Nichts verpasst!

Als wir in dem Jeep zur Höhle gefahren sind und dabei eine gute halbe Stunde durch den Phong Nha Ke Bang Nationalpark kurvten, hab ich das erste Mal gedacht „SO habe ich mir Vietnam vorgestellt“. Und da ich unbedingt mehr davon sehen wollte, hab ich dann am darauf folgenden Tag (Freitag, der 15.2.) direkt noch eine Tour gebucht. Diesmal durch den Nationalpark.

Mit zwei vollen Minivans und dem Jeep, waren es auch deutlich mehr Teilnehmer. Aber da alle relativ jung und locker waren und auch die Guides das Ganze eher entspannt angingen, war es zum Glück keine gefühlt pauschaltouristische Tour (wenn ich schon einer bin, will ich mich wenigstens nicht fühlen wie ein Tourist). Los ging es wieder vom gleichen Hostel, wie am Vortag, wo mir diesmal dieses tolle Schild am Eingang auffiel. Auf Nachfrage sagte man mir, ja – das sei tatsächlich kein Scherz, sondern schon vorgekommen.

Warnung

 

Dann ging es zunächst mal vorbei an Reisfeldern, die teilweise noch von kreisrunden, mit Wasser gefüllten Bombenkratern durchsetzt waren. Auch heute sollte man noch sehr vorsichtig sein, wenn man abseits der Wege läuft. Und schon einmal gar nicht sollte man auf die Idee kommen, in solche (trockenen) Krater zu klettern. Es liegen immer noch an vielen Stellen scharfe Granaten oder Tretminen. Überbleibsel aus dem Vietnamkrieg.

Die Landwirtschaft wird hier noch so betrieben, wie man es in Deutschland fast nur noch aus Erzählungen kennt. Gesät und geerntet wird vollständig von Hand. Um den Boden umzuwühlen wird ein Pflug hinter einen Ochsen gespannt. Es ist mit Sicherheit ein anstrengendes Leben, aber es gibt einen harmonischen Eindruck. Und irgendwie würden landwirtschaftliche Maschinen auch völlig fehl am Platze wirken in dieser Umgebung.

Landwirtschaft

Hinter den Reisfeldern erhoben sich schon die vom Tropendschungel bewachsenen Berge des Nationalparks. Unsere Fahrt führte kreuz und quer hindurch. Dabei hatten die Guides sich Stellen für die Stopps ausgesucht, die meist einen guten Ausblick boten und gleichzeitig völlig Abseits vom „normalen“ Tourismus waren. Wobei man sagen muss, dass der Tourismus sich hier sehr auf zwei bis drei, zum Teil erschlossene, Höhlen konzentriert – z.B. eben die Paradieshöhle.

Weite

Das Meiste, was man uns erzählte, bezog sich auf Ho Chi Minh, den Vietnamkrieg oder ganz allgemein auf die Geschichte Vietnams. Es war interessant, allerdings hätte ich mir ab und an auch mal ein wenig zu der wirklich Wahnsinns-Natur um uns herum gewünscht.

Schmetterling

 

Der erste eventmäßige Halt war die Besichtigung des Paradise-Caves. Da Carrie (die Amerikanerin) und ich die Höhle ja schon am Tag vorher gesehen hatten, haben wir zusammen mit den Guides draußen gewartet und schon mal entspannt unser Mittagessen zu uns genommen. Danach ging es wieder durch die steilen Berge und Täler.

Vor – wenn ich mich recht erinnere – zwei Jahren gab es ein ziemliche Unwetter in der Gegend, bei dem Unmengen an Regen in kürzester Zeit gefallen sind. Dabei sind viele Täler wie Badewannen vollgelaufen. Soweit, dass die Straße, auf der wir fuhren, und die sich bestimmt 100 Meter über dem tiefsten Punkt des Tals befand, unter Wasser lag. Die gesamte Vegetation wurde weggespült. Allerdings wächst so ein tropischer Urwald anscheinend verdammt schnell. Die Pflanzen, Ranken, Bäume, Palmen, Farne und wie sie alle heißen (wie gesagt, es gab nicht so viel Info zur Natur …) standen auf jeden so dicht, wie überall im Park.

