Kein Mann über Bord

Taumarunui war der Startpunkt für die nächste Etappe auf unserem Trip von Auckland nach Christchurch. Dort sind wir von Karen am Supermarkt abgeholt worden, um eine Nacht auf ihrem Land zu zelten und dann am Mittwoch, den 14. November zu einer viertätigen Kanutour auf dem Whanganui-River zu starten.

Zunächst aber ging es zu Karen, wo wir ihren Mann Ronny kennen lernen durften. Ronny sah auch genau aus, wie man sich einen Ronny vorstellt. Schwarzhaarige Vokuhila mit schmalzig gegelten  Löckchen und dazu den passenden Pornobalken. Ein echter Porno-Ronny halt…

Ronny-Boy hat uns dann am nächsten Morgen den Fluss erklärt, wo die Campingplätze sind, wie man sie auf dem Fluss findet, ohne an ihnen vorbei zu fahren, was wir in Stromschnellen machen sollen, usw. Dazu hat er unter anderem eine sehr lustige Methode gehabt, uns die wichtigsten Flussabschnitte als Video zu zeigen. Da er sowas ja quasi als Beruf und Lebensaufgabe macht, ist er den Fluss irgendwann mal mit einem Motorboot abgefahren und hat das Ganze mit einer Kamera aufgezeichnet. Soweit so gut.

Da der Fluss lang ist, ist die Fahrt nicht in einer, sondern in mehreren Dateien gespeichert. Porno-Ronny hat dann ein Blatt gehabt, auf dem er die von Windows erzeugten, generischen Dateinamen (wie zb V01723.avi) abgeschrieben hat und dahinter notiert hat, welcher Flussabschnitt in diesem Video zu sehen ist. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob er weiß, dass man die Dateien auch umbenennen kann.

Aber noch lustiger war, dass er dann die gewünschte Datei mit einem Doppelklick geöffnet hat – wobei der Mediaplayer nicht den gesamten Bildschirm einnahm –, dann das Blatt umgedreht hat und unter den Bildschirm gehalten hat. Ich hab es erst garnicht geschnallt: er hatte nämlich auf das Blatt Linien gemalt, die der Länge der Fortschrittsleiste im Mediaplayer entsprachen und auf den Linien die Punkte markiert, zu denen er springen muss, um bestimmte Flussabschnitte zu zeigen. Also hat er die Linie auf dem Papier unter den Mediaplayer gehalten und dann den Mauszeiger über den entsprechenden Punkt dirigiert. Wenn der Player allerdings mal im Vollbildschirm öffnet, ist Ronny wohl aufgeschmissen…

 

Wie auch immer – professionellst vorbereitet wurden wir dann zur Einstiegsstelle gefahren, es gab letzte Anweisungen und dann sagte er nur noch „und wenn ihr die Stromschnelle hier hinter der ersten Kurve schafft, dann seid ihr für heute sicher“.

Wir haben sie fast geschafft. Wir mussten nur auf einer Kiesbank nach ca. 50 gefahrenen Metern wieder aussteigen, um das Boot wieder mit der Spitze nach vorne zu drehen…

Das war aber in den 4 Tagen auch die einzige Situation, in der wir tatsächlich aussteigen mussten. Ansonsten hat es zwar ein paar Mal gut geschaukelt und einmal ist ordentlich Wasser reingeschwappt, aber wir haben die Tour unfallfrei überstanden.

 

Insgesamt war es auf jeden Fall eine coole Erfahrung. Nach der ersten Tagesetappe ging es in einen Nationalpark, aus dem es keine andere Möglichkeit gab, wieder herauszukommen, als den Fluss weiter zu schippern. Zugangsstraßen waren nicht existent. Auch die Campingplätze waren nur über Wasser zugänglich. Und übrigens jeweils mit einem Ranger besetzt und ziemlich „basic“. Es gab Dixie-ähnliche Toiletten über tiefen Löchern („Long-Drop-Toilets“ im Englischen) und Wasserhähne die per Handpumpe gesammeltes Regenwasser zur Verfügung stellten. Sonst nichts. Keine Duschen, keine Kochgelegenheiten, nix… Aber dafür mit tollem Ausblick.

