Dachten wir …

Hola – wie man hier in spanischsprachigen Landen zu sagen pflegt. Und leider muss ich auch direkt mal zugeben – so wirklich weiterentwickelt hat sich mein Spanisch noch nicht…
Ja – ich verstehe ein bisschen mehr. Aber sprechen? Eher Fehlanzeige.

Was in den vergangenen 10 Tagen auch nicht wirklich geholfen hat…
Na gut – als erstes hab ich am letzten Mittwoch noch für was-weiß-ich-wie-viel-Euros mit dem deutschen Kundenservice von dem Autovermieter telefoniert. Und? War doch klar… Klappt irgendwie alles nicht. Sie könnten mir (angeblich) ab Donnerstag ein Auto reservieren. Aber da hatten wir uns schon mit dem Gedanken angefreundet, Chile mit anderen Verkehrsmitteln zu bereisen. Na zumindest haben sie den Auftrag anstandslos und vor allem kostenneutral storniert. Wär ja auch noch schöner gewesen…
Danach sind wir dann mit dem lokalen Bus von Guanaqueros nach La Serena und haben dort für Donnerstag Bustickets nach Chañaral gekauft. Außerdem haben wir uns überlegt, dass wir die nach Chañaral vorgesehene Strecke nach Calama in der Atacama-Wüste evtl auch fliegen könnten, um die ewige Busfahrt zu vermeiden. Wir hatten auch schon im Netz geguckt – Skyairline fliegt die Strecke für wenig Geld. Nachdem wir also wussten, wann wir in Chañaral sind, da wir ja das Busticket hatten, konnten wir Abends ins Netz und das Flugticket für 3 Tage später buchen.

Dachten wir …

Wir haben es ca. 10 Mal probiert und wenn es jedes Mal geklappt hätte, hätten wir vermutlich mittlerweile den Flieger gekauft. Aber hat es ja nicht.

Nächste Idee war dann, vor der Abfahrt des Buses in La Serena ins örtliche Skyairline-Büro zu gehen und den Flug dort zu buchen. Da wir ja (wie dem aufmerksamen Leser nicht entgangen ist) die Motorrad-Idee mittlerweile völlig abgeschrieben hatten, hat Dirk unsere Motorrad-Klamotten per Paket für ca. 125 EUR an meine Eltern geschickt (Helia und Detlef – nicht wundern ;) Wenn’s geht einfach auspacken und in den Keller schmeißen), während ich zu Skyairline gejoggt bin um den Flug klar zu machen. Super Idee, oder?

Dachten wir …

Bei Skyairline sagte die Frau mir „Todas las systemas no functionan hoy. Mañana.“ = „Alle Systeme funktionieren heute nicht. Morgen.“ Aber „morgen“ sind wir schon in Chañaral… Auf Nachfrage gab die Dame mir dann noch eine Telefonnummer, unter der ich morgen telefonisch reservieren konnte.

Also sind wir in den Bus (übrigens ein Nachtbus) nach Chañaral gestiegen. Da der planmäßig gegen 9:30 Uhr ankommen sollte, wollten wir dann in ein Internetcafe und den Flug buchen. Und wenn das immer noch nicht ginge, dann halt per Telefon.

Dachten wir …

Zunächst mal kam der Bus natürlich nicht wie geplant um 9:30 an. Der „Auxiliar“ (Busfahrergehilfe) weckte mich hingegen um 4 Uhr morgens aus einem trotz Busfahrt sehr tiefen Schlummer und sagte „Chañaral“! Ich zitiere eine ehemalige Klassenkameradin: Ich so häh???

