Unterwegs mit der Zigarettenmafia

Am nächsten Morgen – das müsst, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, der 4. Februar gewesen sein – wurden wir relativ früh am Hotel abgeholt. Denn wir hatten am Vorabend in unserem Hotel noch ein Busticket nach Can Tho gekauft. Dort wollten wir hin, um die schwimmenden Märkte zu besuchen.

Aber zunächst mal zur Fahrt…

Es ging schon damit los, dass wir morgens mit Xe Oms abgeholt wurden. Xe Om lässt sich relativ direkt mit Motorrad Umarmung übersetzen. Und das wiederum beschreibt es auch gut. Man setzt sich hinten auf ein Motorrad und „umarmt“ den Fahrer. Nur, dass es sich nicht um wirkliche Motorräder handelt, sondern um vietnamesisch heruntergefahrene Motorroller und dass es ziemlich schwierig ist, das Vorderrad auf dem Boden zu behalten, wenn der Beifahrer hinten (wie in meinem Fall) etwa doppelt so groß ist wie der Fahrer und vor allem noch 25 kg Rucksack auf dem Rücken hat.

Aber wir haben es geschafft und sind ziemlich verspannt, vom krampfhaften festklammern, bei der Busgesellschaft angekommen.

Angepriesen war übrigens vollmundig ein klimatisierter Minivan. Wir kamen dann in einen Raum, der vielleicht die Größe einer Doppelgarage hatte. Vor dem Tor stand einer der Minivans. Übles Gefährt …

Aber wir hatten auch nicht wirklich mit klimatisiert und komfortabel gerechnet. Wobei dies auch nicht unser Van war. Er sah allerdings genauso aus.

Ganz gemütlich wurde der Van beladen und ich dachte schon, die haben ja mal wieder Zeit. Aber dann wurde es auf einmal hektisch. An einem Tisch saß eine junge Frau von etwa Anfang 20 und neben ihr auf einem Hocker die offensichtliche Matriarchin des Unternehmens. Und die beiden fingen ziemlich zeitgleich an, die Männer, die bis dahin noch lässig Zigaretten rauchend rumgestanden hatten, anzukeifen. Plötzlich wurden Pakete und Koffer in den Bus gewuchtet, alles rannte durcheinander und dann die Türen zu und los. Kaum war der Bus auf der Straße, lief noch jemand hinterher und reichte noch ein Paket zum Fenster rein und weg war der Van.

Dann kam der nächste. Wir durften einsteigen. Alles gemütlich. Bis irgendwann wieder leichte Hektik ausbrach. Das gleiche Spiel. Wir waren gerade vom Bürgersteig auf die Straße gefahren, als aus einem Gebäude auf der anderen Straßenseite ein Mann gelaufen kam und dem fahrenden Minivan noch ein Paket durchs Seitenfenster hineinreichte. Dann wurden alle Fenster zugemacht und los ging die Heizerei.

Die Vietnamesen fahren alle nicht gerade ordentlich. Und die Hupe ist dort eine Art Ortungssignal. Wenn jemand überholt wird, wird gehupt, wenn Fußgänger am Straßenrand laufen wird gehupt – immer wird gehupt. Und es ist auch völlig normal, dass man auf der Gegenspur fährt oder dass teilweise auf einer eigentlich zweispurigen Staubpiste vier Fahrzeuge nebeneinander fahren.

Aber unser Fahrer war selbst für diese Verhältnisse ein Heizer. Er hat die Hupe eigentlich gar nicht losgelassen. Und es gab kein einziges Fahrzeug in drei Stunden Fahrt, das uns überholt hätte. Dafür haben wir alle anderen überholt.

Und kurz nachdem wir losgebraust sind, wurde auch der Grund für die Hektik deutlich. Der Beifahrer kletterte nach hinten und schraubte, ohne sich um die Anwesenden zu scheren, die Verkleidung des Fachs über der Fahrerkabine ab. Dort, wo eigentlich nur ein paar Kabel der Lautsprecher entlang laufen, wurden nämlich jetzt die ca. 25 Stangen Zigaretten, die am Anfang noch hektisch durch das Seitenfenster reingereicht wurden, versteckt. Dann kamen, wie gesagt, etwas zwei bis drei Stunden Heizerei über Staubpisten, durch Ortschaften und ab und an sogar über geteerte Straßen. Wäre dies Paris-Dakar gewesen, wir hätten gewonnen.

Dann hielten wir irgendwann und vor allem IRGENDWO an. Eine Frau stieg aus. Wir warteten. Nach vielleicht 10 Minuten kam sie zurück und wir fuhren weiter. Der Beifahrer stand wieder auf, kletterte nach hinten und holte die Kippen wieder aus dem Versteck. Dann kletterte er über die erste Sitzbank und schraubte die Verkleidung über dem linken Seitenfenster ab. Mehr Zigarettenstangen kamen zum Vorschein. Die Verkleidung unter dem linken Seitenfenster. Noch mehr Zigaretten. Die Verkleidung über dem hinteren linken Fenster. Und noch mehr Zigaretten. Alle wurden in einen großen Sack gepackt. Bestimmt insgesamt 50 oder 60 Stangen. Und anscheinend gehörten auch alle Fahrgäste, bis auf Dirk, eine weitere, ständig schlafende Frau und mich zu der Bande. Denn keiner sagte etwas. Ein oder zwei halfen noch, die Kippen in den Sack zu packen.

Dann wieder ein Stopp, dieses mal in einer Einfahrt.

Plötzlich wurden hektisch die Türen aufgerissen. Viel Geschrei. Gekeife. Der Sack mit den Kippen wurde aus dem Van gehievt und nur eine Minute später sah man die Frau, die vorher schon einmal ausgestiegen war, hinten auf einem Mofa sitzend, den Sack quer über ihren Knien und davonbrausen.

Danach waren Fahrer und Beifahrer auf einmal viel ruhiger. Es wurde vietnamesisch normal gefahren, erst einmal eine der Schmuggelzigaretten zur Entspannung geraucht und irgendwann kamen wir in Can Tho an.

 

Ich war echt erleichtert. Zum einen, war die Fahrweise echt schon angsteinflößend. Aber zum anderen habe ich die ganze Zeit gedacht, wenn die tatsächlich von der Polizei angehalten worden wären, hätte vermutlich irgendjemand zufällig eine oder zwei Packungen der Kippen in unseren Rucksäcken gefunden. Und dann hätte es geheißen, das waren die Touris. Die natürlich kein Wort der Landessprache sprechen, um sich zu verteidigen. Und was man von den asiatischen Rechtssystemen mitbekommt, kann man, befürchte ich, auch nicht davon ausgehen, dass jedem klar ist, dass Dirk und ich da nichts mit zu tun haben. Beziehungsweise – klar wäre das vermutlich jedem. Aber das heißt ja nicht, dass auch entsprechend gehandelt wird.