Zelten mit Ausblick

Und der Fluss selber schlängelte sich braun und meistens ruhig durch ein sehr langes Tal. An beiden Seiten ragten die Wände 20, 30 Meter nach oben. Oft direkt am Wasser senkrecht und weiter oben sanfter ansteigend. Die Vegetation war eine Mischung aus europäisch anmutendem Mischwald und tropischer Gewächse. Riesige Farne standen neben Tannen,  Palmen, Laubbäumen. Lianen hingen bis ans Wasser herunter. Überall rieselte Wasser über den Fels in den Fluss. Kleine und große Wasserfälle sorgten dafür, dass der Whanganui nie leer läuft. Auch die senkrechten Felsen waren meist mit hängenden Gräsern und Farnen bewachsen. Dazu ein beständiges Plätschern von den Zuläufen und Wasserfällen und ein sporadisches Rauschen, wenn mal wieder eine Stromschnelle in Sicht kam. Dieser Hintergrund wurde übertönt von zum Teil sehr ungewohnt klingendem Vogelzwitschern, -rufen, -pfeifen, – und was diese gefiederten Tiere noch so an hübschen Klängen von sich geben können.

Es war beeindruckend. Beeindruckend schön.

Whanganui River

Kiesbank im Whanganui

Kleiner Seitenarm

Pause im versteckten Seitenarm

 

Allerdings hauptsächlich am ersten Tag. Am Zweiten sah der Fluss noch genauso aus. Die Vegetation auch und die Vögel sangen die gleichen Lieder. Am Dritten irgendwie auch.

Typische Sicht

Hier gab es allerdings noch die „Bridge to Nowhere“ als kulturelles Highlight. Eine Brücke über ein tiefes Tal, die der neuseeländische Staat bauen ließ, um den Helden des ersten Weltkriegs Zugang zu den Landparzellen zu ermöglichen, die ihnen für ihre Verdienste gegeben wurden. Allerdings hat die Bewirtschaftung dieser Ländereien nie so richtig Früchte getragen, so dass nach mehreren Jahren die Helden-Siedler die Ländereien auf Anweisung des Staates wieder verlassen mussten. Heute lebt dort niemand mehr. Und da die Brücke bis vor ein paar Jahren noch der einzige Zugangsweg in dieses nicht genutzte Land war, wird sie die „Bridge to Nowhere“ genannt.

Bridge to Nowhere

 

Am vierten Tag hat es zu dem altbekannten Anblick noch in Strömen geregnet. So durchgefroren war ich glaube ich noch nie…

 

Trotzdem – die Erfahrung war toll und die Umgebung und der Fluss ebenfalls.

Neuseeland!

Wie eben schon erwähnt, sind wir mittlerweile so weit weg von Deutschland, wie es nur geht. Wenn man in Deutschland eine Nadel durch den Globus stechen würde, würde man vermutlich irgendwo hier wieder herauskommen. Die Zeitverschiebung beträgt 12 Stunden. Auch dabei geht nicht mehr. Jede weitere Zeitzone bringt mich von jetzt an wieder näher an Deutschland heran.

Losgeflogen sind wir am 7. November in Lima. Über Santiago de Chile ging es nach Auckland, im Norden dieses kleinen Landes hier.

Neuseeland hat laut Wikipedia etwas weniger Fläche als Italien und gerade mal 4,4 Mio. Einwohner – soviel wie Berlin und Köln zusammen (vor 2 bis 3 Jahren gab es dafür allerdings noch über 32 Mio. Schafe in Neuseeland).

Angekommen sind wir nach einem – wenn ich mich recht erinnere – 14-Stunden-Flug morgens um 04:30 Uhr Ortszeit in Auckland. Den 8. November gab es dieses Jahr für mich nicht. Der ist irgendwie an der Datumsgrenze verloren gegangen.