Aber es war wirklich so… Unser Spanisch hat nicht ausgereicht, um bei Ticketkauf zu verstehen, dass mit Ankunft 9:30 die ENDhaltestelle gemeint war. Also stehen wir mitten in der Nacht auf irgendeinem staubigen Parkplatz in Chañaral. Dazu muss man sich die Beschreibung des Ortes aus dem Lonely Planet Reiseführer vor Augen führen: “Chañaral ist eine trostlose Bergbau- und Fischereistadt zwischen den felsigen Landzungen der Sierra de las Animas.“

Bei Tag wurde klar: ich hätte es als ziemlich abgefuckte Sammlung von Bretter- und Wellblechbuden beschrieben. Aber bei Ankunft war es ja dunkel. Tja – was nun? Wir haben dann den Strand gesucht, unsere Biwack-Säcke ausgepackt und uns erst nochmal schlafen gelegt.

 

Schlafplatz am Strand

 

Was bei ziemlicher Kälte auch nicht so einfach war. Dafür wurde ich am Morgen mit einem mir bis dato unbekannten Anblick belohnt: einer Unmenge an Geiern. Ich bin tatsächlich bis etwa auf 3 Meter an die Tiere rangekommen. Für mich war das die halbe Nacht am Strand wert.

 

Unmengen an Geiern

Warten auf die einsetzende Thermik

Wärmen

Spread your Wings

Die ersten Sonnenstrahlen aufnehmen

Auf Nahrungssuche

Aasfresser

Kreisen vor der Sonne

 

ABER – es fehlte ja noch der Flug nach Calama. Also ins einzige Internetcafe und buchen.

Dachten wir …

Natürlich funktionierte die online-Buchung auch nach 10 weiteren Versuchen immer noch nicht. Da das Internetcafe auch gleichzeitig günstiges Telefonieren anbot, hab ich dann halt bei der mir ausgehändigten Telefonnummer angerufen. Hey – die Dame sprach sogar etwas Englisch. Sie hat mir dann den Preis diktiert – erst für eine Person, dann für zwei (was komischerweise genau der doppelte Betrag war…) und nachdem ich gesagt habe „we’ll take it“, hat sie alle Personalien aufgenommen, die Ausweisnummern abgefragt und mir eine Reservierungsnummer genannt. Puuh, geschafft.

Dachten wir …

Denn zum Abschluss sagte sie mir noch, dass wir jetzt bis spätestens am nächsten Nachmittag ca 200 km mit dem Bus zurück nach Copiapo fahren müssen, um das Ticket zu bezahlen. Ob ich denn nicht mit Kreditkarte zahlen könne? Na klar geht das – vor Ort in Copiapo…

Irgendwann hab ich aufgegeben und wir haben ein Busticket für Sonntagabend von Chañaral nach Calama gekauft und die Flugoption verfallen lassen. Über das Wochenende waren wir im Nationalpark „Pan de Azucar“  – was zusammengefasst eine ziemlich menschenleere Ansammlung von Steinen und Geröll ist.

 

Pan de Azucar

Zeltplatz in der Pan de Azucar

Sundown in der Pan de Azucar

Namenlos

Ziemlich relaxter Wüstenfuchs

 

Am Sonntagabend dann den Nachtbus nach Calama genommen, der uns nicht um 4 Uhr rausgeschmissen hat, dafür aber nicht wie geplant um 23:30 sondern erst um ca. 1 Uhr Nachts abfuhr.

In Calama haben wir dann einen Mietwagen für 2 Tage genommen (Hertz war natürlich ausgebucht, konnte uns aber wenigstens sagen, wo wie einen bekommen könnten). Mit dem dicken SUV (mit ziemlich kleinem Motor) sind wir nach San Pedro de Atacamar, was als Backpackerparadies in den Anden beschrieben wird. De Facto war es eine ziemlich staubige Ansammlung von Hostels mitten in der Atacamawüste und jeder Menge Leuten, die sich extreme Mühe gegeben haben, nach Outdoor und Abenteuer auszusehen, in Wirklichkeit aber doch alle nur in diesem Ort zusammenhocken, vielleicht mal geführte Touren mitmachen und Abends Bier trinken.

