Wenig Action in Neuseelands Actionhauptstadt

So eine Touri-Tour ist ja ganz nett und es war schon schön, mal etwas mehr vom Land zu sehen. Aber nach 10 Tagen in denen man sich auch fühlt wie ein Tourist, war es Zeit für etwas mehr Aufregung. Also bin ich nach Queenstown – Neuseelands Actionhauptstadt, in der man angeblich alles an Extemsportarten machen kann, was es so gibt.

Und tatsächlich war das Angebot nicht gerade mickrig. Bungeespringen, Canyon-Swing, Zipline, Rafting, Mountainbiken, Trekking, Reiten, Canyoning, Paragliding, Quadfahren, Jetboat, Kajak … alles war vorhanden.

Und alles kostete. Und zwar nicht zu knapp!

Nachdem Jana so ängstlich reagiert hat auf meine Idee, habe ich die vermutlich adrenalinreichste Aktivität – das Fallschirmspringen – nicht gemacht. Aber ein paar andere Dinge hab ich mir schon gegönnt:

 

Whitewater-Rafting

Oder zu Deutsch: Riverrafting.

Das wollte ich schon länger mal machen. So bin ich also am Samstag, den 15.12. um ca. ein Uhr Mittags zum Veranstalter Queenstown Rafting, um mich mit ein paar anderen in einem Gummiboot den angeblich so heftigen Stromschnellen des Shotover-River zu stellen.

Es ging dann auch bald los mit einer tatsächlich ziemlich atemberaubenden Fahrt zur Einstiegsstelle am Fluss. Atemberaubend in diesem Fall nicht, weil es so wahnsinnig schön war, sondern weil die Straße dorthin eigentlich nur ein Schotterweg entlang einer Steilwand war. Der Weg war genau so breit, dass unser Bus mit dem Anhänger, auf dem die Gummi-Flöße lagen, darauf passte, ohne über den Abgrund auf der anderen Seite zu rutschen. Es ging tatsächlich so dicht neben dem Bus senkrecht abwärts, dass man den Rand der Straße nicht mehr sehen konnte. Und in den Kurven sah man auch öfter, dass der Weg immer wieder abbröckelt und teilweise ins Tal rutscht.

Nachdem wir die halbe Stunde leicht Angstschweiß treibende Fahrt heil überstanden hatten, gab es natürlich erst einmal eine Einweisung. Ca. 45 Leute standen im Halbkreis um den Ober-Führer, der uns lautstark erzählte, was wir machen sollten, wenn ein Raft kentert oder jemand ins Wasser fällt. Danach wurden die actionhungrigen halb-pauschal-Touris – inklusive mir – auf 8 Rafts verteilt und es ging los.

Am Anfang dachte ich ja noch, es sei ja schließlich erst der Anfang der Tour. Und das wir einfach nur den Fluss runter treiben, statt zu paddeln oder auch nur irgendetwas zu tun, sei ja am Anfang normal. Aber als von insgesamt sowieso nur ca. 90 Minuten auf dem Fluss, sich etwa 30 schon mal als „Anfang“ entpuppten, war ich schon ein wenig enttäuscht.

Aber dafür gab es ja den Drill für die zu erwartenden, heftigen Stromschnellen. Unsere Skipperin war vermutlich bei der Armee, bevor sie zum Rafting kam (und vermutlich wurde sie aufgrund akuten Nervens unehrenhaft entlassen) – auf jeden Fall konnte sie entsprechend Brüllen. Naja – bei ihr kam es eher einem Keifen nahe…

Es gab eine ziemlich kurze Reihe von Befehlen, die sie immer wieder abwechselnd und durcheinander bellte, – um uns auf die heftigen Stromschnellen vorzubereiten. Die simpelsten waren „Vorwärts“ und „Rückwärts“, was die Richtung benannte, in die wie Rudern sollten. Dann kam „Hold Tight“ (Festhalten) und in der verschärften Version „Get Down“ (Runter). Dabei bedeutete „Festhalten!“ so viel wie … na festhalten halt. Und „Runter!“ so viel wie … na runter halt: auf den Boden setzen und festhalten. Sonst saßen wir auf den Gummischläuchen, aus denen das Raft bestand.

Und die notwendigen Reaktionen auf diese Kommandos wurden heftig geübt! Runter! Rauf! Festhalten! Vorwärts! Vorwärts! Rückwärts! Festhalten! Runter! Rauf!

Wir dachten schon, Gott – was müssen das für heftige Stromschnellen sein. Seltsam war nur, dass die 7 anderen Rafts anscheinend heftig entspannt über den Fluss glitten, ohne ständig gedrillt zu werden. Aber es war ja auch ein wenig Entfernung dazwischen, so dass ich dachte, vielleicht höre ich sie einfach nicht. Am Abend habe ich ein Päärchen getroffen, die in einem anderen Raft unterwegs waren und meinten „ach – bei der Kommandantenfrau warst Du! Die hat man ja über den ganzen Fluss gehört“…

Und dann – endlich – kam die erste Stromschnelle. Einmal ein wenig durchgeschüttelt werden und das war es. Heftig sag ich nur, heftig …

Und weiter treiben und gedrillt werden…

Dann – oh Aufregung – wieder eine Stromschnelle. Diesmal tatsächlich ein wenig heftigeres Durchschütteln. Und anscheinend hat sich die kleine Asiatin hinten im Boot nicht ordentlich festgehalten. Denn als das Heck einmal kurz bockte, war sie auf einmal weg.

Und wie man es von einer guten Kommandantenfrau erwartet, blieb sie völlig ruhig und brüllte von da an nur noch panisch widersprüchliche Kommandos durcheinander. Wir versuchten wirklich unser bestes, gleichzeitig vorwärts zu paddeln, uns festzuhalten und uns ins Floß zu kauern. Als das naturgemäß nicht so ganz klappte, schrie sie mit überkippender Stimme ständig, wie sollen ihr zuhören „Listen to me! Listen!“ – dabei hatte keiner von uns etwas gesagt.