Die ersten 3 Tage haben wir in Auckland verbracht. Nach den Zuständen in Südamerika und dem Moloch von Lima waren uns die geordneten Strukturen hier willkommen. Und neben der Tatsache, dass auf einmal wieder Ordnung auf den Straßen herrschte (ok  sie fahren alle auf der falschen Seite, aber wer will schon so kleinlich sein) und man im Supermarkt alles bekommt, was man haben möchte, war es auch schon eine Erleichterung, wenn man sich plötzlich problemlos verständigen kann und nicht mehr nur in 3-Wort-Sätzen wie „Du haben Marmelade“ sprechen muss.

Aucklands Skyline

Villen direkt am Wasser (bei Flut)

Auckland selber war hübsch. Mehr als ein Viertel aller Neuseeländer leben in Auckland (1,3 Mio.). Die Skyline spiegelt die moderne, szenige  Stadt wider.

Yachten vor der Skyline

Nachdem wir dann nach den paar Tagen genug „Szene“ hatten, ging es weiter nach Taumarunui.

 

Das war Peru …

Hallo Zusammen.

Mittlerweile ist schon der 21. November 2012. Ich bin in Neuseeland und habe endlich mal ein bisschen Zeit und Muße wieder an meinem Blog zu arbeiten (ja ja … ganz schön stressig so ne Weltreise…)

Aber bevor ich aus dem offensichtlich grünsten Land der Welt berichte, fehlte noch der Abschluss von Peru.

Wer ein bisschen zwischen den Zeilen gelesen hat, hat schon mitbekommen, dass mir Peru deutlich besser gefiel als Nordchile. Was eindeutig nicht an „Mr. Follow Me Guys“ oder der Ordnung im Land gelegen hat.

Das Peru chaotischer ist als Chile war mir vorher bewusst. Aber das hat mich auch nicht wirklich gestört. Aber – und das hat mich ein wenig gestört – Peru ist dreckig! Überall – und wirklich ÜBERall – liegt Müll herum. Es ist dauernd vorgekommen, dass die Leute im Auto vor uns ihren Abfall einfach aus dem Fenster geschmissen haben. In den Flüssen sammelten sich die Plastikflaschen am Ufer. Wir haben ganze Bettmatratzen auf Felsen im Fluss gespült gesehen. In den Gräben neben den Straßen lagen Verpackungen friedlich vereint mit benutztem Klopapier, Getränkedosen, sogar Autoreifen wurden so entsorgt.

Es gab Boulder, die wir nicht klettern konnten, weil wir erst mal Abfallbeseitigung hätten betreiben müssen. Selbst in den hintersten Andentälern fand  sich Müll.

Aber – es waren eben auch Andentäler.

Und – Baby verzeih‘ mir – aber ich liebe die Anden. Nicht genug, um baldmöglichst wieder hinreisen zu wollen, aber dieses Gebirge hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Die Größe, die Weite, die unglaubliche Masse. Wahnsinn. Im Moment gucke ich aus dem Garten unseres Hostels in Springfield, NZ, auf die Neuseeländischen Alpen, das Gebirge, in dem auch Castle Hill liegt. Und es kommt mir mit seinen schneebedeckten Gipfeln von 2.000 – 3.000 m Höhe mickrig vor…

 

Neben den Anden ist Peru für mich eigentlich nur noch von Machu Picchu geprägt – das zweite Highlight in Südamerika. Ansonsten – an der Stelle weiß ich schon, wer grinsen muss – war Südamerika OK… Nicht überragend, aber OK und eine Erfahrung wert. Allerdings muss ich auch sagen: mir haben 2 Monate gereicht. Mehr hätte es auch nicht sein müssen. Wie gut also, dass ich jetzt am anderen Ende der Welt bin…

 

 

 

Bouldern!

Cusco nach Huaraz

Nachdem wir Machu Picchu verarbeitet hatten, haben wir dann am Mittwoch, den 17. Oktober, den einzigen Campingplatz von Cusco verlassen und sind Richtung Lima aufgebrochen

Camping in Cusco

Aus dem Hochland der Anden ging es in unzähligen Kurven, entlang riesiger Täler immer tiefer. Langsam aber sicher übernahm die karge Landschaft der Wüste wieder die Vorherrschaft über die riesigen Ebenen und fruchtbaren Täler des Tropengebirges.

