Thailand!

Oder genauer – Bangkok

Thailand wird wohl das Land mit dem kürzesten Blog-Eintrag der ganzen Reise. Denn nachdem wir am 26. Januar gegen Abend in der über 8 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Bangkok ankamen, haben wir das Land auch schon drei Tage später wieder mit einem kurzen Flug Richtung Kambodscha verlassen.

Aber zunächst stiegen wir aus dem Flieger, holten unser Gepäck und suchten ein Taxi. Und in dem Moment, in dem wir aus dem Flughafengebäude traten, war klar – wir sind in Asien. Es war ca. halb neun am Abend und trotzdem bestimmt noch 30 Grad schwül-warm. Eine Luftfeuchtigkeit, wie in einem Dampfbad.

Im Hostel angekommen, haben wir nur noch kurz etwas zu trinken gekauft, uns dabei über die endlich wieder niedrigeren Kosten gefreut und sind dann ins Bett.

 

Rudimentär – oder gedrückt auf Thai

Am nächsten Morgen ging es los – Bangkok erkunden. Mit einem rudimentären, nicht maßstabsgetreuen Stadtplan ausgerüstet, wollten wir am ersten Tag den Königspalast und den Tempel Wat Pho besichtigen. Für den nächsten Tag hatten wir China Town und Downtown geplant. Aber wir waren jetzt in Asien – und das läuft in mancher Hinsicht so wie Südamerika: nämlich keinesfalls so, wie geplant.

Nachdem wir gute 20 Minuten gelaufen waren, sah uns irgendein freundlicher Thailänder mit dem Stadtplan an einer Kreuzung stehen (man bedenke: die Straßenschilder kann man meist nicht lesen, da sie in thailändischer Schrift geschrieben sind) und fragte, wo wir denn hin wollten. Zum Palast! Ah – zum Palast … Das sei aber bestimmt noch eine halbe Stunde zu laufen. Und außerdem sei der Palast mittags geschlossen. Dann nahm er mir freundlicherweise den Stadtplan aus der Hand und malte ein paar Kreuze und Symbole darauf, wo es in der Nähe noch andere Sehenswürdigkeiten gäbe. Die könnten wir uns anschauen und dann nachmittags noch zum Palast fahren. Da sein Englisch ungefähr genauso rudimentär war, wie unser Stadtplan, habe ich nicht ganz verstanden, was er uns noch erklärte. Irgendetwas vom letzten Tag einer Expo-Aktion, die von der Regierung gefördert sei? Auf jeden Fall gäbe es für die TukTuks mit den gelben Dächern heute noch Sonderangebote. Eine Rundfahrt zu den ziemlich wild aussehenden neuen Symbolen auf unserer Karte sollte nur 40 Baht (umgerechnet etwa 1 Euro) kosten. Bevor wir seinen Wortschwall auch nur ganz übersetzt hatten, hatte er schon ein solches Low-Cost Gefährt herangewinkt und wir saßen in dem rudimentären Dreirad.

Drücker TukTuk

Man gab uns noch eine Sehenswürdigkeit Zeit, bevor deutlich wurde, wieso das ganze selbst für Thai-Verhältnisse so günstig war… Zunächst fuhr unser Privatchauffeur uns zum Wat Indrawihan, einer buddhistischen Tempelanlage mitten in Bangkok. Bekannt ist die Anlage vor allem für den 32 Meter hohen, stehend dargestellten Buddha, der (laut Wikipedia) mit einer Schicht aus 24-karätigem Gold bedeckt ist.

Buddha in Wat Indrawihan

Nachdem wir ein paar Fotos geschossen hatten, hat unser Fahrer uns – auch wieder in sehr rudimentärem Englisch – erklärt, es gäbe eine Expo, zu der er jetzt fahren würde. Ok… meinetwegen. 10 Minuten später hielt er dann in einem Hinterhof vor dem Laden eines Schneiders an. Ahhh – ja! Wir sollten nur mal reingehen und gucken. Is klar! Er würde dafür einen Stempel bekommen, für den er dann Benzin kriegen würde.

Na jetzt war wenigstens klar, wo der Hase langläuft. Wir waren in der Thai-Version einer Drückerbande gelandet.