Aber wir waren hier, um die Atacamawüste, die Salar der Atacama (eine Salzpfanne) und das höchstgelegene Geysirfeld der Welt (El Tatio, 4.300 m) in der trockensten Wüste der Welt zu sehen. Die Salzpfanne war ziemlich unspektakulär und war auch nicht – wie wir gedacht hatten – eine reine Salzebene, sondern sah aus, wie ein von Salz überzogener Kartoffelacker.

 

Salar de Atacama

 

Das Geysirfeld war da schon besser. Zwar waren es eher brodelnde Löcher im Boden, die Dampf statt richtig Wasser ausspucken, aber auch das war schon mal cool zu sehen. Zu den Fotos muss man sich eine Geräuschkulisse vorstellen, in der man nichts hört, außer dem Wind und blubbern und brodeln.

 

Geysir bei El Tatio

Geysir spuckt

Es brodelt

 

Das Bad in dem daneben liegenden Pool, mit dem aus ebensolchen Blubberlöchern kommendem, geothermisch erwärmten Wasser hatten wir vor tatsächlich atemberaubend schöner Kulisse völlig für uns alleine. Wahnsinn!

 

Warmer Pool mit Ausblick

Farbspiel auf 4.300 m Höhe

 

Und auch der Hin- und Rückweg war beeindruckend. Von San Pedro (was auf ca. 2.440 m liegt) ging es auf dem Hinweg beständig bergauf. Und im Gegensatz zur Entwicklung der Flora, wie man sie z.B. aus den Alpen kennt (je höher, desto weniger), wurde es immer grüner und farbenfroher, je höher man kommt. Aus einer reinen Staub-, Erd- und Steinwüste wurden tatsächlich ein paar Wiesen und es tauchten tatsächlich auch Tiere auf. Und Lamas, Vicuñas und Flamingos in ihrer natürlichen Umwelt und freier Wildbahn zu fotografieren war zumindest für mich neu und eine Erfahrung wert.

 

Lamas in den Anden

Vicunas

Vicunas spazieren im Geysirfeld El Tatio

Flamingo

Flamingos

Startende Flamingos

 

So war denn, trotz bei mir am Montag noch ziemlich mieser Stimmung, noch ein Abstecher, der sich gelohnt hat.

Mittwoch haben wir dann den Mietwagen zurückgegeben und sind dann – diesmal tagsüber – mit dem Bus von Calama nach Iquique an der Küste gefahren, wo ich gerade im Hostel sitze und schreibe.

 

Nach Iquique wollten wir, um die im Osten davon gelegene Geisterstadt Humberstone zu besuchen. „Leider“ ist das 1872 gegründete Humberstone – was bis in die 1940er eine Bergbaustadt zum Salpeterabbau war – im Juli 2005 zum Unesco Welterbe erklärt worden. Was dazu führte, dass der Besuch eher an die Klassenfahrten in die Nordrheinwestfälischen Freilichtmuseen erinnerte, als das Gefühl zu wecken, in einer echten, verlassenen Stadt herumzulaufen. Überall standen Schilder, wofür die Gebäude einst benutzt wurden. In einigen Häusern waren die Zimmer restauriert, wie sie früher aussahen. Aber zumindest hat man darauf verzichtet, lebensgroße Puppen bei der Arbeit auszustellen…
Ein paar hübsche Fotos sind trotzdem dabei rumgekommen.

 

Humberstone

Wassertank

Ehemaliges Wohnhaus in Humberstone

Alter Tennisplatz mit im Wind quitschenden Lampen

Fabrikgelände

Durchrostetes Dach

Maschine zur Salpeterverarbeitung

Noch mehr Maschinen

So wurde hier früher gearbeitet

 

 

Alles in allem haben wir in den letzten 1 ½ Wochen gelernt, dass eine über 3 Tage hinausgehende Planung extrem schwierig ist. Insofern fahren wir morgen mit dem Bus die kurze Strecke nach Arica und versuchen dann dort eine Unterkunft zu finden und einige Zeit mit Surfen zu verbringen.