Na am Ende sind wir auf jeden Fall mit zwei weiteren Xe Oms heil zu unserem Hotel gekommen und haben uns am Abend noch die Festlichkeiten zum vietnamesischen Neujahr „Tet“, dass am 10. Februar gefeiert werden würde angesehen.

 

Vietnam!

Und das Mekong-Delta

Nachdem wir die Tempel von Angkor besucht hatten, sind wir wieder zurück nach Phnom Penh, wo genau an diesem Abend der verstorbene König verbrannt und beigesetzt wurde. Am nächsten Morgen wurden wir relativ früh am Hotel abgeholt, zum Hafen gefahren und sind dort auf ein sogenanntes Schnellboot (es war halt nicht ganz so langsam) geklettert, was uns die nächsten 4 oder 5 Stunden den Mekong runter bis über die Grenze nach Vietnam gebracht hat.

Falls irgendwer mal auf die Idee kommt, von Kambodscha aus nach Vietnam zu reisen, kann ich nur raten, diese Tour zu machen. Es ist eine sehr entspannte und schöne Fahrt. Relativ träge und mit erstaunlich stiller Oberfläche wälzen sich die braunen Wasser des Mekong Richtung Südosten. Man sieht zunächst nur die Stadt an sich vorbeiziehen. Sobald man aus deren Gebiet herauskommt, ändert sich das Bild zu Feldern von Mais, Reis und sonstigen Nutzpflanzen, die bis an die Ufer des Flusses angebaut werden.

Landwirtschaft am Fluss

Und je mehr man hinschaut, desto mehr bemerkt man, wie die Menschen den Fluss in ihr Leben einbeziehen. Dabei sind die typischen, schmalen Fischerboote noch der häufigste Anblick.

Fischen I

Aber Fischen alleine, wäre noch kein Leben mit dem Fluss. Die Verhältnisse sind einfach, aber die Bilder, die man mit der Kamera leider immer nur ausschnittsweise einfangen kann, entbehren trotzdem nicht einer gewissen Schönheit. Die Menschen im Mekong-Delta, dem knapp 40.000 qkm großen Gebiet, in dem sich der Mekong vielfach verzweigt, bevor der schließlich ins Südchinesische Meer mündet, bauen ihre Häuser nicht nur an den Rand des Flusses. Manche stehen zur Hälfte auf Stelzen, schon zum Teil im Fluss. Dazu kommen schwimmende Hütten, die vollständig auf Pontons errichtet sind.

Wohnen am Wasser

Es wird wirklich alles im und mit dem fließenden Gewässer gemacht. Man badet seine Ochsen darin, man spült sein Geschirr darin, Kinder spielen darin, man wäscht sich darin, …

Badewanne

Häufig fuhren auch größere Boote an uns vorbei und man konnte einen Blick quasi ins Wohnzimmer der Besatzung erhaschen. In der jeweils einzigen Kabine auf dem Schiff standen manchmal Frauen und bereiteten ein Essen zu, schliefen Kinder in Hängematten oder spülten Männer das Geschirr in einer Wasserleitung, die direkt aus dem Fluss gespeist wurde.

Typischer Anblick

Parken am Mekong

Nach etwa drei Stunden kamen wir an die Grenze und mussten alle aussteigen. Dann zu einem kleinen Grenzposten und den Pass vorzeigen. Relativ zügig wurde abgestempelt und wir durften wieder auf das Boot. Ich dachte noch,  dass ging ja zügig, als wir an der Einreisekontrolle nach Vietnam anhielten. Der schnelle Part war die Ausreise aus Kambodscha gewesen. Jetzt kam der langsame Part. Aber im Grunde war es trotzdem völlig unproblematisch. Wir haben unsere Pässe dem Bootsführer gegeben, mussten etwa eine Stunde warten und durften dann weiterfahren. Visa hatten wir uns schon vor der Abreise besorgt (sonst wäre es auch komplizierter geworden).Wir waren in Vietnam!

Und was soll ich sagen? Der Mekong sah genauso aus, die Leute sahen genauso aus, die Landschaft sah noch genauso aus.

Fischen II

Nach einer weiteren halben Stunde verließen wir dann den Mekong, um einen Seitenarm bis nach Chau Doc, der ersten vietnamesischen Stadt nach diesem Grenzübergang, hoch zu fahren. Der Arm war wesentlich schmaler als der Hauptfluss und gleichzeitig deutlich bewohnter. Hausboote, Hütten und Häuser reihten sich aneinander. Überall waren Menschen dabei, ihr Abendessen zuzubereiten. Die Luft roch durchdringend nach Rauch und die Sicht reduzierte sich deutlich im Qualm der zahllosen Feuerstellen. Boote fuhren den Wasserlauf entlang und kleine Fähren kreuzten hin und her.

Irgendwann kamen dann die ersten Betongebäude in Sicht und bald darauf hielten wir am Pier von Chau Doc. Noch eine kurze Fahrt mit einer Fahrradrikscha, bei der die 2 Fahrer (mit unseren riesigen Rucksäcken brauchten wir jeder jeweils eine eigene Rikscha) am Ende auf einmal mehr Geld haben wollten, als ursprünglich ausgemacht (wir haben das ignoriert und den vereinbarten Betrag bezahlt), waren wir dann im Hostel und haben die erste Nacht in Vietnam verbracht.

Sonnenuntergang im Mekong Delta

 

 

Die Tempel von Angkor

Nur ein paar Kilometer von Siem Reap entfernt liegt die weltberühmte Region Angkor, welche zwischen dem 9. Und 15. Jahrhundert das Zentrum des damaligen Khmer-Königreiches bildete. In der mehr als 200 qkm großen Region wurden bis heute über 1.000 Tempel und Heiligtümer entdeckt. Allen voran natürlich das UNESCO Weltkulturerbe Angkor Wat. Am Tag nach der Karaoke-Busfahrt haben wir uns morgens einen TukTuk-Fahrer für den Tag engagiert, der mit uns den Tempel von Angkor Wat sowie die historische Stadt Angkor Thom mit den Tempelanlagen Baphuon, Bayon und Phimeanakas und der Elefantenterrasse besucht hat.