Zugegeben: für das arme Mädchen im Wasser war es vermutlich wirklich nicht so lustig. Ich behaupte zwar, ich hätte an ihrer Stelle deutlich mehr Spaß gehabt, als IN dem Raft, aber da ist ja jeder Mensch anders. Denn für einen Schwimmer war die Stromschnelle selbst mit Schwimmweste, Helm und Neopren tatsächlich heftig. Aber zum Glück gab es ja drei Kajakfahrer, die die Rafts begleiteten und in einem solchen Fall deutlich wendiger waren und dem Mädchen zur Hilfe eilen konnten.

Da es uns selbst unter dem strengen Kommando der Führungsfrau nicht gelungen ist, ihrem Wunsch zu entsprechen und mitten in der Stromschnelle anzuhalten, sind wir dann danach ans Ufer gepaddelt und haben gewartet. Die Kommandantin stand dabei die ganze Zeit Ausblick haltend auf einem Felsen und wartete auf eines der anderen Rafts, dass unser sechstes Besatzungsmitglied wieder zu uns bringen würde. Irgendwann kam sie dann auch und stieg leicht angeschlagen wieder in unser Böötchen. Und weiter ging es. Den Fluss runter treibend. Dabei hat sich Miss Kommandite die ganze Zeit bei der Verunglückten entschuldigt, dass wir sie nicht aus dem Wasser retten konnten. Aber so ein Raft kann man nun mal tatsächlich nicht mitten im tosenden Weißwasser anhalten.

Dann kam der angeblich ja spannendste Teil der Tour: eine Fahrt durch einen alten Goldgräbertunnel und die gefürchtete, heftige Stromschnelle „Mother“. Der Tunnel war nur ein wenig breiter als die Rafts und wir wurden noch einmal gedrillt, eine spezielle Tunnelposition einzunehmen. Die eigentlich genauso wie „Runter“ aussah, nur dass die Ruder noch im Boot sein mussten. Und dann kam der Tunnel! Und es war schon ein Raft darin. Offensichtlich steckte es fest. Oh Gott! Heftig kommandierte uns die Kommandite rückwärts zu rudern, während sie in bewährt beherrschter Panik alle Luft aus ihren Lungen in eine Trillerpfeife presste – das Zeichen für die anderen Rafts, dass es ein Problem gibt und sie anhalten sollen.

Als wir dann angehalten hatten, war das feststeckende Raft wie vom Tunnel verschluckt – es war nicht mehr zu sehen. Mir schwante, dass konnte nur eines bedeuten: es hat niemals festgesteckt. Heftig!

Also sind wir rein in den Tunnel. Kommando: Tunnelposition!!!!!

Also alle runter und durch den Tunnel treiben. Am Ende des Tunnels wartete „Mother“ – quasi die Mutter aller Stromschnellen. Zugegeben: von 8 Rafts hat Mother 3 oder 4 kentern lassen. Aber da danach ein sehr ruhiges Stück kam, war das nicht weiter wild. Unser Raft ist nicht gekentert. Aber als wir nach dem wirklich heftigen Schlag am Ende von Mother die Köpfe wieder aus der speziellen Mother-Variante der Runter-Position (die wir selbstverständlich auch heftig üben mussten vorher) nahmen, waren wieder nur 6 statt der 7 Leute im Raft. Diesmal war ausgerechnet unsere Kommandite über Bord gegangen.

Als sie dann schwimmend wieder zum Raft kam und sich reinziehen wollte, wollte ihr einer der Ruder-Sklaven helfen. Dafür erntete er eine heftige Schimpftirade. Wie Kommanditchen nachher erklärte, hätte das ja total peinlich ausgesehen, wenn sie – nachdem sie ja schon so peinlich aus ihrem eigenen Raft geflogen war – noch nicht einmal alleine wieder rein klettern könnte.

Als sie drin war ging es auch – nicht mehr weiter. Die adrenalingeladene Tour war beendet. Von 90 Minuten auf dem Wasser waren vielleicht 5 etwas heftiger gewesen. Den versprochenen Adrenalinkick hatte vermutlich nur das Mädchen, welches in der ersten Stromschnelle aus dem Boot geschmissen wurde. Und natürlich die Kommandite, bei der ein Fallschirmsprung höchstwahrscheinlich zum plötzlichen Herztod geführt hätte, vor lauter Aufregung.

 

Leider habe ich keine Fotos von der Tour…

 

 

Horse-Trecking

Oder zu Deutsch: Reiten

Nach drei unfreiwilligen Pausentagen, weil meine ursprünglich für Montag den 17.12. geplante Aktivität bis Freitag warten musste, stand am Mittwoch dann wieder etwas an. Wobei ich den Ausritt auch von vorneherein nicht unter der Adrenalin-Rubrik abgelegt hatte. Aber ich habe noch nie in meinem Leben auf einem Pferd gesessen (oder kann mich zumindest nicht daran erinnern) und wollte das mal ausprobieren. Also habe ich einen dreistündigen Ausritt in den Tälern rund um Queenstown gebucht. Man guckte mich etwas komisch an, als ich den Ranchern sagte, dass ich noch nie geritten bin: „Und dann direkt eine 3-Stunden-Tour?“ Aber ansonsten bekam ich nur eine kurze Einweisung wie man den Gaul anhält und lenkt und los ging es. Das ziemlich stoische Tier war es eh gewohnt, hinter dem Leitpferd her zu trotten, so dass ich eigentlich gar nichts machen musste.

Es ging durch Täler, über eine ganze Menge an Bächen, bergauf, bergab, …

Durch Täler und Flüsse

Und es war schön. Eine hübsche Landschaft und für mich war es eine neue Art, sie vom Pferderücken aus zu betrachten. Ich würde sagen, Reiten wird nicht mein neues Lieblingshobby, aber man kann es durchaus noch das ein oder andere Mal machen.

Der stoische Gaul und ich

Spaß auf dem Gaul

 

 

Canyoning

Oder zu Deutsch: Canyoning

Am Donnerstag, den 20.12. fand dann auch endlich das, eigentlich schon für Montag geplante, Canyoning statt. Es musste nur leider zweimal verschoben werden, da der Canyon durch Regen zu viel Wasser führte.