Bis wir schließlich etwas südlich der peruanischen Hauptstadt wieder auf Höhe des Meeresspiegels waren und in einem sehr hübschen Fischerdorf, bei einer wirklich netten Wirtin unser Abendessen mit Ausblick einnehmen konnten.

Hochebene in den Anden

Kurven ins Tal

Die Wüste übernimmt

Fischerdorf vor Lima

Abendessen mit Ausblick

Mittlerweile war Samstag, der 20. Oktober, und wir mussten unseren Mietwagen in Lima am Flughafen abgeben. Was gar nicht so einfach war. Zunächst wurden wir kurz vor Lima von der Polizei angehalten. Unser Licht war nicht an und das ist in Peru auch tagsüber Pflicht. Da es in Peru Standard ist, wegen irgendwelcher Nichtigkeiten oder auch einfach so angehalten zu werden, hatten wir da schon Erfahrung drin. Bisher hatten wir immer den Gringo-Bonus. Einfach oft genug „Perdone, no comprendo“ (sorry, ich verstehe nicht) sagen und irgendwann waren es die Polizisten immer leid und haben uns fahren lassen. Versucht haben wir das auch diesmal. Aber nicht mit der Dreistigkeit der lokalen Gesetzeshüter gerechnet. Erst hat uns der Polizist zugeschwallt, er müsse uns wohl einen Strafzettel ausstellen, das würde 300 Sol (90 EUR) kosten und wir müssten zurück in die letzte Stadt um den bei einer Bank zu bezahlen. Ich dachte schon, wie sollen wir denn dann das Auto pünktlich abgeben. Aber dann klang es auf einmal so, als wolle er uns doch fahren lassen (so war das bisher auch immer, wenn die Polizisten die Geduld mit den Gringos verloren haben).

Was ich zuerst gar nicht verstanden hatte und mir auch, nachdem er mir einen abgewetzten Dokumentenumschlag von Europcar oder so ins Auto reichte, noch nicht sofort dämmerte war, dass er uns nicht umsonst fahren lassen wollte. 50 Sol (15 EUR) und die Sache sei erledigt… Dirk und ich haben uns nur angeguckt und ein Grinsen und Kopfschütteln unterdrückt und dann einen 50 Sol Schein in den Umschlag gelegt und dem dezent korrupten Beamten gereicht. Und weiter ging’s.

In Lima haben wir dann das erste Mal wirklichen peruanischen Verkehr kennen gelernt. Mehr als acht Millionen Einwohner und gefühlt haben alle ein Auto. Mit viel – SEHR viel – Hupen und Drängeln haben wir es irgendwann zum Flughafen geschafft, wo wir den Wagen abgeben sollten. Nur gab es nirgendwo eine Europcar-Filiale (mit denen hatten wir doch schon mal Ärger …)

Beim ersten Mal haben wir die Einfahrt zum Flughafen verpasst – also einmal um den Block, was aufgrund der Straßenführung ca. 15 Minuten dauerte. Beim zweiten Mal sind wir langsam und suchend an der Abflug-Zone entlang gefahren, als ich einen Moment dachte, jemand habe „Thorsten“ gerufen. Aber wer ruft mich schon irgendwo in Lima am Flughafen beim Vornamen?

Da sich die Straßenführung immer noch nicht geändert hatte, mussten wir nochmal um den Block. Nur das wir jetzt irgendwie auf einmal auf einer Parallelstraße zur Hauptstraße waren. Ich sag noch, das müsste eigentlich auch hier rechts gehen, als aus Flughafenviertel so langsam eher ärmliche Hütten wurden. Dirk wollte zurück, aber ich: „ne – wir sind hier schon richtig“.