 

Angkor Wat zum Ersten

Nun war ich endlich da. Der Ort, der in so ziemlich allen Kung-Fu Filmen vorkam, die ich in meiner Jungend gesehen habe – und das waren eine Menge! Angkor Wat!

Die, zwischen 1113 und 1150, unter der Regentschaft von Suryavarman II, errichtete, Tempelanlage ist von einer äußeren Mauer mit einem Wassergraben drum herum umgeben und bevor man nicht über den Kai und durch das Tor getreten ist, sieht man eigentlich nichts von den bekannten fünf, Lotusblüten nachempfundenen, Türmen. Sobald man sich aber an den anderen Touristen vorbei ins Innere der Umfriedung gezwängt hat, steht man auf dem Hauptzugangsweg.

Hauptzugang nach Angkor Wat

Ein paar hundert Meter weiter erhebt sich der Tempel. Tja – und ich muss sagen, ich war ein wenig enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir das spektakulärer vorgestellt. Aber statt eines mystischen Tempels irgendwo im Dschungel fuhr man einfach mit einem TukTuk hierher, stieg aus, und wälzte sich mit hunderten anderer Touristen durchs Tor.

Dazu kam noch ein ziemlich unansehnliches, mit grüner Plane überzogenes Baugerüst, direkt über dem Haupteingang. Nun ja – Angkor Wat ist aus Sandstein gebaut. Und wie viel Renovierung der braucht, konnte ich jahrelang am Kölner Dom beobachten.

Auf dem Weg zur eigentlichen Anlage kommt man an einigen Nebengebäuden vorbei, von denen mir sogar ein touristenfreies Foto gelungen ist.

Nebengebäude Angkor Wat

Zum Glück ist die nahezu quadratische Anlage schon ziemlich groß – sie misst etwa 1,5 x 1,3 km – und darauf können sich auch so viele Touris verteilen, so dass man schon einigermaßen in Ruhe durch den Tempel spazieren konnte. Der Südeingang bietet, bis auf den zuführenden Steinweg, einen ähnlichen Anblick, wie das Haupttor, ist aber momentan von Baugerüsten verschont geblieben.

Südeingang Angkor Wat

 

Da wir sowieso am nächsten Morgen noch einmal zum Sonnenaufgang herkommen wollten, sind wir an diesem Tag auch nicht so lange in der Anlage geblieben, sondern haben uns nach ein bis zwei Stunden von unserem Privatchauffeur weiter zum

 

Bayon Tempel

fahren lassen. Dieser relativ kleine Tempel liegt innerhalb der Mauern Angkor Thoms und ist vor allem aufgrund seiner meterhohen Steingesichter bekannt. Daneben fand ich persönlich ihn noch ganz hübsch, da er sehr verwinkelt und gleichzeitig schon ziemlich verfallen war. Vermutlich kam außerdem hinzu, dass ich hier keinerlei Erwartungshaltung hatte …

Gesicht im Bayon Tempel

Innenhof Bayon Tempel

 

Baphuon und Phimeanakas

Danach brachte uns der TukTuk-Mann dann erst zum Baphuon Tempel und danach zum Phimeanakas. Der Baphuon Tempel ist ein mitten im Wald liegender Tempelberg.

Baphuon Tempel

Angkor Wat war ursprünglich ein, dem Hindu-Gott Vishnu gewidmeter, Tempel. Erst Ende des 13 Jahrhunderts begann man Angkor Wat zunehmend in buddhistischer Weise zu nutzen. Ebenso weist wohl auch die Anlage Bayon Merkmale beider Religionen auf (ich persönlich kann in diesem Fall nur zitieren…). Baphuon hingegen ist der Hindu-Gottheit Shiva gewidmet. Allerdings gibt es auch in diesem Tempel Hinweise auf den Buddhismus.

 

Der letzte Tempel für den ersten Tag war die gerade mal 12 Meter hohe Tempelpyramide Phimeanakas. Da wir allerdings langsam schon Tempel-gesättigt waren, sind wir nicht mehr hinauf gestiegen, sondern haben uns mit der Betrachtung von unten begnügt.

Phimeanakas

 

Bevor wir zurück zum Hotel fuhren, gab es noch die Elefantenterrasse zu sehen. Eine 350 Meter lange Terrasse, welche vielfach mit Elefantenreliefs und aus dem Stein gemeißelten Elefantenköpfen verziert ist.

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Angkor Wat zum Zweiten – oder: Faszination im Sonnenaufgang

Wie eben schon erwähnt, sind wir dann am zweiten Tag deutlich früher aufgestanden, um uns Angkor Wat bei Sonnenaufgang anzusehen.

Diesmal sind wir auch nicht gemütlich mit einem TukTuk hingeknattert, sondern haben uns vom Hotel zwei klapprige Damenräder geliehen und sind um 5 Uhr morgens in völliger Dunkelheit, ohne Licht am Rad die halbe Stunde bis zum Tempel geradelt.

Und allein das hat gefühlt schon einen Unterschied gemacht. Sich nicht wie jeder andere Tourist hinbringen lassen, früh aufzustehen für den Sonnenaufgang – das gefiel mir schon deutlich besser als der Vortag. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht erwartet hätte, dass SO viele Leute auf die gleiche Idee kommen (nicht das Fahrrad, aber den Sonnenaufgang zu sehen).

Rechts von dem Zugangsweg war ein kleiner Teich und ich hatte schon am Tag zuvor gedacht, dort könnte man bestimmt gute Fotos machen. Während ein umherstreunender Gaul versuchte meinen Rucksack zu fressen, haben wir auf der Wiese gesessen und auf den Sonnenaufgang gewartet. Irgendwann bin ich ein wenig umher gelaufen und habe festgestellt, dass auf der anderen Seite des Weges schon die Hölle los ist. Angeblich konnte man von dort die Sonne tatsächlich hinter dem Tempel aufgehen sehen, hörte ich einen Fremdenführer erklären.

Angkor Wat ist, entgegen der meisten anderen Tempel im Umfeld, mit dem Haupttor nach Westen hin ausgerichtet, weswegen auch vermutet wird, dass es sich um eine Grabstätte handeln könnte. Der Sonnenuntergang im Westen wird mit dem Tod in Verbindung gebracht. Eindeutige Hinweise wurden aber wohl bisher nicht gefunden. Für uns hatte dies vor allem den Vorteil, dass der Sonnenaufgang eben HINTER dem Tempel stattfand.