Canyoning kann man sich so vorstellen: eine Gruppe von – in diesem Fall recht sportlichen Leuten – fährt zum unteren Ende eines Canyons, durch den sich ein ziemlich wilder und vor allem verdammt(!) kalter Fluss den Weg ins Tal sucht. Begleitet werden die 10 Leute von 3 Guides, die echt gut drauf waren. Einer davon war an dem Tag unser Fotograf. Dann läuft die ganze Gruppe ca. 30 Minuten in 10mm Neopren und mit Schwimmweste, Helm und ein paar Bandschlingen und Karabinern durch einen Wald zum Einstiegspunkt.

Auf dem Weg zum Canyoning

Es gibt im Canyon grundsätzlich vier Arten, sich fortzubewegen: Klettern, Abseilen, Rutschen und Springen. Abseilen tut man sich nicht selber, sondern man wird an einem Seil irgendwelche Wände herunter gelassen. Zum Rutschen hatten unsere Klettergurte am Gesäß eine Kunststofffläche. Gerutscht wurde auf allen möglichen und unmöglichen natürlichen Felsrutschen am und im Wasser. Springen erklärt sich von selber, denke ich.

Jump

Los ging es mit einer Rutschpartie. Ein etwa drei Meter langes Stück Fels herab, quasi mitten im Fluss. Als wir los legen wollten erklärte uns der Guide: „This is our first slide. We will do this one on our back – heads first… I am not joking.” (Dies ist unsere erste Rutschpartie. Wir werden sie auf unserem Rücken machen – mit dem Kopf zuerst. Ich mache keine Witze.)

Und die machte er auch nicht. Auf dem Rücken liegend ging es mit dem Kopf zuerst abwärts, bis es in dem Pool, in welchem sich das Wasser sammelte einmal dick Platsch machte. Ein lustiger Spaß!

Und so oder ähnlich ging es weiter. Wir sind von Felsnasen in einem Wasserfall drei Meter in einen Pool gesprungen. Wir sind über Stock und Stein gekraxelt. Wir wurden an Seilen mitten in einem Wasserfall abgelassen. Wir sind vorwärts und rückwärts über Felsen wie über Wasserrutschen geglitten. Es gab eine Seilrutsche und vor allem jede Menge Spaß.

Im Canyon

Zipline

Jedes Mal, wenn der Fotograf in der Nähe war – und das war er meistens – haben die Guides und wir Unsinn gemacht und/oder Grimassen geschnitten. Das Wasser war erfrischend – um nicht zu sagen Scheiß-kalt! 15 Sekunden Hände im Wasser und man spürte seine Finger fast nicht mehr. Sobald es von der Sonne aufgewärmte Steine gab, haben alle die Hände dagegen gepresst, um sie zu wärmen.

Hände wärmen

Insgesamt war das Canyoning aber das eindeutige Action-Highlight in Queenstown. Es hat mir sogar gut genug gefallen, um für 20 weitere Euro noch die Fotos der Tour mitzunehmen.

Warten auf Action

Action

 

 

Schwimmen mit …

Wenn das Harwood’s Hole das Natur-Highlight Neuseelands war für mich, dann folgte am 12. Dezember, sozusagen auch als krönender Abschluss der TouriTour, das tierische Highlight.

Wobei ich in Kaikoura, etwa 200 km nördlich von Christchurch, zunächst gar nicht damit gerechnet habe. Denn mal wieder pries der ewig euphemistische Lonely Planet den Ort als Hort einer unglaublichen Fülle von beobachtbaren Meeresbewohnern an. Wale, Robben, Delfine, Albatrosse, Pinguine, … die gesamte Meeresfauna und noch mehr sollte hier versammelt sein. Und nach drei Monaten reisen mit dem Lonely Planet war ich erstmal angemessen skeptisch.

Ursprünglich war mein Plan, auf der Kaikoura Peninsula – einer kleinen Halbinsel – wandern zu gehen. Dort sollte die Robbenkolonie sein und eventuell sollte es sogar Wale zu sehen geben. Als ich mit dem Auto bis zum entsprechenden Parkplatz fahren wollte, war fett Whale-Watching auf einem Straßenschild angepriesen. Also mal hin und gucken…

Natürlich gab es keine Wale zu sehen, sondern nur ein Haus, in welchem man Whale-Watching-Touren buchen konnte. Meine Nachfrage lehrte mich, dass eine etwa dreistündige Tour, bei dem heutigen Wellengang mit nahezu 100%iger Seekrankheitsgarantie, etwa 120 EUR kosten sollte… Nein danke! Also doch weiter zur Halbinsel. Auf dem Weg lag noch ein anderer Anbieter. Der hatte Wale und Delfine im Programm. Als hätte ich etwas geahnt, bin ich auch dort nochmal rein und habe nach einem Preis gefragt. Die nette deutsche Frau hinter dem Tresen hat mir dann auch wieder die Seekrankheitswarnung mit auf den Weg gegeben, meinte aber in der Apotheke gäbe es gute Pillen dagegen. Die nächste Tour ginge in ca. 90 Minuten los.

Der Preis war ähnlich – aber hier habe ich dann tatsächlich gebucht. Denn für die ca. 120 EUR gab es diesmal keine Whale-Watching-Tour. Stattdessen konnte ich tatsächlich mit Schwarzdelfinen schnorcheln gehen. Und es war toll!

Zunächst gab es die Ausrüstung und ein paar Erklärungen. Der wichtigste und lustigste Teil dabei war die Klarstellung, dass nicht die Delfine da sind, um uns zu unterhalten, sondern wir sie unterhalten müssen, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Nach einer gut halbstündigen, übelkeitsverursachenden Fahrt über den offenen Südpazifik (die ich dank der Pillen ziemlich lässig überstanden habe) fanden wir dann auch eine Gruppe von etwa 15-20 der bis zu zwei Meter groß werdenden Meeressäuger.  Und dann begann der lustige Part. Lustig vor allem für diejenigen, die auf dem Boot geblieben waren. Denn Delfine sind geräuschempfindliche Tiere. Und deshalb erregt man ihre Aufmerksamkeit auch am besten mit Geräuschen. Die Tipps der Crew waren simpel: möglichst viele komische Geräusche machen und sich dabei wie ein Delfin benehmen. Also glitten dann ca. 15 Schnorchler in die bestimmt 2 Meter hohen Wellen und grunzten, pfiffen, fiepten, sangen, klatschten, stöhnten, maunzten, usw. um die Wette. Dabei versuchten wir möglichst lange neben den Delfinen zu schwimmen oder mit ihnen zu kreisen, wenn wir einmal ihre Aufmerksamkeit hatten.