Typisches Bild im Nationalpark

 

Dann kam ein Stopp an einem, ausgerechnet von „Germans“ angelegten, Ecotrail. Ein kleiner Rundweg, bei dem man versucht hatte, die Natur möglichst nicht zu verändern und möglichst wenig ins Gesamtbild einzugreifen. Man lief z.B. nur über Bambusbrücken und es wurde generell kein Beton verbaut. An einer Stelle flossen zwei Bachläufe zusammen. Das Wasser des Einen kam durch die Berge aus dem nur 50 km entfernten Laos. Wissenschaftler, so habe ich gelernt, haben wohl versucht herauszufinden, von wo genau es kommt. Sie haben in alle möglichen Flüsse und Quellen in Laos Farbmittel und Sonden geschmissen und gewartet, welche sich in Vietnam wieder zeigten. Keine. Man hat bis heute keine genaue Ahnung, woher das Wasser kommt. Der andere Fluss war genau der, was wir am Vortag in der gigantischen Höhle im Paradise-Cave gesehen hatten.

Bach beim Ecotrail

Durch die unterschiedliche Herkunft und die verschiedenen Wege, hatten die beiden Läufe ziemlich unterschiedliche Temperaturen. Das durften wir dann auch direkt testen und sind am Zusammenfluss schwimmen gegangen. Tja – es stimmte. Das Wasser aus dem einen Bach war eher kühl, das aus dem Anderen ziemlich warm.

Bachverlauf

 

Nach der Schwimmeinlage stand noch paddeln und der „Dark Cave“ – die dunkle Höhle – auf dem Programm. Die Schwimmsachen brauchten wir erst gar nicht ausziehen. Vom Bootsanleger aus sind wir in aufblasbare Kanus gestiegen und die vielleicht 200 Meter zum Dark Cave hinüber gepaddelt. Nach unserer Kanutour in Neuseeland konnte ich über diese Einlage allerdings nur grinsen.

Die dunkle Höhle heißt nicht etwa so, weil es keinerlei Beleuchtung oder ähnliches gibt und es tatsächlich dunkel ist, sondern weil der Stein, in dem sie liegt so dunkel ist. In der Höhle selber mussten wir wieder ein kleines Stück schwimmen. Dann in einem Gang, der an den Füßen so eng war, dass man nur einen Fuß vor den anderen setzen konnte, durch verdammt glitschigen Ton stapfen, in den man bis zur Wade eingesunken ist. Dann noch kurz über ein paar Felsen steigen und nochmal schwimmen und wir standen in einer etwas größeren Kammer. Im Vergleich zu der Wanderung am Vortag war das natürlich ein Witz und dauerte auch nur 20 Minuten hin und 20 zurück.

Anleger beim Dark Cave

Aber es war trotzdem nett. Als wir zurück an den Bussen waren gab es erst einmal wahlweise vietnamesischen Rum oder Suppe zum Aufwärmen. Das Wasser in der Höhle war tatsächlich richtig kalt.

Zulauf zum Dark Cave

 

Nach dem Dark Cave ging es dann zurück zum Ausgangspunkt, dem Phong Nha Ke Bang Farmstay. Unterwegs haben wir noch auf einer Brücke gehalten, von der aus man sehr schön die Abendstimmung aufnehmen und einfangen konnte.

 

Insgesamt war der Tag nicht so eindrucksvoll, wie die Höhlenwanderung, aber ich bin froh, die Tour mitgemacht zu haben. Sonst hätte ich das Gefühl gehabt, etwas von der großartigen Natur verpasst zu haben. Und jetzt im Nachhinein weiß ich: das hätte ich auch.