Zunächst hieß es aber warten. Irgendwann dämmerte es und man konnte die Umrisse erkennen.

Angkor Wat in der Morgendämmerung

Dann wurde es zunehmend heller, aber der erhoffte Aahh-Effekt blieb aus. Also bin ich noch einmal auf die andere Seite des Weges – und wusste auf einmal, warum die Leute alle hier standen. Auf der Seite gab es einen viel hübscheren Teich, der außerdem nicht von Fischen bevölkert war, so dass seine Oberfläche meist spiegelglatt dalag. Und Spiegel ist in diesem Fall genau das richtige Wort. Die gesamte Anlage schimmerte im Morgenlicht auf der Wasseroberfläche. Es sah toll aus.

Und dann ging die Sonne auf!

Und ich war sprachlos. Wahnsinn! Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Wort gedacht habe. Jetzt wusste ich, warum sich so viele Menschen so früh aus dem Bett gequält hatten. Das Bild, wie sich die rot-gelbe Scheibe langsam hinter den Lotusblütentürmen emporschob, war so beeindruckend, dass mich nicht einmal mehr die hundert anderen Touristen neben mir gestört haben. Ich glaube ich habe am Ende über 200 Fotos nur vom Sonnenaufgang gemacht. Ich hoffe, diese zwei können die Stimmung ein wenig widergeben.

Sonnenaufgang über Angkor Wat

Nachdem der Tag vollständig angebrochen war, bin ich noch einmal in den Tempel gegangen. Die meisten anderen Sonnenfotografen waren gerade dabei, an den Essensständen ein Frühstück einzunehmen. So hatte ich Angkor Wat zwar nicht für mich, aber doch wesentlich einsamer, als am Vortag.

Reflektion

Und im goldenen Morgenlicht, teilweise fast menschenleer, strahlte der Tempel auf einmal die Mystik aus, die ich vorher so vermisst hatte. Man kam sich ein wenig vor, als würde man durch Licht und Schatten schwimmen, während man durch die Anlage wandelte. Der Blick vom höchsten der fünf Türme aus war fantastisch (am Vortag hatten wir keine Lust eine Stunde anzustehen, nur um dort hinauf zu können). Angkor Wat liegt mitten in tropischem Dschungel – etwas, was man vorher gar nicht so wahrgenommen hat. Und die Anlage einmal als Ganzes – und auch noch in diesem Licht – zu sehen, war ebenfalls beeindruckend.

Umgeben von Tropendschungel

Blick zum Haupttor

 

Nachdem ich mich dann sattgesehen hatte, haben wir uns wieder auf die Drahtesel geschwungen und sind noch zum Tempel Ta Prohm geradelt. Ta Prohms Charme sind die Baumriesen, die sich das Tempelgelände schon deutlich zurückerobert haben.

Ta Prohm I

Ta Prohm II

Unterwegs haben wir noch einen hübschen kleinen Tempel im Wald gefunden, über den ich leider, außer, dass er hübsch war, Garnichts sagen kann.

Transportmittel

 

Am ersten Tag hätte ich noch gesagt, Angkor Wat war ganz nett und man muss es schon einmal gesehen haben. Nach dem Sonnenaufgang bin ich restlos begeistert und würde sagen, dass ist ein absolutes Muss, wenn man auch nur in die Nähe von Kambodscha kommt!

 

 

Kambodscha!

Nach zweieinhalb Tagen Bangkok ging es am 29. Januar schon wieder in einen Flieger. Diesmal nur für einen kurzen Hopser von Thailands Hauptstadt in die Kambodschas, Phnom Penh. Dort haben wir eine Nacht in ziemlich muffigen Zimmern über einer Kneipe zugebracht, die deren Besitzer wohl der Ansicht waren, grüne Wände und ein Bild mit einem Kleeblatt reichen aus, sie als „Irish Pub“ zu deklarieren. Aber immerhin hat man uns geholfen direkt für den nächsten Tag ein Busticket nach Siem Reap zu bekommen.

Der Irish Pub war übrigens direkt gegenüber eines nachts hell beleuchteten Bauwerks, welches ein wenig wie ein Tempel aussah. Als ich die eindeutig thailändische Irish-Pub-Barfrau fragte, erklärte sie mir, dass in Kambodscha die Toten nicht wie bei uns beerdigt, sondern normalerweise verbrannt werden. Bis auf die Könige, welche beerdigt werden. Der vor ein paar Monaten verstorbene König allerdings wollte wie das normale Volk verbrannt werden. Und genau das sollte in der prunkvollen Anlage gegenüber passieren (und passierte dann auch genau während unseres zweiten Kurzaufenthalts in der Stadt). Der Tempel war also gar kein Tempel, sondern ein Krematorium. Und zwar eindeutig das dekadenteste, was ich mir so vorstellen kann. Aber es sollte ja schließlich auch ein König verbrannt werden (wie das normale Volk …)

 

Die Busfahrt nach Siem Reap, der Stadt, die die Touristenscharen, welche täglich nach Angkor Wat strömen, beherbergt, war ein Abenteuer für sich. Von dem irisch-thailändischen Pub aus haben wir ein TukTuk zur Bushaltestelle genommen. Dort durften wir erst einmal noch etwa eine Stunde warten, bis wir uns in den ziemlich engen Bus quetschen konnten. Und ziemlich warmen Bus – eine Klimaanlage war zwar vorhanden (zumindest die Öffnungen über den Sitzen) aber völlig funktionsuntüchtig. Bald fuhren wir auch längere Strecken über staubige Pisten und da ja, aufgrund der fehlenden Klimaanlage, die Fenster offen standen, holten bald auch einige der Fahrgäste die in Asien weit verbreiteten Atemmasken heraus und streiften sie sich über Mund und Nase. Der Staub und Sand hing in der Luft und vermittelte eher den Eindruck, durch die Wüste, statt durch die Tropen zu fahren. Ach ja – und die ganze Zeit lief auf einem Fernseher vorne im Bus eine asiatische Karaokesendung mit ziemlicher Lautstärke. Ein unglaublich billig gemachtes Schnulzen-Video jagte das nächste. Der Inhalt war immer gleich: Mann macht Frau an, Frau weigert sich, Mann ist traurig, Frau weigert sich nicht mehr, Mann ist glücklich. Zum Glück hat keiner mitgesungen…

Thailand!