Schwarzdelfin

Es war Wahnsinn. Wenn ich getaucht bin, zogen die unglaublich wendigen Delfine unter, über, neben mir durchs Wasser. Dabei ist die Erfahrung eine andere, als man sie kennt von Tieren. Denn auch wenn sie sehr verspielt waren, waren diese Tiere wild. Das heißt, sie wurden weder gefüttert, noch durch Netze in irgendeiner Weise eingeschränkt. Sie ließen sich nicht berühren und man hatte auch nicht den Augenkontakt, den man bei Landbewohnern kennt. Denn sie stehen nie still. Ständig flitzen sie um einen herum, rauschen durchs Blickfeld, kreisen um mich, sind neugierig, aber bewahren ihre Distanz.

Ich habe keine Ahnung, wie lange wir im Wasser waren. Irgendwann hatte ich einfach genug vom Atmen durch den Schnorchel und der Wellengang war so heftig, dass mir sogar im Wasser mit Tablette leicht übel wurde. Eine Minute, nachdem ich wieder an Bord war, wurden auch die anderen Schnorchler aus dem Wasser gebeten.

Während das Boot dann noch 20 Minuten langsam weiter fuhr, hatten wir Gelegenheit, die Tiere zu fotografieren. Wie im Film schwammen die schwarz-weiß gemusterten Delfine in den Bugwellen, kreuzten vor dem Boot, tauchten darunter hindurch, …

Da es bei zwei Meter Wellengang nicht ganz einfach ist, die Kamera ruhig zu halten, wurde einfach nur auf den Auslöser gedrückt, sobald ein Tier im Bild war. Oder auch zwei …

Synchronschwimmen

Während wir wie die Irren fotografierten, hat unsere Begleiterin uns mit interessanten Details aus dem Leben der Delfine versorgt. So lernten wir z.B. dass Delfine ziemlich promisk sind und dann der durchschnittliche Akt auch noch gerade mal zwei Minuten dauert …

Und kurz bevor es hieß, wir drehen jetzt bei und lassen die Tiere ihren Abend genießen, ist mir noch das bisher eindeutig beste Foto meiner ganzen Reise gelungen. Ich finde Schwarzdelfine sind wunderschöne Tiere, oder?

Akrobatik

 

Gigantisch!

Auf die Gletscher folgte mal wieder eine verdammt lange Autofahrt, hoch bis nach Motueka, was im Norden der Südinsel, am Rande des Abel Tasman Nationalparks liegt.

Insbesondere der Küstenstreifen des Parks gilt als sehr sehenswert, kann allerdings nur per Pedes oder mit einem Boot erkundet werden. Autos sind in dem Naturschutzgebiet nicht erlaubt. Ich war allerdings wegen des Harwood’s Hole hergekommen und die Preise für eine Bootsfahrt entlang der Küste, mit integriertem, dreistündigen Zeitfenster zum Wandern, haben mir die Weisheit meines Plans bestätigt.

 

Das Harwood’s Hole liegt am inländischen Rand des Abel Tasman Parks und ist zunächst mal nichts weiter, als ein großes Loch. Eine gute halbe Stunde fährt man über eine Schotterstraße mit teilweise grandiosem Ausblick über die Tasman Bay. Nach einem kurzen Waldstück, dass in der Verfilmung des Herrn der Ringe den Chetwald darstellte, erreicht man den Parkplatz am Ende der Piste.

Der nun folgende Spaziergang durch einen Wald war richtig angenehm. Das Harwood’s Hole ist nicht gerade eine der Haupttouristenattraktionen und zudem noch ziemlich abgelegen. So konnte ich eine weitere gute halbe Stunde völlig alleine durch den Wald spazieren. Nur 3 Leute sind mir entgegen gekommen. Zwischendurch musste man über ein paar Steine klettern und ein paar Pfützen ausweichen und dann lag auf einmal ein ganzer Haufen großer Gesteinsbrocken vor mir.

Nachdem ich dort hoch gekraxelt war, zeigte sich mir das bis dahin eindeutige Highlight Neuseelands.

 

Das Harwood’s Hole ist gigantisch! Ein dreiviertel runder Abbruch mit einem Durchmesser, der es bestimmt drei Hubschraubern gleichzeitig ermöglichen würde, in die Tiefe zu sinken. Und keinerlei Seile, Absperrungen oder ähnliches, die den Anblick stören würden. Der Waldweg, den ich gekommen bin, reicht geschätzte 100 Meter unterhalb der oberen Kante an den Rand des Abgrundes heran. Die Felswände, bei deren Anblick ich als erstes ans Klettern denken musste, sind teilweise mit Bäumen bewachsen. Etwas unterhalb meiner Position gab es einen Absatz, auf dem sich ein halber Dschungel ausgebreitet hat. Und den Boden konnte ich von dort aus nicht mal sehen.

Besonders wenn Vögel zwischen den Felswänden umherflitzten, wurden die beeindruckenden Ausmaße in der Relation deutlich. Während ich bestimmt eine Stunde lang immer wieder staunend dieses Bild auf mich wirken ließ, habe ich mir mehr als einmal überlegt, dass Höhlenkletterei bestimmt auch sehr spannend ist (Außerdem konnte ich den Gedanken eines ziemlich adrenalinverursachenden Basejumps auch nicht verdrängen).

Leider war ich ohne ein passendes Weitwinkelobjektiv nicht in der Lage, das, was mich so beeindruckt hat, auf ein Foto zu bekommen. Es war schlicht zu groß.

Hier ist mein bester Versuch.

Harwood's Hole

 

Auf dem Rückweg ist es mir dann auch endlich gelungen, einen der wirklich überall in Neuseeland gegenwärtigen Maorifalken im Flug zu erwischen. Insgesamt ein sehr gelungener Tag.