Denken wir …

 

Todavía „no automóvil“ – immer noch kein Auto

Als hätte ich es nicht geahnt… Natürlich hat sich heute der Kollege, dem gestern Abend ja mein Problem auf den Tisch gelegt wurde und der sich ja „als erstes morgen (also heute) früh darum kümmern“ wird, sich heute nicht gemeldet. Wahrscheinlich hat auch er – falls er/sie es denn versucht hat – in Chile heute keinen erreicht.

Denn nach der üblen Live-Musik, die – gefühlt direkt neben meinem Zelt – bis heute Nacht um vier gespielt wurde, zu urteilen, mussten die chilenischen Autovermieter heute vermutlich alle erst noch ihren Rausch ausschlafen und hätten durch den Tinnitus sowieso nicht wirklich telefonieren können.

Nun ja, wie der Kölner so sagt: „es is wie et is, es kütt wie es kütt und es hat noch immer joot jegange“. In diesem Sinn werden wir morgen nochmal bei Europcar anrufen und wenn sie es bis dahin immer noch nicht geschafft haben, uns ein Auto zu organisieren, stornieren wir die Buchung und machen aus BS-„A statt M“ erst mal ein BS-„B statt A statt M“. Heißt: wir fahren Bus. Da heute sonst nix weiter Wildes passiert ist, hier nur noch ein paar Eindrücke aus Guanaqueros.

 

Viele Grüße an alle,

Thorsten

Promenade

 

Ohne Worte

 

El pelícano

 

Wie heißt dieser Vogel?

 

Ohne Worte 2

 

Tanz der Adler

 

Bucht von Guanaqueros

 

Posieren vor dem Dorf-Hafen

 

Landung!

 

Guanaqueros Hügel

 

Guanaqueros

No Automóvil

Supi – nachdem also vor 3 Tagen die Entscheidung gefallen war, ein Auto zu mieten, statt Mopeds zu kaufen, haben wir zunächst mal versucht eine Unterkunft in La Serena zu finden. Denn dort das Auto anmieten ist deutlich günstiger. Vermutlich weil es einfach mehr Vermieter gibt.

Nach einigem Mailen hat uns dann ein Hostel gesagt, sie haben noch ein Doppelzimmer mit Doppelbett  Aber bevor wir garnichts haben…

Wir sind ja clever – und dachten uns dementsprechend Zimmer ohne Busticket nach La Serena (ca. 450 km) ist doof. Also los in die City und Busticket kaufen (waren auch tatsächlich schon fast alle weg, da hier gerade Feiertage sind). Dann wieder in die kunterbunte Villa und Email ans Hostel, dass wir das Zimmer nehmen. Puh – geschafft.

Tja – denkste…

Erst schrieb uns dann am Samstagmorgen noch das Hostel, dass das Zimmer ja doch schon am Freitagmittag vergeben worden ist. Wir also wieder im Netz gesucht, bis sich endlich ein Campingplatz in Guanaqueros fand, der uns aufnehmen wollte. Klar – wenn man für 2 kleine Zelte und 2 Personen 18.000 Chilenische Pesos (ca. 30 Euro) nehmen kann. (Dafür haben wir ein „Privatklo…). Ach ja – und ein Auto haben wir natürlich angemietet.

Dann sind wir Sonntag mit dem Bus los, der zwar pünktlich abfuhr, aber eine gute Stunde zu spät ankam. Zum Glück hat Walter, der Campingplatzbesitzer, der uns an der Bushalte abholen wollte, tatsächlich so lange gewartet.

Heute (Montag) morgen kam dann auch die Bestätigungsmail vom Autovermieter inklusive Voucher, dass wir den Wagen bis 12 Uhr bei Europcar in La Serena abholen sollen.