Oder genauer – Bangkok

Thailand wird wohl das Land mit dem kürzesten Blog-Eintrag der ganzen Reise. Denn nachdem wir am 26. Januar gegen Abend in der über 8 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Bangkok ankamen, haben wir das Land auch schon drei Tage später wieder mit einem kurzen Flug Richtung Kambodscha verlassen.

Aber zunächst stiegen wir aus dem Flieger, holten unser Gepäck und suchten ein Taxi. Und in dem Moment, in dem wir aus dem Flughafengebäude traten, war klar – wir sind in Asien. Es war ca. halb neun am Abend und trotzdem bestimmt noch 30 Grad schwül-warm. Eine Luftfeuchtigkeit, wie in einem Dampfbad.

Im Hostel angekommen, haben wir nur noch kurz etwas zu trinken gekauft, uns dabei über die endlich wieder niedrigeren Kosten gefreut und sind dann ins Bett.

 

Rudimentär – oder gedrückt auf Thai

Am nächsten Morgen ging es los – Bangkok erkunden. Mit einem rudimentären, nicht maßstabsgetreuen Stadtplan ausgerüstet, wollten wir am ersten Tag den Königspalast und den Tempel Wat Pho besichtigen. Für den nächsten Tag hatten wir China Town und Downtown geplant. Aber wir waren jetzt in Asien – und das läuft in mancher Hinsicht so wie Südamerika: nämlich keinesfalls so, wie geplant.

Nachdem wir gute 20 Minuten gelaufen waren, sah uns irgendein freundlicher Thailänder mit dem Stadtplan an einer Kreuzung stehen (man bedenke: die Straßenschilder kann man meist nicht lesen, da sie in thailändischer Schrift geschrieben sind) und fragte, wo wir denn hin wollten. Zum Palast! Ah – zum Palast … Das sei aber bestimmt noch eine halbe Stunde zu laufen. Und außerdem sei der Palast mittags geschlossen. Dann nahm er mir freundlicherweise den Stadtplan aus der Hand und malte ein paar Kreuze und Symbole darauf, wo es in der Nähe noch andere Sehenswürdigkeiten gäbe. Die könnten wir uns anschauen und dann nachmittags noch zum Palast fahren. Da sein Englisch ungefähr genauso rudimentär war, wie unser Stadtplan, habe ich nicht ganz verstanden, was er uns noch erklärte. Irgendetwas vom letzten Tag einer Expo-Aktion, die von der Regierung gefördert sei? Auf jeden Fall gäbe es für die TukTuks mit den gelben Dächern heute noch Sonderangebote. Eine Rundfahrt zu den ziemlich wild aussehenden neuen Symbolen auf unserer Karte sollte nur 40 Baht (umgerechnet etwa 1 Euro) kosten. Bevor wir seinen Wortschwall auch nur ganz übersetzt hatten, hatte er schon ein solches Low-Cost Gefährt herangewinkt und wir saßen in dem rudimentären Dreirad.

Drücker TukTuk

Man gab uns noch eine Sehenswürdigkeit Zeit, bevor deutlich wurde, wieso das ganze selbst für Thai-Verhältnisse so günstig war… Zunächst fuhr unser Privatchauffeur uns zum Wat Indrawihan, einer buddhistischen Tempelanlage mitten in Bangkok. Bekannt ist die Anlage vor allem für den 32 Meter hohen, stehend dargestellten Buddha, der (laut Wikipedia) mit einer Schicht aus 24-karätigem Gold bedeckt ist.

Buddha in Wat Indrawihan

Nachdem wir ein paar Fotos geschossen hatten, hat unser Fahrer uns – auch wieder in sehr rudimentärem Englisch – erklärt, es gäbe eine Expo, zu der er jetzt fahren würde. Ok… meinetwegen. 10 Minuten später hielt er dann in einem Hinterhof vor dem Laden eines Schneiders an. Ahhh – ja! Wir sollten nur mal reingehen und gucken. Is klar! Er würde dafür einen Stempel bekommen, für den er dann Benzin kriegen würde.

Na jetzt war wenigstens klar, wo der Hase langläuft. Wir waren in der Thai-Version einer Drückerbande gelandet.

Nach dem Schneider ging es dann wieder zu einer Sehenswürdigkeit. Dieser Rhythmus sollte übrigens weiter durchgehalten werden. Etwas angucken, etwas kaufen (sollen). Wobei dieses Mal die Sehenswürdigkeit schon etwas lächerlich war. Angepriesen als „Lucky Buddha“ (der glückliche Buddha) hielt das Drücker-TukTuk vor einem unscheinbaren Gebäude und man führte uns in einen Raum, der verdammte Ähnlichkeit mit einem leergeräumten Konferenzsaal hatte. In einer Ecke konnten wir dann den Lucky Buddha bewundern, während uns der Thai, der uns reingelassen hatte, wieder von dem angeblich letzten Tag der Expo zu schwallte. Da die Buddhas ja nun heilig sind, egal in welcher dämlichen Umgebung man sie abstellt, habe ich mir ein Grinsen verkniffen. Aber ich kann nicht umhin, zu vermuten, dass der glückliche Buddha nicht aus religiösen Gründen in der Ecke eines Konferenzraumes steht…

Lucky Buddha

Und weiter – wieder mit der Bitte, uns doch einmal umzusehen, damit er sein Benzinmärkchen bekäme, setzte uns der TukTuk-Drücker diesmal vor einem Juwelier ab. Naja – vor einem Laden, der  vorgab ein Juwelier zu sein. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ungefähr jeder dritte Laden in einer Stadt, in deren Metropolregion etwas über 14,5 Millionen Menschen leben, ein „Juwelier“ ist, in dessen Auslagen Unmengen an Gold und Edelsteinen liegen, kann entweder etwas mit der Geldverteilung nicht stimmen (den die meisten Menschen leben eher ärmlich), oder Juwelen, Gold, Geschmeide sind nicht echt. Ich halte die zweite Schlussfolgerung für wahrscheinlicher. Auf jeden Fall hatten wir mal wieder unverschämtes Glück, denn auch der Juwelier hatte natürlich genau heute den letzten Tag seiner Sonderaktion. Zum Glück war alles Angebotene eh dermaßen hässlich, dass ich damit höchsten jemanden hätte erschrecken können, aber bestimmt nicht erfreuen.

Danach wieder eine Sehenswürdigkeit: irgendein kleiner Tempel, dessen Namen ich nicht mehr weiß oder herausfinden kann, der aber tatsächlich ganz hübsch war.