Abendstimmung

 

 

Willkommen im Paradies

Angekommen in unserem ziemlich ruhigen Hotel im noch viel ruhigeren Dong Hoi am Rande des Phong Na Ke Bang Nationalparks, war unser erster Auftrag, am Abend noch etwas zu Essen aufzutreiben. Die Bahn fuhr zwar schon wieder – schließlich hatte sie uns ja hierher gebracht – aber der Rest des Ortes feierte noch Tet. Nachdem wir bestimmt eine Stunde durch den Ort gelaufen waren und es gerade eben geschafft hatten, zwei Flaschen Wasser und ein paar Kekse zu ergattern, stellten wir bei der Rückkehr in unser Hotel fest, das genau jenes wohl der einzige Ort in der Stadt war, wo es noch etwas zu Essen gab…

So konnten wir dann doch noch mit vollem Magen ins Bett gehen und am nächsten Morgen, zwar müde, aber nicht verhungernd, um sechs wieder aufstehen, da uns um 06:30 der Fahrer zum Phong Na Ke Bang Farmstay abholen sollte. Typisch für Asien, kam er dann so gegen 07:30.

Bei dem Hostel, das auch die Tour für diesen uns den nächsten Tag anbot, angekommen sagte man uns nur, wir sollten in den Jeep springen und es ging los. Stilecht, mit offenem Dach, auf einer Rückbank ohne Lehne, den Wind im Gesicht in einem uralten amerikanischen Militärjeep, der vermutlich noch aus Zeiten des Vietnamkrieges stammte. Sogar die riesige Funkantenne war noch daran. Allerdings war so ziemlich alles, außer dem Motor, nicht mehr funktionstüchtig.

Fahrt im Jeep

Mit diesem coolen Vehikel fuhren wir dann zum Paradise-Cave, wo ein vietnamesischer Führer und ein Mittagessen-Träger auf uns warteten. Wir, das waren eine Amerikanerin, Dirk und ich, wollten eine Wanderung durch die Höhle, abseits des für Touristen erschlossenen Bereichs, machen.

Bevor es losging, sollten wir uns dann noch, für uns etwas überraschend, umziehen. Wir bekamen tolle, zu kurze Klamotten in grünen Tarnfarben gestellt und – sofern man Füße kleiner als Schuhgröße 42 hatte – ein paar, ebenfalls grüne, Leinenschuhe. Dazu natürlich eine Stirnlampe. Außerdem sagte man uns, wir sollten am besten nichts außer der Kamera mitnehmen. So ausgerüstet ging es dann los.

Wundervolle Klamotten

Zunächst liefen wir wie alle anderen Touristen auch durch den erschlossenen, beleuchteten Teil der Höhle. Vermutlich hat uns mehr als einer für wahlweise für ein paar durchgeknallte Militärfreaks oder einen Junggesellenabschied gehalten, wie wir da alle in den gleichen Sachen rumliefen.

Der Eingang der Höhle ist relativ klein. So ist zu erklären, dass dieses insgesamt 31 km lange Höhlensystem erst 2005 von einem Einheimischen entdeckt und erst weitere 5 Jahre später von britischen Höhlenforschern bekannt gemacht wurde. Wenn man durch ihn die Treppe abwärts in die Höhle hinabsteigt, befindet man sich in einer ziemlich großen Kammer mit einer Unmenge von Stalagmiten und Stalaktiten. Das Ganze ist schön, weil noch einigermaßen dezent, ausgeleuchtet. Ein Holzsteg verläuft etwa einen Kilometer weit und ermöglicht die Besichtigung des touristisch erschlossenen Teils. Nachdem wir mit ziemlich vielen Einheimischen, die die Tet-Feiertage zur Besichtigung nutzten am Ende des Stegs angekommen waren, hatten wir allerdings das Privileg, nicht einfach umdrehen zu müssen, sondern vom Steg herunter zu klettern und tiefer in die Höhle vordringen zu dürfen.

Beleuchteter Teil

Schon nach der ersten Biegung mussten wir die Stirnlampen anmachen. Nach etwa 200 Metern wurde es richtig dunkel. Noch einmal 100 Meter mehr und man hörte und sah einfach nichts mehr. Und damit begann das Abenteuer. Die einigen „touristischen Anzeichen“ waren kurze, rot angemalte Stöckchen im Boden, damit man sich nicht verlief. Aber es gab tatsächlich keinerlei Stege, Geländer, Beleuchtung oder sonst irgendetwas, was den Expeditionscharakter verdorben hätte.