Also den Bus von Guanaqueros nach La Serena nehmen. Dort die Avenida Francisco de Aguirr finden und darauf dann noch Europcar. Für die Klugscheißer unter den Lesern: eine Hausnummer war clevererweise nicht angegeben…

Aber der Part hat ja noch geklappt. Dann standen wir vor Europcars Tür, an der folgendes Schild hing:

contactarse a cellular

 

Keiner da! War mir eh schon suspekt, dass die deutsche Internet-Autovermietung ausgerechnet an einem Sonntag mit darauffolgendem Feiertag so früh jemand in Chile erreicht haben wollte, dass sie mir um 9 Uhr morgens schon die Bestätigung schicken konnten…

Aber da steht ja eine Telefonnummer! Also anrufen. Was auch ein Abenteuer für sich ist, wenn man ca. 10 Unterrichtsstunden Spanisch hatte und dann auf Spanisch mit jemandem telefonieren soll, ihm klarmachen will, dass man vor verschlossener Tür steht, aber ja schließlich einen Voucher für ein Auto hat und dieses Auto gerne abholen würde.

Der Mann war echt bemüht und nach einigem „no comprendo“ (ich verstehe nicht) und „como“ (häh?) war ich dann auch soweit, dass ich ihm die Reservierungsnummer und meinen Namen mitgeteilt habe und er das auch verstanden hat. Dann kam ein ganzer Schwall Spanisch und alles, was ich verstanden habe war „no automóvil“! Na das hat ja supi geklappt mit dem Auto.

Zum Glück gab es auf dem Voucher auch eine deutsche Hotline. Auch da hab ich dann angerufen. Man fühlt sich ja schon besser, wenn man auch nur das Gefühl hat, man wird verstanden. Also wieder Reservierungsnummer und Referenznummer durchgegeben und gehört: „ich probier’ mal jemand bei Europcar zu erreichen und rufe Sie gleich zurück“.

1 ½ Stunden warten …

Warten ...

 

Dann irgendwann der Rückruf: wir erreichen da gerade keinen. Aber ich leg das einem Kollegen auf den Tisch, der kümmert sich dann morgen gleich darum und ruft sie dann an. Ab wann können wir sie denn erreichen? Herr Fallisch – wir besorgen Ihnen für morgen ein Auto.

 

Na ich bin ja mal gespannt – glaube aber erst dran, wenn ich drin sitze. Auf jeden Fall habe ich heute bestimmt 2 Tagesbudgets fürs Auto-Organisations-Telefonieren verbraucht :|

 

BS – ohne M …

Hola todos!

Wer die Kommentare zum Post „geordnetes Chaos“ gelesen hat, weiß, dass das Akronym BSM in mühevoller Arbeit (das ist Arbeit nach 5 Flaschen Bier immer!) entwickelt wurde und für den Grundgedanken der Reise steht: Bouldern, Surfen, Motorradfahren.

Zu Bouldern und Surfen kann ich noch nicht viel sagen, bin aber optimistisch. Aber der Part mit dem Motorrad ist jedoch deutlich komplizierter als gedacht. Erstens mal sind hier in Chile bis Mitte nächster Woche Feiertage – was die Prozedur, die zum Kauf notwenige Steuernummer zu beantragen, unangenehm in die Länge zieht – und  außerdem ist es nicht so simpel, die Dinger (gemeint sind die Motorräder) in Chile zu kaufen und in Peru wieder zu verhökern. Geht auch – kostet aber Importzölle, die 2 mal den Wert des Mopeds annehmen können. Alles irgendwie nicht so schön…

 

OK – also Alternativen diskutieren. Mopeds kaufen und in Arica an der Grenze zu Peru verkaufen (lohnt fast nicht); Mopeds kaufen, in Peru bis Machu Picchu und zurück nach Chile fahren, dort verkaufen (kostet ganz schön Zeit); auf die Behörden scheißen und den ursprünglichen Plan durchziehen (und wenn‘s nicht klappt…?)