Kleiner Tempel

Dann wieder drücken: in einem Reisebüro. Die eindeutig lustigste Drücker-Erfahrung. Wir also auf Befehl unseres TukTuk-Drückers in das Reisebüro gegangen. Man lotste uns direkt an einen Tisch und die gelangweilte Reise-Asiatin dahinter ignorierte uns. Sie musste schließlich irgendetwas auf ihrem Smartphone tippen. Irgendwann meinte sie dann barsch „What can I do for you“ (Was kann ich für Sie tun?) Ich wollte nicht direkt „Nichts“ sagen und da draußen etwas von „Golden Mountain Travel“ oder so dran stand, fragte ich sie halt, was der Golden Mountain sei. Ihre Antwort war … naja, rudimentär halt: „It is outside“ (Er ist draußen). Als wir ihr dann gegenüber saßen uns nichts weiter sagten, fragte sie noch einmal „What can I do for you?“ Dir meinte dann „Nothing, I guess“ (Nichts vermute ich) worauf sie nur, unfreundlich wie die ganze Zeit, sagte „Good bye to you!“ (Auf Wiedersehen). Irgendwie schien sie ihr eigenes Drückerprinzip nicht ganz verstanden zu haben… Lachend gingen wir also nach drei Minuten wieder aus dem Reisebüro und kletterten ins TukTuk.

Der Fahrer fuhr dann genau zu dem „Golden Mountain“, nach dem ich zuvor die Smartphone-Drückerin gefragt hatte. Der Golden Mountain ist eine künstliche Erhebung – oder besser: ein Bauwerk – mitten in Bangkok, mit einer goldenen Spitze, Chedi genannt. Man kann ein paar Treppenstufen hochgehen und hat von oben einen guten Rundblick über diese riesige Stadt.

Bangkok

In alle Richtungen zieht sich das Häusermeer. In der Ferne lassen sich die Hochhäuser von Downtown ausmachen. Die Grenzen der Stadt sind nicht zu sehen, sie verschwinden im allgegenwärtigen Smog. Wenn man die Metropole so von oben sieht, beginnt man, über sie nachzudenken. Bangkok ist nicht schön. Aber hat – zumindest auf mich – trotzdem eine gewisse Anziehungskraft. Vielleicht liegt es an der Größe. Obwohl Lima ähnlich riesig war und so gar keine Affinität ausgelöst hat. Über die Dächer blickend, dachte ich, man kann an so vielen verschiedenen Stellen in diesen Wust auf Beton und Stein eintauchen und immer wieder etwas anderes sehen. Über andere Märkte laufen, durch verschiedene Gassen wandern, in den Shopping Malls in Downtown Nippes kaufen oder an einem Kanal Fisch abends Fisch essen. Ich glaube, dass ist es, was den Reiz ausmacht – die Vielfältigkeit. Und die ganze Zeit summte eine Stimme in meinem Kopf zu meinen Gedanken „One night in Bangkok“…

Bangkok in der Übersicht

Ich weiß nicht genau, ob die Stadt es als Kompliment auffassen kann – wohl eher nicht. Aber Bangkok eignet sich hervorragend für Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wie von selbst dreht man beim Fotografieren immer wieder den Knopf auf die farblose Einstellung.

Ein Ausschnitt der Stadt

Denn leider gibt dies einen Großteil der Ausstrahlung des Betondschungels wieder (zumindest so, wie ich ihn sehe). Es gibt viele Kleinigkeiten zu sehen und zu erleben. Und das Interessanteste daran sind die Menschen. Aber wenn man die ganzen künstlichen Farben, die Schilder, die Neonröhren, die rosa Taxen, ausblendet, zeigt sich das darunter liegende Bild in den betongrauen Tönen, die meinen Eindruck am besten ausdrücken.

Verkehr

 

Als wir wieder von dem Golden Mountain herunter kamen, war unser Drücker-TukTuk  nichtwiederauffindbar verschwunden…

Wir sind dann noch mit einem ganz normalen TukTuk, ohne irgendwelche Drückerambitionen, nach Chinatown gefahren und haben uns dort umgesehen. Naja – es sah halt alles etwas chinesischer aus. Mehr Lampions, chinesische Schriftzeichen, statt thailändischer Schrift und noch mehr Chaos. Eigentlich wollten wir dort etwas essen, aber wir waren nicht in der Lage, einen Laden zu finden, dem wir dazu genügend vertraut hätten. So haben wir uns dann noch über einen Markt mit teilweise sehr interessanten Auslagen gedrängelt (NEIN! Ich habe nicht eingekauft) und sind dann zurück ins Hostel gefahren.

Marktangebote

 

Dekadenz

Am nächsten Tag waren wir dann fest entschlossen, den Palast zu besuchen und uns nicht wieder von irgendwelchen organisierten Kriminellen ablenken zu lassen. Also sind wir in ein stinknormales Taxi gestiegen und haben uns vor dem Palast absetzen lassen. Nachdem ich mir noch eine lange Hose von ganz hervorragend, modischen Sack-Schnitt ausleihen musste, durfte ich dann auch rein.

Einmal durch das Tor im Innenbereich des königlichen Wohnsitzes, quoll mir eine Wolke von Reichtum und Dekadenz entgegen. Der ganze – aber wirklich der ganze – Palast war vergoldet und mit Marmor, Fliesen, Halbedelsteinen, Verzierungen, Statuen, … Prunk und Protz übersäht.

Dekadenz im Königspalast

Und mit mindestens ebenso vielen Touristen, wie Edelsteinen… Aber da wir ja nun auch (leider) dazu gehören, konnte ich mich nicht wirklich beschweren.

Palastdächer

Gold und Edelsteine überall

 

Endlich liegen

Nach dem Glitzer-Palast sind wir noch in den nahe gelegenen Tempel Wat Pho gelaufen, bekannt durch die 46 Meter lange und 15 Meter hohe Statue des liegenden Buddhas.

Der liegende Buddha von Wat Pho

Auch wenn mich der Tempel nicht so wahnsinnig beeindruckt hat, ist er doch einen Besuch wert, wenn man in Bangkok ist.

Chedis von Wat Pho

 

Insgesamt war Bangkok interessant und ich könnte mir vorstellen, dass man bestimmt auch eine Woche in seinem Gewühl verbringen kann, ohne sich großartig zu langweilen. Aber danach würde es dann auch definitiv reichen!

 

 

Das war Australien …

Nach dem Surfen sind wir wieder nach Sydney geflogen. Den letzten Tag in Australien habe ich noch am Bondi Beach verbracht und den Abend mit einem Glas Rotwein und Ausblick auf die Harbour Bridge in dem Cafe vor der Oper ausklingen lassen.

