Die Tempel von Angkor

Nur ein paar Kilometer von Siem Reap entfernt liegt die weltberühmte Region Angkor, welche zwischen dem 9. Und 15. Jahrhundert das Zentrum des damaligen Khmer-Königreiches bildete. In der mehr als 200 qkm großen Region wurden bis heute über 1.000 Tempel und Heiligtümer entdeckt. Allen voran natürlich das UNESCO Weltkulturerbe Angkor Wat. Am Tag nach der Karaoke-Busfahrt haben wir uns morgens einen TukTuk-Fahrer für den Tag engagiert, der mit uns den Tempel von Angkor Wat sowie die historische Stadt Angkor Thom mit den Tempelanlagen Baphuon, Bayon und Phimeanakas und der Elefantenterrasse besucht hat.

 

Angkor Wat zum Ersten

Nun war ich endlich da. Der Ort, der in so ziemlich allen Kung-Fu Filmen vorkam, die ich in meiner Jungend gesehen habe – und das waren eine Menge! Angkor Wat!

Die, zwischen 1113 und 1150, unter der Regentschaft von Suryavarman II, errichtete, Tempelanlage ist von einer äußeren Mauer mit einem Wassergraben drum herum umgeben und bevor man nicht über den Kai und durch das Tor getreten ist, sieht man eigentlich nichts von den bekannten fünf, Lotusblüten nachempfundenen, Türmen. Sobald man sich aber an den anderen Touristen vorbei ins Innere der Umfriedung gezwängt hat, steht man auf dem Hauptzugangsweg.

Hauptzugang nach Angkor Wat

Ein paar hundert Meter weiter erhebt sich der Tempel. Tja – und ich muss sagen, ich war ein wenig enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir das spektakulärer vorgestellt. Aber statt eines mystischen Tempels irgendwo im Dschungel fuhr man einfach mit einem TukTuk hierher, stieg aus, und wälzte sich mit hunderten anderer Touristen durchs Tor.

Dazu kam noch ein ziemlich unansehnliches, mit grüner Plane überzogenes Baugerüst, direkt über dem Haupteingang. Nun ja – Angkor Wat ist aus Sandstein gebaut. Und wie viel Renovierung der braucht, konnte ich jahrelang am Kölner Dom beobachten.

Auf dem Weg zur eigentlichen Anlage kommt man an einigen Nebengebäuden vorbei, von denen mir sogar ein touristenfreies Foto gelungen ist.

Nebengebäude Angkor Wat

Zum Glück ist die nahezu quadratische Anlage schon ziemlich groß – sie misst etwa 1,5 x 1,3 km – und darauf können sich auch so viele Touris verteilen, so dass man schon einigermaßen in Ruhe durch den Tempel spazieren konnte. Der Südeingang bietet, bis auf den zuführenden Steinweg, einen ähnlichen Anblick, wie das Haupttor, ist aber momentan von Baugerüsten verschont geblieben.

Südeingang Angkor Wat

 

Da wir sowieso am nächsten Morgen noch einmal zum Sonnenaufgang herkommen wollten, sind wir an diesem Tag auch nicht so lange in der Anlage geblieben, sondern haben uns nach ein bis zwei Stunden von unserem Privatchauffeur weiter zum

 

Bayon Tempel

fahren lassen. Dieser relativ kleine Tempel liegt innerhalb der Mauern Angkor Thoms und ist vor allem aufgrund seiner meterhohen Steingesichter bekannt. Daneben fand ich persönlich ihn noch ganz hübsch, da er sehr verwinkelt und gleichzeitig schon ziemlich verfallen war. Vermutlich kam außerdem hinzu, dass ich hier keinerlei Erwartungshaltung hatte …

Gesicht im Bayon Tempel

Innenhof Bayon Tempel

 

Baphuon und Phimeanakas

Danach brachte uns der TukTuk-Mann dann erst zum Baphuon Tempel und danach zum Phimeanakas. Der Baphuon Tempel ist ein mitten im Wald liegender Tempelberg.

Baphuon Tempel

Angkor Wat war ursprünglich ein, dem Hindu-Gott Vishnu gewidmeter, Tempel. Erst Ende des 13 Jahrhunderts begann man Angkor Wat zunehmend in buddhistischer Weise zu nutzen. Ebenso weist wohl auch die Anlage Bayon Merkmale beider Religionen auf (ich persönlich kann in diesem Fall nur zitieren…). Baphuon hingegen ist der Hindu-Gottheit Shiva gewidmet. Allerdings gibt es auch in diesem Tempel Hinweise auf den Buddhismus.