Genau – richtig im Township waren wir dann. Mit Wellblechhütten, abgemagerten Hunden auf dem Weg und Kindern, deren Spiel mit alten Autoreifen durch die zwei lustigen Gringos unterbrochen wurde, die offensichtlich irgendwo mal falsch abgebogen waren. Bis der Weg so eng wurde, dass unser riesiger Pickup (auch nicht gerade das Auto, mit dem man in ein Ghetto fahren sollte) stecken blieb und es nicht mehr anders ging, als rückwärts wieder raus zu fahren.

Endlich wieder am Flughafen stellten wir dann fest, dass tatsächlich jemand meinen Namen gerufen hatte. Nämlich der Typ von Europcar, der das Auto übernehmen sollte. Na das hätte man uns ja auch vorher sagen können, dass es keine Filiale gibt, sondern nur einen Menschen, der mir offensichtlich nahe genug steht, um mich direkt mal beim Vornamen zu rufen…

Vom Flughafen aus ging es direkt zum Busbahnhof und von da aus wieder hoch ins Gebirge, nach Huaraz auf ca. 3.300 m Höhe.

 

 

Bouldern um Huaraz

Huaraz ist eine relativ kleine, aber ziemlich lebhafte Stadt. Dirk hatte im Vorfeld schon jemand über das Internet gefunden, der die zum Bouldern dringend notwendigen Crashpads verleiht (tragbare Matten, auf die man abspringen kann). Direkt nachdem wir unsere Sachen im Hostel abgelegt hatten, sind wir dann auch dahin. Und diesmal hatten wir Glück – David hatte tatsächlich Crashpads und war auch ansonsten sehr nett und hilfsbereit. Für den nächsten Tag hat er uns eine Karte gezeichnet, wie wir zu „los Olivos“ kommen – einem Boulderspot direkt neben der Stadt.

Am übernächsten Tag ist er mit ein paar Kumpels selber bouldern gegangen und hat uns mitgenommen.

Bouldern 1

Boudern 2

Boudern 3

 

Nach einem Pausentag, an dem wir mal quasi Garnichts gemacht haben (zumindest nichts relevantes) sind wir noch einmal zu los Olivos und am Sonntag (d. 28.10.) ging es nach Hatun Machai.

 

Hatun Machai

Wir wussten, dass es bei Hatun Machai auf ca. 4.300 m nur einen „Refuge“ – eine Hütte gibt. Aber die Abgeschiedenheit, die dann kam, hatte zumindest ich so nicht erwartet. Nicht im negativen Sinn – es war … positiv beeindruckend. Nur hatte ich nicht so extrem damit gerechnet. Die Hütte war vielleicht 40 qm – unten der Essraum mit Küche und oben der Schlafsaal mit 14 Betten. Das fließende Wasser kam direkt aus dem Bach nebenan, Strom wurde gerade genug für eine einsame Energiesparbirne mit Hilfe von ein paar Solarzellen produziert. Telefon, Handynetz oder gar Internet gab es selbstverständlich nicht. Im Haus mit uns waren ca. 8 andere Leute. So dass es zumindest drinnen immer einen gewissen Geräuschpegel gab.

Ausblick

Dirk und die Hauskatze

 

Aber sobald mal vor die Türe gegangen ist, umfing einen Stille. So tief, dass man das Blut in seinen Ohren rauschen hörte. Nur selten unterbrochen von einem Vogel, dem entfernten Blöken eines Schafes oder dem Muhen eines Ochsen, der ein paar Kilometer weiter graste. Dazu floss das rote Licht der untergehenden Sonne über die Berge und gab einem das Gefühl, man befinde sich unter Wasser. Der steinerne Wald von Hatun Machai – der Ort, wo man klettern und bouldern kann – lag rot unter der Wasseroberfläche, die von den Wolken gebildet wurde.