Maorifalke

Eis und Schnee

Der 8. und 9. Dezember standen, trotz des beginnenden Sommers hier auf der Südhalbkugel, ganz im Zeichen von Schnee und Eis. Denn mit dem Fox- und dem Franz-Josef-Glacier standen die beiden bekanntesten Gletscher der – laut einem Gletscher-Führer – mehreren Tausend Gletscher Neuseelands auf dem Programm.

Nachdem ich morgens um 7 recht rabiat durch die, direkt neben meinem Zeltplatz zu Gletscherrundflügen startenden, Hubschrauber geweckt wurde, bin ich nach dem Frühstück in den Ort und wollte mich mal nach dem Preis für ein solches Spektakel erkundigen. Irgendwie kam ich dann aber gar nicht dazu, danach zu fragen, da ich mich vorher schon entschlossen habe, mich zu einer Führung auf den Fox-Gletscher anzumelden.

Fox Glacier als Ganzes

Um 11:30 ging es los. Erst mal Wandersocken und Schuhe ausleihen, dann die Steigeisen in Empfang nehmen und mit ca. 40 anderen Touris in den Bus Richtung Gletscher steigen. Dort angekommen war noch ein kurzes Stück zu laufen, bis es  tatsächlich schon auf das Eis ging. Gut – es war nicht gerade ein Abenteuer-Trip. Der Guide lief mit einer Spitzhacke bewaffnet vorne weg und sobald es auch nur die leiseste Andeutung einer Steigung gab, schwang er sein Instrument um Stufen im Eis zu formen. Eine Methode, mit der Hillary angeblich den Everest bestiegen hat. Nun ja – für mich war es ok. Ich hatte auch kein Abenteuer erwartet bei einer dreistündigen Tour. Und es gab auch einige, die selbst dieses (in meiner Wahrnehmung läppsche) Eistreppensteigen schon ziemlich zum Hecheln brachte.

Treppensteigen auf dem Eis

Gefahren am Gletscher

Leider war das Wetter an dem Tag nicht so besonders, so dass die Fotos etwas trübe aussehen. Dazu kommt, dass der Gletscher sich durch ein Tal schiebt, in dem es am Rand immer wieder Stein- und Gerölllawinen gibt. Was dazu führt, dass der Fox, wie er in der Kurzform genannt wird, ziemlich dreckig wirkt und sich manchmal nicht wirklich deutlich von der Umgebung abhebt.

Gletscherrand

Auf dem Eis öffnen  sich manchmal innerhalb von Stunden Strukturen, die sich zuvor durch das, den Gletscher durchspülende, Wasser gebildet haben. Eine davon erschien erst am Morgen unserer Tour und gewährte einen in mehreren Aspekten „coolen“ Blick in das Innere des beeindruckend dicken Eises.

Im Gletscher

 

Angeblich sollte der Franz-Josef-Gletscher, der übrigens nach Franz-Josef I von Österreich und nicht nach einem verstorbenen süddeutschen Politiker benannt ist, der eindrucksvollere der beiden großen Gletscher an der Westküste sein. Allerdings war diese, nur knapp 25 km weiter nördlich gelegene Eiszunge, aufgrund akuter Instabilitäten für Touren auf dem Eis gesperrt. So bin ich dann am 9. Dezember – nachdem ich zuvor noch einen ziemlich dreisten Dieb von meinem Zelt verscheuchen musste – nur zum „Gucken aus der Ferne“ hingefahren.

Dieb

Und es stimmt: der Franz-Josef-Gletscher ist beeindruckender. Nicht annähernd so von Geröll bedeckt wie sein kleiner Nachbar, schiebt sich die gewaltige Eismasse weiß leuchtend und zerklüftet durch die Felsen Richtung Tal.

Franz Josef Glacier

Anfang des Franz Josef Gletschers

Beide Gletscher liegen nur etwa 400 m über dem Meeresspiegel. Die vor tausenden von Jahren durch sie gebildeten Täler sind heute schon in direktem Anschluss an das Eis mit tropischem Regenwald bewachsen.

 

Nachdem ich mich gebührend habe beeindrucken lassen, bin ich wieder ins Auto gestiegen und die Küstenstraße hochgefahren, die ich zum Teil schon von meinem Besuch bei den Pancake-Rocks kannte. Auch die Stücke, die ich noch nicht kannte, waren teilweise kitschig schön…

Westküste

 

 

Im Land der Regenbögen

Und genau an diesem frühen Abend war das erste, was ich am Campingplatz hörte, dass die Zufahrtsstraße zum Milford Sound gesperrt ist – genau: wegen Steinschlags. Man könne nur etwa 100 km der angeblich sehr schönen und insgesamt 120 km langen Straße befahren. Aber ich solle am nächsten Morgen doch nochmal nachhaken. Da der Plan eh keine Bootstour durch den Fjord vorsah, wäre ich auch einfach die 100 schönen Kilometer gefahren. Aber am nächsten Morgen war der Steinschlag anscheinend beseitigt und es ging durch bis zum Fjord.

Die Fahrt dorthin war … okay. Es gab ein paar nette Punkte, an denen man anhalten konnte und es etwas anzuschauen gab. Aber eigentlich waren nur die „Mirror Lakes“ erwähnenswert. Wobei der Spiegeleffekt etwas durch den Wind getrübt wurde.

Mirror Lakes

Das Ende der Straße am Milford Sound versetzte einen dann relativ plötzlich von Neuseeland ans gegenüberliegende Ende der Welt – nach Norwegen. Was vermutlich auch der Grund für meine mangelnde Begeisterung ist. Denn mit einem Vater, der ein großer Skandinavienfan ist (oder in seiner Jugend ein großer Fan der skandinavischen Mädchen war…) war das eindeutig nicht der erste Fjord, den ich gesehen habe.

Bucht beim Milford Sound

Wasserfall am Milford Sound

So war denn aus meiner Sicht das Highlight des Tages auch die Weiterfahrt in den Abendstunden Richtung Fox Glacier. Obwohl ich als erstes einmal ausgerechnet vor der Hippie-Stadt Wanaka von der Polizei angehalten wurde und ca. 120 EUR wegen 20 zu schnell gefahrener Km/h zahlen durfte.