Alles nicht so die Ideal-Lösungen. Vor allem: alle Optionen mit Motorradkauf bedeuten, dass wir erstmal noch mindestens eine Woche hier rumhängen, bevor wir überhaupt nur die Steuernummer bekommen. Und dann bestimmt nochmal ne Woche, bis wir die Mopeds haben (zusätzlich müssen nochmal etwa 5 Tage eingerechnet werden, um die Teile wieder loszuwerden).

Und auch wenn Valparaiso ja hübsch ist – wenn man eine Reise mit Bouldern, Surfen, Natur, Outdoor und so geplant hat und dann erstmal 2-3 Wochen in einer zwar hübschen aber doch ziemlich langweiligen Stadt rumhängt, entspricht das auch nicht so zu 100% dem Grundgedanken…

Also waren wir uns relativ zügig einig: so nicht! – Wie dann?

Das Ergebnis von 2 Tagen Überlegen nimmt sich gegenüber dem Aufwand relativ simpel aus: ein Auto mieten!

Zunächst mal von La Serena (wohin wir am Sonntag mit dem Bus fahren werden) bis nach Arica an der Grenze zu Peru. Dort wollen wir – je nach Wetter- und Surfbedingungen noch 2 Wochen bleiben. Dann mit deinem Bus o.ä. über die Grenze (Mit dem Mietwagen über die Grenze zu fahren und ihn in Peru zurückzugeben würde deutliche Zusatzkosten bedeuten) und drüben wahrscheinlich ein neues Auto mieten. Das wird noch spontan verifiziert werden…

.

In Peru dann wie ursprünglich mal mit Motorrädern geplant über den Titicacasee und Machu Picchu nach Lima. Wenn es geht dann noch 2 Wochen bouldern in Huaraz.

Aber – wir haben ja jetzt gelernt: Flexibilität ist alles auf einer solchen Reise. Insofern – mal sehen, was wirklich kommt. Hauptsache es gibt ein paar Boulder und guten Surf – wenn aus BSM schon BS – ohne M wird, wäre es ja schön, wenn nicht noch mehr Buchstaben wegfallen.

Ich bin aber ehrlich optimistisch, dass BS bleiben wird!

Mission ‚Tarjeta Prepago‘

Gestern war der erste volle Tag in Valparaiso. OK  – was muss da erledigt werden?

Lebensmittel einkaufen, im Ort zurechtfinden, Fluchtrouten merken, schon mal nach Motorrädern gucken – und natürlich eine Prepaidkarte (spanisch: tarjeta prepago) fürs Handy besorgen.

Always know where to go ...

 

Lebensmittel war einfach. Zum Motorrad gucken später mehr (für die Mopeds brauchen wir ja eh erstmal eine chilenische Steuernummer). Aber die Prepaidkarte…

 

Nachdem wir also ein wenig durch die Stadt geschlendert sind und an jeder Menge Telefonläden vorbei gegangen sind, hab ich irgendwann meinen ganzen Mut zusammen genommen und einen trotz meiner doch ziemlich geringen Spanischkenntnisse betreten: Chaos! Links eine elendig lange Schlange an einer Arten Warenausgabe (Handys?). Daneben ein paar Verkäufer an kleinen Tischen. Direkt vor mir eine Frau hinter einem Tresen, die an alle möglichen Leute kleine Zettel verkauft hat, mit denen die dann zu einer Reihe von Wandtelefonen (übrigens ohne jede Akustiktrennwand dazwischen) gingen und lautstark telefonierten. Rechts nicht weiter identifizierbare Tresen und noch mehr Menschen.

Nachdem ich mit Dirk ca. 3 Minuten vergeblich zu identifizieren versucht habe, wo ich denn jetzt hin muss, hab ich dann das getan, was ich von meiner Freundin gelernt habe: ich hab einfach mal (in übelstem Spanisch) die Frau direkt vor mir gefragt…

Die war dann auch wirklich freundlich und hat mir erklärt, dass ich in dem Laden falsch bin. Aber direkt um die Ecke gibt es die Niederlassung, die ich brauche. Also hin!