Einsame Hütte

Hütte im Abendlicht

Hatun Machai im Sonnenuntergang

Hatun Machai im Morgenlicht

Leider war das Wetter nur am ersten Tag so beeindruckend. Danach (bis heute, eine Woche später) war es eigentlich jeden Tag gleich: am Morgen sonnig und warm, am Mittag zieht es zu und am Nachmittag fängt es mit 90%iger Sicherheit an zu regnen. Was man gerne vergisst, wenn man sich auf 4.300 m Höhe den Hintern abfriert, ist, dass wir uns hier in den tropischen Anden befinden. Und  im Moment ist in den Tropen Regenzeit. Was ich nur bestätigen kann…

Angekündigt wurde der Regen die zwei anderen Tage in Hatun Machai übrigens durch aufziehenden Nebel. Und da wir auf Höhe der Wolken waren, nicht der aus Deutschland bekannte, leichte Nebel, in dem man sich quasi noch strafbar macht, wenn man am Auto die Nebelschlussleuchte anmacht. Man sieht die Wolken sich durch das Tal hochschieben. Und wenn sie da sind, reduziert sich die Sichtweite innerhalb von Minuten auf unter 10 Meter. Um die Hütte wiederzufinden, mussten wir uns am Bachlauf und an Landmarken, an die wir uns erinnert haben, orientieren.

Wolken schieben sich herauf

Auf Höhe der Wolken

Der Nebel kommt näher

Und dann war da ja noch das Bouldern. Leider ist der Fels in Hatun Machai – insbesondere der an den Bouldern – insgesamt ziemlich brüchig. So dass wir trotz Unmengen an Gestein doch ziemlich suchen mussten, um brauchbare Boulder zu finden. Kletterrouten waren deutlich mehr im Angebot  nur hatten wir weder Seil, noch Päärchen oder auch nur Klettergurte. So war Hatun Machai zwar ein Erlebnis in Sachen Natur, Anden und Einsamkeit, aber leider bouldertechnisch eher mau. Aber ein paar wenige Boulder haben wir doch gefunden.

Bouldern auf 4300m - 1

Bouldern auf 4300m - 2

 

Tourismusprogramm

Nach Hatun Machai gab es wieder einen Tag süßen Nichtstuns zur Stärkung, bevor wir uns dem Abenteuer des Pauschaltourismus gestellt haben. Am Donnerstag, den 1. November, haben wir uns zu einer Gletscher-Tour angemeldet. Keine Gletscher-Wanderung – nur die Fahrt zum Gletscher, zwischendurch noch „Puya Raimondi“ angucken, und dann das Ende der Gletscherzunge betrachten.

Um neun Uhr morgens ging es mit dem Bus los. Um Zehn waren dann alle 20 Reisegruppenmitglieder aufgesammelt und es ging aus der Stadt raus. Um ca. 20 nach Zehn stellte sich die Reiseleiterin vor und fing an, detailliert den Tagesreiseplan darzulegen. Dort halten, 15 Minuten für Toilette und Tee, dann weiter, dann 5 Minuten Stopp für Fotos, dann weiter, dann 5 Minuten Halt an der Lagune, dann  …

Insgesamt hat sie bestimmt eine halbe Stunde geredet, ohne Pause, ohne Zögern, ja ich bin überzeugt – sogar ohne zu atmen. Natürlich alles auf Spanisch. Als sie am Ende fragte „Uno pregunta?“ (eine Frage?) war ich ja sehr versucht zu sagen „puedes repetir en ingles, por favor?“ (Können Sie das auf Englisch wiedeholen, bitte?). Aber ich habe mich beherrscht…

Und dann ging es los!

Alle raus aus dem Bus. Da ich ja nicht nach der englischen Version gefragt habe, hatten wir keinen Plan, was wir hier sollen. Aber die Reiseleiterin gab auf Nachfrage auch gern auf Englisch Auskunft: hier sind 15 Minuten Stopp um Coca-Tee zu trinken und etwas Schokolade zu essen – soll angeblich gegen die Höhenkrankheit helfen. Immerhin liegt der Gletscher auf über 5.000 m. Wobei ich ja den Coca-Tee eher für Touristen-Nepp halte. Außerdem ging es ja am gleichen Tag auch wieder runter, was das Risiko der Höhenkrankheit doch eher gering ausfallen lässt.