Denn kurz nach dem Männlein in Blau musste ich am Straßenrand halten, um einmal das gesamte Farbspektrum auf Film zu bannen.

Das gesamte Farbspektrum

Ein paar Kilometer weiter spannte sich ein weiterer, dünner Bogen über dem Lake Wanaka.

Über dem Lake Wanaka

Nochmal 10 Minuten später flimmerte der Himmel so intensiv, als hätten Heimdall die Bifröst zur Erde gespannt.

Bifröst

Seltsam allerdings, dass nur Kühe da waren, um den Weg nach Asgard anzutreten…

Kühe auf dem Weg nach Asgard

Und nachdem ich dann die Speicherfähigkeit meiner Kamera schon arg strapaziert hatte, hat sich die Mutter der ganzen Regenbögen noch gebührend verabschiedet.

Die Mutter der Regenbögen

Durch die ganze Fotografiererei aufgehalten, stand mein Zelt an diesem Abend erst gegen 22 Uhr auf dem Campingplatz in Fox Glacier Town.

 

Wasserfälle und wässrige Höhlen

Es war Mittwochabend, der 5. Dezember. Ziel der etwas in den Abend reichenden Fahrt waren die Cathedral Caves, einige Höhlen, die direkt am Strand von Neuseelands Südküste liegen. Zugang hat man nur zwei Stunden vor und nach der Ebbe, da sie ansonsten geflutet sind.

Direkt in der Nähe befinden sich außerdem noch die McLean Falls, wie der Name schon sagt, ein paar (hübsche) Wasserfälle.

Als ich so gegen 19 Uhr am Campingplatz ankam, habe ich als erstes nach einem Tidenkalender gefragt. Denn natürlich wollte ich nicht die Ebbe am nächsten Morgen verschlafen. Hab ich auch nicht – war aber auch egal. Denn die nette Dame hat mich dann aufgeklärt, dass die Stürme und die raue See im Winter den Strand abgetragen haben. Was zur Folge hatte, dass die Cathedral Caves jetzt ganzjährig geflutet und damit nicht zugänglich sind… Verdammt!

So konnte ich dann morgens ordentlich ausschlafen und bin danach zu den McLean Falls gefahren. Ich stell gerade mein Auto auf dem Parkplatz ab und nehme meinen Rucksack, als ein Motoradfahrer, eben im Begriff zu fahren, nochmal kurz anhält, um mir mitzuteilen, dass die McLean Falls gesperrt sind. Wie bitte? Kann nicht euer Ernst sein… Er ist dann abgebraust und ich wollte doch nochmal nachsehen, ob er sich nicht einfach verguckt hat. Denn die Campingplatzfrau hatte behauptet, die Wasserfälle seien zugänglich.

Da war dann zwar auch ein Zaun mit einem Verbotsschild wegen Steinschlags, aber zu meinem Glück kamen gerade ein paar ältere Herrschaften genau aus dem verbotenen Weg und meinten zu meiner Frage, ob es denn nicht gesperrt sei nur „That’s nonsens! Who told you that?“

Also bin ich über den Zaun geklettert und ca. eine Viertelstunde durch tropischen Regenwald marschiert, bis ich zu den Wasserfällen kam. Sehr schön anzusehen. Der Bach stürzt sich erst etwa drei oder vier Meter tief in einen kleinen Teich, bevor er in unzähligen Kaskaden weiter abwärts rauscht.

McLean Falls - Gesamt

McLean Falls - oben

Und das schönste daran war die Einsamkeit. Ob durch das Verbotsschild, oder die Abgelegenheit – ich saß bestimmt entspannt eine halbe Stunde da und habe dem Rauschen gelauscht und den sich stetig ändernden Vorhängen aus Wasser zugesehen. Und nicht eine einzige andere Person war da.

 

Als mir dann auch langsam die Ohren anfingen zu rauschen, ging es zurück über den Zaun zum Auto und etwa 30 km Richtung Porpoise Bay. Mal wieder waren Meeresbewohner, Vögel und andere interessante Dinge angekündigt. Vorgefunden habe ich mal wieder nichts davon…

Aber man konnte ein wenig über die bei Ebbe freigelegten Felsen klettern und den Ausblick vom Kliff aus genießen.

Über der Porpoise Bay

Irgendwann am Mittag bis Nachmittag startete dann die letzte Etappe dieses Tages nach Te Anau am gleichnamigen See. Nochmal etwa 120 km weiter liegt der Milford Sound, der bekannteste Fjord im Fjordland an der Südwestküste. Angekommen bin ich irgendwann am frühen Abend.

 

Runde Steine und eine halbe Insel

So – Pinguine abgehakt. Nächster Tag als Foto-Tourist.

Aber bevor es losging, hab ich mir etwas gegönnt, was schon über drei Monate zurück lag: ich war beim Friseur. Nur leider hat der sehr nette und gesprächige Haircutter den Teil unserer Unterhaltung ignoriert, in dem ich ihm erzählt habe, wie er schneiden soll…

Naja – als Mann hat man es relativ einfach. Mit genügend Gel lässt sich das meiste noch retten.

Mit dramatisch kürzeren Haaren als vorher und deutlich kürzeren Haaren als gewünscht ging es dann von den Pinguinen aus weiter nach Süden. Auf dem Weg zur Otago Peninsula, einer Halbinsel bei Dunedin, ca. 150 Fahr-Kilometer vor der Südspitze Neuseelands, habe ich noch einen Zwischenstopp bei den sogenannten Moeraki-Boulders eingelegt.

Hübsch anzusehende, sphärische Steine, die am Strand von Moeraki liegen. Im Durchmesser reichen sie von einem halben Meter bis zu anderthalb Metern. Aber neben dem optischen Genuss sind sie vermutlich eher für Mineralogen interessant… trotzdem will ich die Fotos nicht vorenthalten.