Dort hat die äquivalente Frau-hinter-dem-Tresen uns gefragt was wir möchten und nachdem ich mich endlich verständlich machen konnte nur gesagt „con Andrea“.

Andrea nun war überhaupt nicht mehr freundlich, sondern hat uns so lange ignoriert, bis wir den Satz auf Spanisch zusammen gesucht und ausgesprochen hatten. Daraufhin spuckt sie uns einen Schwall spanischer Wörter entgegen und guckt wieder weg. Nachdem wir ihr mit vollem Körpereinsatz klar gemacht haben, dass wir sie nicht verstanden haben, wird so ziemlich exakt der gleiche Schwall Wörter erneut ausgespuckt. Gleiches Tempo, gleiche Wörter, gleiches Desinteresse an ihren Kunden. Logisch, dass wir auch diesmal nix verstanden haben.

Nach ca. 5 maliger Wiederholung konnten wir uns dann so langsam zusammenreimen, was sie gesagt hat. Karte kostet 5.000 Pesos und enthält 1.000 Pesos Guthaben. Ich erspare dem geneigten Leser die detaillierte Beschreibung, wie genau wir versucht haben, herauszufinden ob die Karte international telefonieren kann und wie man sie auflädt. Wir haben etwa 10 Versuche gebraucht und dann gelernt: erstens, international anrufen ist nicht und zweitens, aufladen tut man in der Apotheke…

Danach wie gehabt Ignoranz. Irgendwie klappt das in meinem Leben nicht so richtig mit den Andreas…

ABER – yo tengo una tarjeta prepago!

Wer will, kann mich also in den nächsten ca. 4-6 Wochen unter +56 983029681 anrufen oder sms dahin schicken. Und damit es nicht mitten in der Nacht ist hier – der Zeitunterschied sind 5 Stunden (bei mir ist es früher) ;)

 

 

Kaum sitzt man mal 27 Stunden …

… in ICE, Flieger, am Flughafen , nochmal im Flieger, im Shuttle, im Reisebus und im Taxi, ist man auch schon in Chile in der „Villa Kunterbunt“ angekommen.

Erster Eindruck von Chile? – Nebelig!

Und zwar dermaßen, dass man während der Busfahrt von Santiago nach Valparaiso nicht viel weiter als 50 m sehen konnte. Mittlerweile (um 1400 Ortszeit) hat sich der Nebel an der Küste verzogen und man kann sehen, das Valparaiso nicht gerade ein heimeliges Küstenstädchen ist, sondern schon eine ganz nette Ausdehnung physische Ausdehnung hat.

OK – ein Blick vorab in einen Reiseführer oder wenigstens Wikipedia hätte mir auch im Vorhinein schon sagen können, dass Valparaiso ca. 280.000 Einwohner hat und neben dem Hafenviertel immerhin auf 48 Hügeln erbaut ist. Aber jetzt weiß ich es ja.

 

Nice house on a hill's edge

Und die Stadt ist hübsch. Lauter bunte Hütten und Häuser, die zwar nach deutschem Standard meist maximal als Gartenlaube qualifizieren würden, aber doch ein schönes Gesamtbild ergeben.

 

View up one of the 42 hills

Nachdem wir dann heute erst mal ein wenig die Umgebung erkundet und ein paar Basis-Nahrungsmittel besorgt haben (Nudeln, Tomatensauce, Kaffee und Bier waren die Hauptzutaten) wird der Rest des ersten Tages mit rumhängen und akklimatisieren verbracht.

 

Many of the houses in Valparaiso show grafittis

Morgen werden wir dann mal versuchen herauszufinden, was für Behördengänge für den Motorradkauf nötig sind. Und natürlich ein paar Fotos schießen.