 

Der letzte Tempel für den ersten Tag war die gerade mal 12 Meter hohe Tempelpyramide Phimeanakas. Da wir allerdings langsam schon Tempel-gesättigt waren, sind wir nicht mehr hinauf gestiegen, sondern haben uns mit der Betrachtung von unten begnügt.

Phimeanakas

 

Bevor wir zurück zum Hotel fuhren, gab es noch die Elefantenterrasse zu sehen. Eine 350 Meter lange Terrasse, welche vielfach mit Elefantenreliefs und aus dem Stein gemeißelten Elefantenköpfen verziert ist.

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Angkor Wat zum Zweiten – oder: Faszination im Sonnenaufgang

Wie eben schon erwähnt, sind wir dann am zweiten Tag deutlich früher aufgestanden, um uns Angkor Wat bei Sonnenaufgang anzusehen.

Diesmal sind wir auch nicht gemütlich mit einem TukTuk hingeknattert, sondern haben uns vom Hotel zwei klapprige Damenräder geliehen und sind um 5 Uhr morgens in völliger Dunkelheit, ohne Licht am Rad die halbe Stunde bis zum Tempel geradelt.

Und allein das hat gefühlt schon einen Unterschied gemacht. Sich nicht wie jeder andere Tourist hinbringen lassen, früh aufzustehen für den Sonnenaufgang – das gefiel mir schon deutlich besser als der Vortag. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht erwartet hätte, dass SO viele Leute auf die gleiche Idee kommen (nicht das Fahrrad, aber den Sonnenaufgang zu sehen).

Rechts von dem Zugangsweg war ein kleiner Teich und ich hatte schon am Tag zuvor gedacht, dort könnte man bestimmt gute Fotos machen. Während ein umherstreunender Gaul versuchte meinen Rucksack zu fressen, haben wir auf der Wiese gesessen und auf den Sonnenaufgang gewartet. Irgendwann bin ich ein wenig umher gelaufen und habe festgestellt, dass auf der anderen Seite des Weges schon die Hölle los ist. Angeblich konnte man von dort die Sonne tatsächlich hinter dem Tempel aufgehen sehen, hörte ich einen Fremdenführer erklären.

Angkor Wat ist, entgegen der meisten anderen Tempel im Umfeld, mit dem Haupttor nach Westen hin ausgerichtet, weswegen auch vermutet wird, dass es sich um eine Grabstätte handeln könnte. Der Sonnenuntergang im Westen wird mit dem Tod in Verbindung gebracht. Eindeutige Hinweise wurden aber wohl bisher nicht gefunden. Für uns hatte dies vor allem den Vorteil, dass der Sonnenaufgang eben HINTER dem Tempel stattfand.

Zunächst hieß es aber warten. Irgendwann dämmerte es und man konnte die Umrisse erkennen.

Angkor Wat in der Morgendämmerung

Dann wurde es zunehmend heller, aber der erhoffte Aahh-Effekt blieb aus. Also bin ich noch einmal auf die andere Seite des Weges – und wusste auf einmal, warum die Leute alle hier standen. Auf der Seite gab es einen viel hübscheren Teich, der außerdem nicht von Fischen bevölkert war, so dass seine Oberfläche meist spiegelglatt dalag. Und Spiegel ist in diesem Fall genau das richtige Wort. Die gesamte Anlage schimmerte im Morgenlicht auf der Wasseroberfläche. Es sah toll aus.

Und dann ging die Sonne auf!

Und ich war sprachlos. Wahnsinn! Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Wort gedacht habe. Jetzt wusste ich, warum sich so viele Menschen so früh aus dem Bett gequält hatten. Das Bild, wie sich die rot-gelbe Scheibe langsam hinter den Lotusblütentürmen emporschob, war so beeindruckend, dass mich nicht einmal mehr die hundert anderen Touristen neben mir gestört haben. Ich glaube ich habe am Ende über 200 Fotos nur vom Sonnenaufgang gemacht. Ich hoffe, diese zwei können die Stimmung ein wenig widergeben.

Sonnenaufgang über Angkor Wat

Nachdem der Tag vollständig angebrochen war, bin ich noch einmal in den Tempel gegangen. Die meisten anderen Sonnenfotografen waren gerade dabei, an den Essensständen ein Frühstück einzunehmen. So hatte ich Angkor Wat zwar nicht für mich, aber doch wesentlich einsamer, als am Vortag.