Moeraki Boulders

Einsamer Boulder

Nachdem ich genügend rumgekugelt habe, ging es dann weiter zur Otago Pensinsula. Die Halbinsel sollte laut Reiseführer besonders interessant sein aufgrund der zu sehenden Meeresbewohner, einer Robben- und einer Albatroskolonie. Da Robben nun nichts Neues sind für mich, wollte ich zuerst zur Albatroskolonie. Eine ziemlich schöne Straße führte 30 km direkt an der Bucht entlang, die durch die Halbinsel und das Festland (wenn man bei einem Inselstaat wie Neuseeland von Festland sprechen kann) gebildet wurde. An deren Ende dann die Kolonie.

Bucht der Otago Peninsula

Und wieder, wie schon bei den Pinguinen, ein großer Zaun und ein Infocenter. Da Albatrosse ja größer sind als Pinguine wollten sie auch mehr Geld haben. Logisch, oder? Umgerechnet volle 40 EUR für eine einstündige Führung durch die Kolonie mit der fast garantierten Sichtung der großen Vögel!

Ich hab erst mal gesagt, ich würde mir das überlegen und bin zurück zum Auto gegangen. Da hab ich dann tatsächlich kurz überlegt. Wenn das Geld zum Tierschutz gebraucht wird, bin ich ja dafür, das zu unterstützen. Aber dann fiel mir ein, was die Kassiererin noch zu mir gesagt hat. Dass nämlich auch der Zugang zum Infocenter, dem Cafe und sogar dem Andenken-Shop 5 Dollar kosten sollte. Und DAS ließ mich dann auch irgendwie an dem Tierschutzhintergrund zweifeln. Eintritt für einen Andenkenladen??? Ne – nicht mit mir. Ich mach ja einiges mit. Aber so dreist wollte ich mich dann auch nicht abzocken lassen.

Also bin ich nur kurz an der Steilküste gucken gegangen (ja unglaublich, oder? Dafür musste man nicht bezahlen) und habe zumindest einen der angekündigten Meeresbewohner gesehen.

Meeresbewohner

Auf die Robbenkolonie hatte ich dann keine Lust mehr. Und da ich die Straße entlang der Bucht schon kannte, bin ich durch die Hügel zurück nach Dunedin und dann weiter nach Süden in Richtung der „Cathedral Caves“ und „Mc Lean Falls“. Das obige Bild der Bucht zeigt den schönen Ausblick, den man von den Hügeln aus hatte. Nachdem die Straße sich ein paar Hundert Meter den Berg hoch mäandert hat, zog sie sich von der Bucht zurück und führte ins Hügelland hinein. Die Landschaft war so typisch für Neuseeland, dass ich auch davon ein Foto zeigen muss.

Typisch Neuseeland

Etwa zwei kurvige Stunden, in denen jedem Beifahrer schlecht geworden wäre, später, war ich dann in Dunedin. Nach einer weiteren Stunde hatte ich den Weg aus Dunedin raus gefunden und fuhr in der Abenddämmerung entlang der Küste noch etwa 120 km zu Höhlen und Wasserfällen.

 

Pinguine!

Nachdem ich mich an Seen sattgesehen hatte, bin ich am Mittag des 4. Dezember dann wieder zurück Richtung Ostküste gefahren. Mein Ziel war jetzt ein Ort namens Oamaru, vor allem bekannt für seine Blue Penguin Colony, eine Kolonie von niedlichen Zwergpinguinen.

Als ich Nachmittags ankam, was das auch das erste, worüber mich der Hostelmanager informierte – wo man die Pinguine sehen kann und wann die Action ist.

Ich hab nämlich gelernt, dass die kleinen Viecher tagsüber komplett im Ozean sind, um Fressen zu sammeln und das dann abends zu den ganz kleinen Pinguinen ins Nest zu bringen. So gegen 2045 sollte es losgehen.

Na das guck ich mir aber an, dachte ich mir und stapfte mit Kamera und Pullover bewaffnet los in Richtung der Pinguinkolonie am Ende des Parkplatzes am Hafen. Dort angekommen, erwartete mich erst einmal ein großer Zaun und ein Infocenter. Im Infocenter dann eine Theke und ein Preisschild. Umgerechnet ca. 20 EUR um ab 2045 die Pinguine beobachten zu dürfen…

Fotos sind übrigens nicht erlaubt. Gut – kann ich verstehen. Insbesondere Blitzlicht würde die Vögel verängstigen und hätte im schlimmsten Fall zur Folge, dass die Jungen nichts zu fressen bekommen. Ich fand den Preis ja etwas übertrieben, aber da ich nur wegen der Watschler hergekommen war, wollte ich auch nicht unverrichteter Dinge wieder abziehen. Am Ende hab ich dann sogar ein „Premium-Ticket“ gekauft. Es gab nämlich 2 Tribünen, auf denen die Zuschauer Platz nehmen konnten. Und die Premium-Tribüne lag näher an der Action.

Und die ging dann so um 2115 auch endlich los. Zwei Mitarbeiterinnen haben über ein Mikrofon verkündet, dass man in ca. 10 Minuten Entfernung das erste „Raft“ sehen könne. Wie ich dann erfahren habe, kommen die Pinguine in Gruppen von 20-50 Tieren an Land, um Sicherheit in der Anzahl zu finden. Sie lassen sich mit einer Welle wie ein Surfer an den Strand spülen. Wenn das Wasser sich zurückzieht, stehen sie auf und watschelnd los. Erst mussten sie noch ein Stück einen Abhang hochklettern und standen dann etwas unschlüssig vor 2-3 Metern ungeschütztem Gelände. Dahinter begann – abgetrennt durch einen Zaun mit Pinguin-konformen Löchern die Kolonie. Mittlerweile veranstalteten die Minis schon ein ziemliches Geschrei, weil sie ihre Eltern spüren konnten. Und auf einmal rannten sie los. Alle 30 Stück auf einmal. Einige nutzten ihre Flügel wie Vorderbeine. Andere fielen schlicht und einfach auf den Schnabel, weil sie zu hektisch waren. Wundervoll lustig anzusehen. Nach 30 Sekunden waren dann alle in der Kolonie und es … geschah erst einmal nichts mehr. Nach einiger Zeit wieder die Ansage, in 15 Minuten Entfernung das nächste „Raft“. Und wieder kamen sie an Land, kletterten den Abhang hoch, warteten vor dem freien Stück und pesten irgendwann über ihre eigenen Schwimmhäute stolpernd los. Und 10 Minuten danach wieder ein Raft… Und noch eines … Und noch eines …

Nach 2 Stunden hatte ich dann auch wirklich genug Pinguine gesehen.