Dabei wurde mir bewusst, dass dies der erste Ort meiner ganzen Reise ist, den ich mit Bedauern verlassen würde. Bisher gab es viele wirklich schöne Orte und Plätze. Aber immer habe ich mich auch gefreut, weiter zu ziehen, etwas Neues zu sehen. Diesmal war diese Freude das erste Mal auch ein bisschen mit Wehmut verbunden, dass ich dafür gehen muss.

Australien war schön. Groß! Und sobald man die Küstenstädte verlässt hat man Land und Natur in einer Menge zur Verfügung, die man gar nicht wirklich verarbeiten kann. Aber Australien ist auch sehr europäisch. Geordnete Strukturen, eine funktionierende Wirtschaft und Luxus (wenn man ihn denn will) sind zum Leben sehr schön. Bei so einer Reise allerdings, nimmt das ein wenig die Spannung, das Abenteuer. Und Australien war teuer. Gefühlte Lebenshaltungskosten von ca. 130% der deutschen. Insbesondere Lebensmittel waren verdammt kostspielig. Und über um die 15 Euro für ein Six-Pack Bier aus 0,3L-Flaschen will ich lieber gar nicht mehr reden…

So gefiel mir Australien insgesamt schon sehr und ich will mir auch definitiv noch andere Abschnitte dieses schon fast lächerlich großen Landes ansehen. Aber die Wehmut bezog sich definitiv auf Sydney. Die Stadt hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Diese Mischung aus Nonchalance, Eleganz, Schönheit und Strandgefühl ist … einfach meins. Das Lebensgefühl, nach dem ich immer gesucht habe. Wenn ich vor zwei Monaten geschrieben habe, ich liebe die Anden, dann muss ich das auch von dieser Stadt sagen.

Und jetzt muss ich mich beherrschen, nicht ins Schwärmen zu verfallen…

 

Kristallklar

So kann man das Wasser bei Byron Bay am besten beschreiben.

Nach unserer Schnorchelei sind wir, wie gesagt, wieder zurück Richtung Brisbane gefahren, um dort den Mietwagen zurückzugeben. Da wir noch zwei Tage Zeit hatten, sind wir zunächst einfach an Brisbane vorbei ins ein paar Kilometer südlicher gelegene Surfers Paradise. Das entpuppte sich als ein Streifen von Hochhaus-Hotels entlang des Strandes und ist damit auch adäquat und ausreichend beschrieben.

Nachdem wir dann am 16. Januar den Wagen abgegeben hatten, haben wir uns stracks in einen Bus gesetzt, der uns zu einem Campingplatz ein paar Kilometer südlich von Byron Bay gebracht hat. Die letzte Australienwoche habe zumindest ich dann surfend in dem kristallklaren Wasser der Bucht direkt vor dem Campingplatz verbracht. Der Surf war, wie für einen Sandstrand üblich, eher mäßig. Aber der Strand an sich war sehr schön. Eine langgezogene Bucht, an deren einem Ende der Ort Byron Bay liegt. Vom Campingplatz aus war es fast eine Stunde zu Fuß am Strand entlang bis dorthin.

Byron Bay

Die Woche war entspannt und schön. Für mich ein guter Abschluss des zweiten Kontinents der gesamten Tour. Leider habe ich von den zwei schönsten Erlebnissen dort keine Fotos. Denn beide fanden auf dem Surfbrett statt.

Ich paddelte gerad liegend gegen die Wellen wieder ins Line-Up (den Bereich, in dem man wartet, bis eine geeignete Welle anrollt), als ich auf einmal glaubte eine Finne gesehen zu haben. Nun denkt man als Surfer ziemlich häufig, man hätte irgendwas gesehen. Aber diesmal war es deutlicher. Und als ich noch einmal suchend hingesehen habe, war die Rückenflosse ganz deutlich zu erkennen…

Ich hatte schon angefangen möglichst ruhig wieder in Richtung Strand zu paddeln, als mir einfiel, dass ich vielleicht die anderen Surfer warnen sollte. Als ich auf einen zuhielt und rief „What’s that?“ („Was ist das“), während ich in die finnige Richtung zeigte, antwortete er mir „Dolphins“! Ich vergewisserte mich noch einmal, ob er sich seiner Sache sicher sei und als er meinte, das sei er, wurde ich auch wieder ruhiger.

Stattdessen vergaß ich für ein paar Momente das Surfen, als ich zwei der großen Tiere, nur ein paar Meter entfernt, beim Luftholen beobachtete. Und als man sie dann durch das klare Wasser sehen konnte, wie sie (statt mir) in der nächsten kommenden Welle surften, war mein Tag gemacht. Ich war begeistert.

 

Am nächsten Tag paddelte ich mal wieder im Line-Up hin und her, um den besten Punkt für die nächste Welle anzusteuern. Ich war ganz alleine im Wasser – etwas, was man als Surfer auch nicht oft hat und es entsprechend genießt. Im Einklang mit mir, dem Meer und meinem Sport war ich sowieso schon richtig guter Stimmung. Als ich auf einmal ein Platschen hörte. Es dauerte einen Moment, bis ich realisiert hatte, dass ich davor auch gesehen habe, was dieses Platschen verursacht hatte: ein bestimmt einen Meter breiter Rochen war einmal komplett aus dem Wasser gesprungen, wie man es sonst eher von Delfinen kennt. Ich konnte richtig sehen, dass er oben dunkel und unten hell war. Das Platschen war der Moment, als er wieder ins Wasser eintauchte. Diesmal war ich nicht nur begeistert, sondern auch sprachlos. Das toppte sogar noch die Delfine vom Vortag. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, davor schon einmal einen Rochen in seiner natürlichen Umgebung gesehen zu haben. Und schon gar nicht fliegend! Ich wusste nicht mal, dass die so etwas können.

Ich kann nur wiedergeben, was ich danach gedacht habe: der Hammer!!

 

Sonnenaufgang bei Byron Bay

Taucherbrillen …

… sind eine wunderschöne Erfindung. Denn damit kann man schnorcheln gehen. Und wenn man gerade zufällig in Australien sein sollte, dann kann man das sogar am Great Barrier Reef tun!