Nach dem Schneider ging es dann wieder zu einer Sehenswürdigkeit. Dieser Rhythmus sollte übrigens weiter durchgehalten werden. Etwas angucken, etwas kaufen (sollen). Wobei dieses Mal die Sehenswürdigkeit schon etwas lächerlich war. Angepriesen als „Lucky Buddha“ (der glückliche Buddha) hielt das Drücker-TukTuk vor einem unscheinbaren Gebäude und man führte uns in einen Raum, der verdammte Ähnlichkeit mit einem leergeräumten Konferenzsaal hatte. In einer Ecke konnten wir dann den Lucky Buddha bewundern, während uns der Thai, der uns reingelassen hatte, wieder von dem angeblich letzten Tag der Expo zu schwallte. Da die Buddhas ja nun heilig sind, egal in welcher dämlichen Umgebung man sie abstellt, habe ich mir ein Grinsen verkniffen. Aber ich kann nicht umhin, zu vermuten, dass der glückliche Buddha nicht aus religiösen Gründen in der Ecke eines Konferenzraumes steht…

Lucky Buddha

Und weiter – wieder mit der Bitte, uns doch einmal umzusehen, damit er sein Benzinmärkchen bekäme, setzte uns der TukTuk-Drücker diesmal vor einem Juwelier ab. Naja – vor einem Laden, der  vorgab ein Juwelier zu sein. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ungefähr jeder dritte Laden in einer Stadt, in deren Metropolregion etwas über 14,5 Millionen Menschen leben, ein „Juwelier“ ist, in dessen Auslagen Unmengen an Gold und Edelsteinen liegen, kann entweder etwas mit der Geldverteilung nicht stimmen (den die meisten Menschen leben eher ärmlich), oder Juwelen, Gold, Geschmeide sind nicht echt. Ich halte die zweite Schlussfolgerung für wahrscheinlicher. Auf jeden Fall hatten wir mal wieder unverschämtes Glück, denn auch der Juwelier hatte natürlich genau heute den letzten Tag seiner Sonderaktion. Zum Glück war alles Angebotene eh dermaßen hässlich, dass ich damit höchsten jemanden hätte erschrecken können, aber bestimmt nicht erfreuen.

Danach wieder eine Sehenswürdigkeit: irgendein kleiner Tempel, dessen Namen ich nicht mehr weiß oder herausfinden kann, der aber tatsächlich ganz hübsch war.

Kleiner Tempel

Dann wieder drücken: in einem Reisebüro. Die eindeutig lustigste Drücker-Erfahrung. Wir also auf Befehl unseres TukTuk-Drückers in das Reisebüro gegangen. Man lotste uns direkt an einen Tisch und die gelangweilte Reise-Asiatin dahinter ignorierte uns. Sie musste schließlich irgendetwas auf ihrem Smartphone tippen. Irgendwann meinte sie dann barsch „What can I do for you“ (Was kann ich für Sie tun?) Ich wollte nicht direkt „Nichts“ sagen und da draußen etwas von „Golden Mountain Travel“ oder so dran stand, fragte ich sie halt, was der Golden Mountain sei. Ihre Antwort war … naja, rudimentär halt: „It is outside“ (Er ist draußen). Als wir ihr dann gegenüber saßen uns nichts weiter sagten, fragte sie noch einmal „What can I do for you?“ Dir meinte dann „Nothing, I guess“ (Nichts vermute ich) worauf sie nur, unfreundlich wie die ganze Zeit, sagte „Good bye to you!“ (Auf Wiedersehen). Irgendwie schien sie ihr eigenes Drückerprinzip nicht ganz verstanden zu haben… Lachend gingen wir also nach drei Minuten wieder aus dem Reisebüro und kletterten ins TukTuk.

Der Fahrer fuhr dann genau zu dem „Golden Mountain“, nach dem ich zuvor die Smartphone-Drückerin gefragt hatte. Der Golden Mountain ist eine künstliche Erhebung – oder besser: ein Bauwerk – mitten in Bangkok, mit einer goldenen Spitze, Chedi genannt. Man kann ein paar Treppenstufen hochgehen und hat von oben einen guten Rundblick über diese riesige Stadt.

