilwaran II

 

Mittlerweile habe ich schon ziemlich viele Elefanten gesehen. Aber die grauen Riesen schaffen es immer wieder, mich zu faszinieren. So habe ich bestimmt eine Viertelstunde diesem einen Bullen zugeschaut, wie er da im Chobe stand und das Gras in sich hinein gestopft hat. Naja – die bis zu 500 Kg Grünfutter am Tag, die so ein ausgewachsener Dickhäuter vertilgt, müssen ja auch irgendwie zustande kommen.

Elefantenbulle im Chobe River

 

Natürlich gab es auch noch eine ganze Menge andere Tiere. Große Herden von Antilopen, Zebras, Gnus, Giraffen, usw. grasten die Büsche und den Boden der Landschaft ab. Immer wieder tauchten auf einmal Elefanten hinter Büschen auf. Hippos badeten ihre empfindliche Haut im kühlen Fluss und Mistkäfer rollten wie bekloppt Elefantendung ziellos hin und her.

Hippos im Chobe River

 

Erwähnenswert fand ich auch noch meine Begegnung mit den afrikanischen Fischadlern – auch Schreiseeadler genannt. An einer Stelle am Fluss waren gleich vier der Tiere versammelt und ab und an verdeutlichten sie mal, wie sie zu ihrem Namen kommen. Ein Gekeife ohnegleichen!

Ich hatte gerade die Kamera auf zwei der Raubvögel gerichtet, als einer auf einmal seine Schwingen spreizte und dicht über dem Wasser dahin schoss. Und ich hatte das Glück, genau im richtigen Moment den Auslöser zu drücken.

Afrikanischer Fischadler in Aktion

Kurz danach hatte ich (wie ja bekanntermaßen schon öfter) wieder die Kamera im richtigen Moment in der Hand…

Zwei Fischadler in Aktion

 

Ich war mehr als zufrieden für den Tag! Aber etwas hat mich dann doch noch beeindruckt. In diesem Fall war es mal nicht die Fauna, sondern die Flora. Der Baobab – der Affenbrotbaum – ist ein echter Gigant. Die riesigen Bäume werden bis zu über 20 m hoch. Im hohen Alter von 2.000 – 3.000 Jahren kann der Stamm bis zu 30 m Umfang erreichen. Ich bin immer wieder fasziniert, egal, wie viele der Bäume ich schon gesehen habe.

Im Schatten des Baobab

Um sich zu verdeutlichen, wie groß der Baum auf dem Bild ist, sollte man sich noch mal klar machen, dass das Elefanten sind, die da in seinem Schatten stehen. Tiere, die über drei Meter groß werden und bis zu sechs Tonnen wiegen können. Auf dem Foto sind sieben Tiere. Aber es passen locker mehr als ein Dutzend unter das Geäst des Baums.

Man merkt – ich bin immer noch beeindruckt.