Reflektion

Und im goldenen Morgenlicht, teilweise fast menschenleer, strahlte der Tempel auf einmal die Mystik aus, die ich vorher so vermisst hatte. Man kam sich ein wenig vor, als würde man durch Licht und Schatten schwimmen, während man durch die Anlage wandelte. Der Blick vom höchsten der fünf Türme aus war fantastisch (am Vortag hatten wir keine Lust eine Stunde anzustehen, nur um dort hinauf zu können). Angkor Wat liegt mitten in tropischem Dschungel – etwas, was man vorher gar nicht so wahrgenommen hat. Und die Anlage einmal als Ganzes – und auch noch in diesem Licht – zu sehen, war ebenfalls beeindruckend.

Umgeben von Tropendschungel

Blick zum Haupttor

 

Nachdem ich mich dann sattgesehen hatte, haben wir uns wieder auf die Drahtesel geschwungen und sind noch zum Tempel Ta Prohm geradelt. Ta Prohms Charme sind die Baumriesen, die sich das Tempelgelände schon deutlich zurückerobert haben.

Ta Prohm I

Ta Prohm II

Unterwegs haben wir noch einen hübschen kleinen Tempel im Wald gefunden, über den ich leider, außer, dass er hübsch war, Garnichts sagen kann.

Transportmittel

 

Am ersten Tag hätte ich noch gesagt, Angkor Wat war ganz nett und man muss es schon einmal gesehen haben. Nach dem Sonnenaufgang bin ich restlos begeistert und würde sagen, dass ist ein absolutes Muss, wenn man auch nur in die Nähe von Kambodscha kommt!

 

 

Kambodscha!

Nach zweieinhalb Tagen Bangkok ging es am 29. Januar schon wieder in einen Flieger. Diesmal nur für einen kurzen Hopser von Thailands Hauptstadt in die Kambodschas, Phnom Penh. Dort haben wir eine Nacht in ziemlich muffigen Zimmern über einer Kneipe zugebracht, die deren Besitzer wohl der Ansicht waren, grüne Wände und ein Bild mit einem Kleeblatt reichen aus, sie als „Irish Pub“ zu deklarieren. Aber immerhin hat man uns geholfen direkt für den nächsten Tag ein Busticket nach Siem Reap zu bekommen.

Der Irish Pub war übrigens direkt gegenüber eines nachts hell beleuchteten Bauwerks, welches ein wenig wie ein Tempel aussah. Als ich die eindeutig thailändische Irish-Pub-Barfrau fragte, erklärte sie mir, dass in Kambodscha die Toten nicht wie bei uns beerdigt, sondern normalerweise verbrannt werden. Bis auf die Könige, welche beerdigt werden. Der vor ein paar Monaten verstorbene König allerdings wollte wie das normale Volk verbrannt werden. Und genau das sollte in der prunkvollen Anlage gegenüber passieren (und passierte dann auch genau während unseres zweiten Kurzaufenthalts in der Stadt). Der Tempel war also gar kein Tempel, sondern ein Krematorium. Und zwar eindeutig das dekadenteste, was ich mir so vorstellen kann. Aber es sollte ja schließlich auch ein König verbrannt werden (wie das normale Volk …)

 

Die Busfahrt nach Siem Reap, der Stadt, die die Touristenscharen, welche täglich nach Angkor Wat strömen, beherbergt, war ein Abenteuer für sich. Von dem irisch-thailändischen Pub aus haben wir ein TukTuk zur Bushaltestelle genommen. Dort durften wir erst einmal noch etwa eine Stunde warten, bis wir uns in den ziemlich engen Bus quetschen konnten. Und ziemlich warmen Bus – eine Klimaanlage war zwar vorhanden (zumindest die Öffnungen über den Sitzen) aber völlig funktionsuntüchtig. Bald fuhren wir auch längere Strecken über staubige Pisten und da ja, aufgrund der fehlenden Klimaanlage, die Fenster offen standen, holten bald auch einige der Fahrgäste die in Asien weit verbreiteten Atemmasken heraus und streiften sie sich über Mund und Nase. Der Staub und Sand hing in der Luft und vermittelte eher den Eindruck, durch die Wüste, statt durch die Tropen zu fahren. Ach ja – und die ganze Zeit lief auf einem Fernseher vorne im Bus eine asiatische Karaokesendung mit ziemlicher Lautstärke. Ein unglaublich billig gemachtes Schnulzen-Video jagte das nächste. Der Inhalt war immer gleich: Mann macht Frau an, Frau weigert sich, Mann ist traurig, Frau weigert sich nicht mehr, Mann ist glücklich. Zum Glück hat keiner mitgesungen…