Nach den 15 Minuten alles wieder rein in den Bus. „Vamos! Vamos!“

Weiterfahren. Dann Stopp im Nationalpark. Eine Lagune. „Fotografiar!“ 5 Minuten! „Vamos! Vamos!“

Rein in den Bus. Ein weiterer Halt. Sprudelnde Quellen. „Fotografiar!“ 10 Minuten! „Vamos! Vamos!“

Weiter. Noch ein Halt. Diesmal gab es historische Wandmalereien zu fotografieren. Hier wieder nur 5 Minuten. „Vamos! Vamos!“ Und weiter.

Bis zum nächsten Halt: die schon vor der Fahrt angekündigte Puya Raimondi. Eine der angeblich schönsten Pflanzen der Anden. Sie wird zwischen 40 und 100 Jahre alt, blüht nur einmal im Jahr für 3 Monate und wird bis zu 15 Meter hoch. Ach ja – und sie erinnert „vage“ an einen Phallus.

Puya Raimondi

Puya Raimondis vage Ähnlichkeit ...

Bei diesem Stopp konnten Dirk und ich nur mit Mühe der nachdrücklich geäußerten Pflicht entgehen, mit den anderen 20 Leuten zu einer gerade blühende Pflanze hoch zu stiefeln, um uns Arm in Arm von einem Mitreisenden davor ablichten zu lassen. Dann hieß es wieder „Vamos! Vamos!“ und weiter ging’s.

Nächster Halt war dann doch tatsächlich der Gletscher. Sogar bewegen mussten wir uns, denn es waren ca. noch 20 Minuten zu laufen, bis wir tatsächlich vor dem Gletscher standen. Irgendwie hatte ich mir den beeindruckender vorgestellt… Halt eine Wand aus schmutzigem Eis, weder besonders hoch, noch besonders hübsch. Und der Gletscher dahinter war auch nicht wirklich lang. Vielleicht muss man doch mehr Aufwand in Kauf nehmen, um die Bilder zu sehen, die man aus Dokumentationen kennt. Aber immerhin – ich stand auf über 5.000 m vor einer Gletscherzunge und habe vor allem den Touri-Tag überlebt.

Gletscher

Ende der Gletscherzunge

Gletschersee

Größenvergleich

Auf dem Rückweg gab es übrigens dann noch einmal einen Stopp in dem gleichen Restaurant, in dem es auf dem Hinweg den Coca-Tee gab. Hier waren 45 Minuten für das Lunch eingeplant. Da dieses (wie übrigens auch der Tee) nicht inklusive war und das Restaurant auch nicht so vertrauenserweckend aussah, haben Dirk und ich uns mit zwei Anderen an die Straße gestellt und das nächste Colectivo nach Huaraz genommen. Die umgerechnet zusätzlichen 90 cent für 45 Minuten Fahrt war es uns wert, nicht noch eine Dreiviertelstunde warten zu müssen, bis alle gegessen haben.

Ein anderer Gletscher

Blau-Weiß

Gletscher-Panorama

 

The Way Inn

Am letzten Freitag (2.11.) sind wir noch für 3 Tage ins „The Way Inn“ gefahren. Ein wirklich sehr schön angelegtes Ho(s)tel ca. 45 Minuten außerhalb von Huaraz.

The Way Inn

Hübsches Hostel

Sonnenuntergang

Im Moment sitze ich hier im „Wohnzimmer“ sehe durch das Fenster die Sonne hinter den Bergen untergehen und schreibe diesen Eintrag. Und zusätzlich zur Entspannung und dem Blog-schreiben kann man hier natürlich auch noch bouldern.

Ausblick 1

Ausblick 2

Bouldern beim Way Inn

Bouldern mit Kulisse

Nektarsuche beim Bouldern 1

Nektarsuche beim Bouldern 2

 

Der hier …

… ist nur für Dich.

 

Herzlichen Glückwunsch, Baby!

 

Ich liebe Dich!

 

PS: Ich weiß, dass Du gestern schon Geburtstag hattest. Aber alles Betteln hat nicht geholfen – es gab einfach kein Internet im Hostel oder Umgebung…