Als ich wieder auf dem Parkplatz war, stellte ich fest, dass längst nicht alle Tiere in der Sicherheit der Kolonie brüten. Eine ganze Menge hatte sich Plätze unter Büschen, zwischen den Steinen des Kais und wo sonst auch immer gesucht. Und da kein Einziger von ihnen sich in irgendeiner Weise von dem Blitzlicht der vielen Fotoapparate (die ja hier draußen nicht verboten waren) irritieren ließ, habe ich dann auch meinen noch ausgepackt. Und es waren tatsächlich nur 2 Pinguine, die sich offensichtlich durch mich gestört fühlten und das Weite gesucht haben. Ratet welche …

Nach den Kindern schreien

Böse?

Auch Pinguine brauchen Nachwuchs

Blau wie …

Ich weiß – ist schon was länger her…

Aber der eine oder andere Leser wird sich noch erinnern: ich hatte einen rosigen Gürtel von juckendem Hautausschlag bekommen und konnte deshalb die geplante Surftour nicht antreten.

Stattdessen habe ich mir am 3. Dezember für 10 Tage einen Mietwagen genommen und bin damit von Christchurch aus einmal rund um die Südinsel gefahren. Dabei hab ich wie ein braver Tourist – der ich ja nunmal auch bin, wie mir eine freundliche Dame am Airport bestätigte – mir all die Dinge angesehen, die sehenswert waren.

 

Am 3.12. hab ich mich also aufgemacht in Richtung Südwesten. Im Landesinneren liegt der Mt. Cook, mit 3.754 m Neuseelands höchster Berg. Wobei ich nicht vorhatte, den Berg zu besteigen. Allerdings sollte die Landschaft drum herum sehr schön sein.

Und das war sie dann auch. Die erste Nacht wollte ich in Lake Tekapo verbringen, einem kleinen Ort am gleichnamigen See. Nachdem ich zunächst durch eine Landschaft gefahren bin, die auch in Niedersachsen liegen könnte, kam ich dann irgendwann ins Bergische Land. Danach kamen die Voralpen, bis ich irgendwann im Gebirge angekommen war.

Nach ein paar weiteren Stunden und ziemlich vielen Kurven durch die Neuseeländischen Alpen, habe ich dann dort ein Hostel gefunden, das einen unglaublichen Ausblick auf den See bot. Blau erstreckte sich vor mir die Wasserfläche, während gegenüber die Wolken imposant in einem Tal hingen.

Lake Tekapo in blau

Noch schöner wurde das Ganze dann, als die Sonne die Szene gegen 22 Uhr in ein rotes Licht tauchte. Mindestens die Hälfte der Hostelgäste stand staunend am Ufer.

Lake Tekapo in rot

Was übrigens das einzige Manko an diesem Abend war – die Hostelgäste. Als ich ankam gab es leider nurnoch einen Platz in einem 6-Bettzimmer. Meine Mitbewohner waren alle japanischer Abstammung. Grundsätzlich stört mich das überhaupt nicht. Allerdings haben zumindest ein paar von ihnen sich alle Mühe gegeben, dem Vorurteil seltsam anmutender Sitten zu entsprechen.

Das ein Mädchen den ganzen Abend über mit ihrem Handy spielend auf dem Bett saß, war ja nun nicht weiter relevant. Und das ein Junge (sie waren alle noch etwas jünger) in seiner Regenjacke geschlafen hat, wirkt – naja, seltsam halt, stört mich aber auch nicht wirklich. Aber zum Glück hatte ich wohl schon etwas geahnt und hab meine Ohrenstöpsel mit ins Bett genommen. Denn das Konzert, dass da des Nachts veranstaltet wurde war wirklich anstrengend. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden so laut schnarchen hören. Und schon gar nicht mehrere auf einmal …

Aber dank Ohropax gut ausgeschlafen konnte ich dann am nächsten Morgen frisch weiter zum Mt. Cook fahren.

 

Wieder ging es um unzählige Kurven. Grüne Weiden mit Schafen, die aussahen wie laufende Pullover, wechselten sich mit eher gebirgiger Landschaft ab. Aus dem Osten kommend, bog ich irgendwann ahnungslos um eine Kurve und vor mir lag ein wirklich atemberaubend schöner Ausblick. Wenn man auf den Mt. Cook zufährt, windet sich die Straße an dieser Stelle aus einem Tal heraus und führt in einem weiten Bogen zum Lake Pukaki herunter, bevor sie sich gute 30 km an dessen Ufer entlangschlängelt. (Achtung: ich weiß, es wird kitschig – aber sie wird es lieben!) Am Horizont erhob sich schneebedeckt der Mt. Cook und überthronte die Szenerie. Davor schimmerte der Lake Pukaki in einem unglaublichen, milchigen türkisblau, unter einem Himmel, der in der gleichen Farbe wie die Augen meiner Freundin strahlte. Der See, der Berg, das Farbspiel waren tatsächlich schön genug, um mich einen Moment sprachlos zu machen.

Mt Cook und der Lake Pukaki

Der Lake Pukaki wird vom Tasman River gespeist, der wiederrum der Abfluss des Schmelzwassers vierer verschiedener Gletscher ist. Was am Ende die Ursache für die milchige Trübung und das beeindruckende Farbspiel ist.

Atemberaubend blau wie ...

 

Der letzte See des Tages war für mich der Lake Tasman, ein recht kleiner See, direkt am Fuß des Tasman Gletschers. Vom Lonely Planet angekündigt als beeindruckend stimmungsvoll durch die vielen, vom Gletscher stammenden Eisschollen, entpuppte sich dieser See als eine kleinflächige, milchig-graublaue Ansammlung von Wasser mit einer einsamen 2m-Eisscholle darauf. Vermutlich war im Reiseführer eine Winterszenerie beschrieben – jetzt ist allerdings Sommer…

Lake Tasman