 

Als wir am 9. Januar auf Frazer Island waren, haben wir auf dem Rückweg über den Inselhighway (den Strand) zur Fähre eine dicke, weißliche Wolke an der Südspitze der Insel aufsteigen gesehen. Frazer Island brannte! So wie eine ganze Menge andere Gebiete Australiens zu diesem Zeitpunkt. Mittlerweile sind die Feuer vermutlich von den heftigen Regenfällen gelöscht worden. Dafür stehen jetzt Uferpromenaden, über die wir noch vor 3 Wochen gelaufen sind metertief unter Wasser. Zu unserem Glück gab es allerdings keine Buschfeuer entlang der Strecke nach Town of 1770 und deren Zwillingsstadt Agnes Waters. Zu diesen Städten, von denen aus man nicht viel anderes machen kann, als Touren zu den südlichsten Ausläufern und Inseln des Great Barrier Reefs zu unternehmen, hat uns auch unsere Fahrt geführt. Die beiden, direkt nebeneinander liegenden Städtchen, waren der Umkehrpunkt der Tour von Brisbane aus. Von dort sind wir wieder zurück Richtung Süden gefahren.

Aber zuvor haben wir noch eine der eben erwähnten Touren mitgemacht. Für ungefähr 150 Euro sind wir morgens mit einem Boot, zusammen mit ca. 98 anderen Touristen, von Town of 1770 aus zum Lady Musgrave Island gefahren. Mit Hilfe einer ziemlich alten Packung von Superpep Forte Reisekaugummis, ist es mir sogar gelungen „nur“ etwas weiß im Gesicht dort anzukommen, ohne die sogenannten Just-In-Case-Bags (Nur-für-den-Fall-Tüten) benutzen zu müssen…

Lady Musgrave Island ist eine winzige Koralleninsel, die Teil eines kleinen Atolls ist. Um die Insel einmal zu Fuß zu umrunden braucht es nur etwa 10-15 Minuten. Sobald der Motorkatamaran in das Atoll eingelaufen war, hörte jegliche Schaukelei schlagartig auf. Es gab in fest installiertes Ponton, auf dem Tische und Bänke waren, sowie bestimmt 200 Schnorchelausrüstungen bereit lagen. Und das war aus organisatorischer Sicht auch das, was den ganzen Trip echt gut gemacht hat: es ging sofort los und man war völlig frei in der Einteilung der 5-6 Stunden, die wir dort zugebracht haben. Zunächst sind wir natürlich ins Wasser. Später am Mittag, gab es noch eine kleine Führung über die Insel mit ein paar Hintergrundinformationen zur ziemlich reichhaltigen Vogelwelt dort. Dann ging es irgendwann am späten Nachmittag – dank eines Kaikoura-Crackers (einer Seekrankheits-Tablette, die ich schon beim Delfinschwimmen erfolgreich benutzt habe – relativ entspannt wieder zurück.

 

Aber wie gesagt – zunächst war die Unterwasserwelt dran. Ich hab ein wenig geflucht zu Beginn, da die Taucherbrillen natürlich nicht perfekt gepasst haben und ich immer etwas Wasser drin hatte. Aber nachdem ich dann die 50 Meter von der Einstiegsstelle bis zum Riff geschwommen bin, war das auch irgendwie unwichtig.

Ein winziger Teil des Great Barrier Reefs

Es war zwar nur ein minimaler Ausschnitt, des insgesamt fast 2.300 km langen Riffs – und so hatte man auch nicht so richtig das Gefühl, jetzt das seit 1981 weltberühmte UNESCO Weltnaturerbe erforscht zu haben – aber es war schön. Und zwar richtig schön! Am Morgen herrschte noch Flut. Und so konnte man mit ganz leichten Flossenschlägen, die Hände entspannt auf dem Rücken verschränkt, einen knappen Meter über dem Riff dahin schweben. Unter einem malte die Sonne durch die Wasseroberfläche Reflexe aus Licht und Schatten auf dunkle Seegurken, lila Seesterne, braune Korallen, Anemonen, oder Muscheln, in einer Größe, Form und Farbe, dass man fast erwartet, sie würden sich gleich öffnen und Arielle würde darin sitzen. Man konnte sogar an den Häärchen an den „Lippen“ erkennen, wie diese Muscheln, die teilweise so groß wie zwei nebeneinander liegende Hände waren, das Meerwasser eingesaugt und ausgestoßen haben. Dazwischen schwammen die Rifffische in allen Arten und Farben umher, die man sich so vorstellen kann.

Bewohner des Riffs

Wenn man lange genug über und um den Korallenblock geschnorchelt ist, hat man immer wieder neue Dinge entdeckt. Fische, die sich zwischen den Korallen verstecken; andere, die die Korallen fressen; kleine Fische, die an großen Fischen knabbern; ganze Schwärme, die auseinanderstieben, wenn man hindurchgeschwommen ist; …

Wirklich und einfach schön!

 

Später sind wir dann auch kurz vom Ponton auf die Insel übergesetzt – immer in Gruppen von ca. 15 Personen – und mit einer orts- und vor allem sachkundigen Führerin einmal durch den dortigen Wald spaziert. Dabei hat sie uns erzählt, dass die ganze Insel aus Korallen besteht und in ihrer ursprünglichen Form unbewaldet war. Erst Zugvögel haben mit ihrem Dung die Samen auf die kleine Insel gebracht.

Lady Musgrave Island

Und praktischerweise gleich den Nährboden dazu. Den ohne die abertausende von Vögeln, die pro Jahr auf der Insel nisten und ihren Dung verteilen, könnten die Pisonien, die den Hauptbewuchs der Insel ausmachen, nicht überleben. Heute ist die Insel bis auf den Strand komplett bewaldet und dauerhaft nur von Vögeln bevölkert.

Typischer Bewohner der Koralleninsel

Der Strand der Lady

Wenn man darüber wandert zwitschert es unaufhörlich und in einer Lautstärke, dass man Gefahr läuft, bei einem längeren Aufenthalt einen Tinnitus zu entwickeln. Insgesamt sieht die Insel genau so aus, wie man sich eine Südpazifikinsel vorstellt: weißer Strand, in der Mitte Bäume, viele Vögel, Einsamkeit. Leider habe ich kein Foto der Lady Musgrave Insel, aber die Nachbarinseln sehen ziemlich genauso aus.

Inselidylle

Und ehrlich gesagt, sah es dort überall so aus. Der Blick sowohl ins Wasser auf das Riff als auch rund herum war so schön, dass es schon richtig kitschig war. Aber manchmal ist eben auch Kitsch eine tolle Sache…

Kitschig-schöne Aussicht