Bangkok

In alle Richtungen zieht sich das Häusermeer. In der Ferne lassen sich die Hochhäuser von Downtown ausmachen. Die Grenzen der Stadt sind nicht zu sehen, sie verschwinden im allgegenwärtigen Smog. Wenn man die Metropole so von oben sieht, beginnt man, über sie nachzudenken. Bangkok ist nicht schön. Aber hat – zumindest auf mich – trotzdem eine gewisse Anziehungskraft. Vielleicht liegt es an der Größe. Obwohl Lima ähnlich riesig war und so gar keine Affinität ausgelöst hat. Über die Dächer blickend, dachte ich, man kann an so vielen verschiedenen Stellen in diesen Wust auf Beton und Stein eintauchen und immer wieder etwas anderes sehen. Über andere Märkte laufen, durch verschiedene Gassen wandern, in den Shopping Malls in Downtown Nippes kaufen oder an einem Kanal Fisch abends Fisch essen. Ich glaube, dass ist es, was den Reiz ausmacht – die Vielfältigkeit. Und die ganze Zeit summte eine Stimme in meinem Kopf zu meinen Gedanken „One night in Bangkok“…

Bangkok in der Übersicht

Ich weiß nicht genau, ob die Stadt es als Kompliment auffassen kann – wohl eher nicht. Aber Bangkok eignet sich hervorragend für Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wie von selbst dreht man beim Fotografieren immer wieder den Knopf auf die farblose Einstellung.

Ein Ausschnitt der Stadt

Denn leider gibt dies einen Großteil der Ausstrahlung des Betondschungels wieder (zumindest so, wie ich ihn sehe). Es gibt viele Kleinigkeiten zu sehen und zu erleben. Und das Interessanteste daran sind die Menschen. Aber wenn man die ganzen künstlichen Farben, die Schilder, die Neonröhren, die rosa Taxen, ausblendet, zeigt sich das darunter liegende Bild in den betongrauen Tönen, die meinen Eindruck am besten ausdrücken.

Verkehr

 

Als wir wieder von dem Golden Mountain herunter kamen, war unser Drücker-TukTuk  nichtwiederauffindbar verschwunden…

Wir sind dann noch mit einem ganz normalen TukTuk, ohne irgendwelche Drückerambitionen, nach Chinatown gefahren und haben uns dort umgesehen. Naja – es sah halt alles etwas chinesischer aus. Mehr Lampions, chinesische Schriftzeichen, statt thailändischer Schrift und noch mehr Chaos. Eigentlich wollten wir dort etwas essen, aber wir waren nicht in der Lage, einen Laden zu finden, dem wir dazu genügend vertraut hätten. So haben wir uns dann noch über einen Markt mit teilweise sehr interessanten Auslagen gedrängelt (NEIN! Ich habe nicht eingekauft) und sind dann zurück ins Hostel gefahren.

Marktangebote

 

Dekadenz

Am nächsten Tag waren wir dann fest entschlossen, den Palast zu besuchen und uns nicht wieder von irgendwelchen organisierten Kriminellen ablenken zu lassen. Also sind wir in ein stinknormales Taxi gestiegen und haben uns vor dem Palast absetzen lassen. Nachdem ich mir noch eine lange Hose von ganz hervorragend, modischen Sack-Schnitt ausleihen musste, durfte ich dann auch rein.

Einmal durch das Tor im Innenbereich des königlichen Wohnsitzes, quoll mir eine Wolke von Reichtum und Dekadenz entgegen. Der ganze – aber wirklich der ganze – Palast war vergoldet und mit Marmor, Fliesen, Halbedelsteinen, Verzierungen, Statuen, … Prunk und Protz übersäht.

Dekadenz im Königspalast

Und mit mindestens ebenso vielen Touristen, wie Edelsteinen… Aber da wir ja nun auch (leider) dazu gehören, konnte ich mich nicht wirklich beschweren.

Palastdächer

Gold und Edelsteine überall

 

Endlich liegen

Nach dem Glitzer-Palast sind wir noch in den nahe gelegenen Tempel Wat Pho gelaufen, bekannt durch die 46 Meter lange und 15 Meter hohe Statue des liegenden Buddhas.

Der liegende Buddha von Wat Pho

Auch wenn mich der Tempel nicht so wahnsinnig beeindruckt hat, ist er doch einen Besuch wert, wenn man in Bangkok ist.

Chedis von Wat Pho

 

Insgesamt war Bangkok interessant und ich könnte mir vorstellen, dass man bestimmt auch eine Woche in seinem Gewühl verbringen kann, ohne sich großartig zu langweilen. Aber danach würde es dann auch definitiv reichen!