Wir sind an riesigen sogenannten Vorhängen – Steinstrukturen, die wie ein Vorhang von der Decke hängen – vorbeigekommen, die ein tiefes, befriedigendes „Bong“ von sich gaben, wenn man mit dem Knöchel dagegen klopfte. Wir mussten über große Steine klettern, aufpassen, dass wir nicht im Lehm oder Schlamm ausrutschten, bergan und bergab wandern. An einer Stelle mussten wir uns durch einen wahren Wald aus zusammengewachsenen Stalagmiten und Stalaktiten winden.

Die gesamte Höhle ist nicht nur in ihrer Länge groß. Wirklich bücken mussten wir uns nur zwei oder drei Mal. Und selbst dabei war es nicht eng, weil die Stellen dafür sehr breit waren. Dafür sind wir durch unglaublich große Kammern gewandert, deren Ausmaße man auf einem Foto erst erahnen kann, wenn man einen Bezugspunkt hat.

Höhlenkammer

Teilweise reichten die Strahler der Stirnlampen zwar noch bis zur Decke, aber wirklich zu erkennen war dort oben in 50 oder mehr Metern Entfernung schon kaum noch etwas.

Es gab die bizarrsten Gesteinsformationen, die zwar alle auch irgendwelche Namen haben, aber deren umfängliche Beschreibung hier einfach zu lang dauern würde. Teilweise blinkten die Formationen durch die eingeschlossenen Kristalle und Erze, teilweise waren sie fast schwarz. Manche der Stalagmiten sahen weich und fast organisch aus (waren aber natürlich weder das eine noch das andere) und fühlten sich glatt und nass an. An anderen konnte man sich ohne weiteres die Haut aufschneiden.

Stalagmiten – haben wir gelernt – wachsen etwa drei Millimeter im Jahr. Man kann kaum vorstellen, wie lange es gedauert hat, bis sich die manchmal absurd großen Felsnadeln gebildet haben.

Stalagmiten

Wir waren gute sechs Stunden unter der Erde und sind dabei etwa 3,5 km tief in die Paradieshöhle eingedrungen. Haben also gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel gesehen. Irgendwann während dieser Wanderung hieß es auf einmal „ausziehen“. Wir mussten schwimmen. Einen trockenen Weg gab es nicht, um weiter zu kommen. Also haben wir uns alle bis auf die Unterwäsche und die Schuhe (unter Wasser waren leider nicht die runden, organischen, sondern die spitzen, scharfkantigen Steine) ausgezogen – ein wunderbarer Anblick, nur mit Unterhose und Wanderschuhen bekleidet zu sein –, haben uns die in der Dunkelheit bereitliegenden Schwimmwesten angezogen, unsere Sachen in einen wasserdichten Sack gepackt und sind etwa 100 m durch ziemlich kühles Wasser gewatet und geschwommen. Als wir auf dem Rückweg die gleiche Stelle passiert haben, konnte ich mich nicht beherrschen und habe mal vorgeschlagen doch einmal alle Lampen zu löschen. Jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, warum man das innere einer Höhle als ewige Nacht beschreibt. Man sieht einfach nichts mehr. Es gibt nicht die kleinste Lichtquelle, an die sich die Augen gewöhnen könnten. Absolute Dunkelheit! Und absolute Stille!

Aus dem Wasser gestiegen, haben wir uns wieder angezogen und es ging weiter durch Kammern, über Pfützen, Steine, vorbei an Felsblöcken und Tropfsteinformationen. Bis irgendwann unser Guide meinte, wir sollten ruhig sein und horchen… Rauschen. Ein unterirdischer Fluss.

Ein bisschen weiter konnte man dann auch einen ganz schwachen Lichtschein ausmachen. Noch näher dran wurde klar, dass es irgendwo einen zweiten Ausgang geben muss, durch den die Sonne scheint. Aber unser Guide hatte doch gesagt, das gesamte Höhlensystem habe nur den einen Eingang. Darauf angesprochen meinte er nur, das sei ja auch kein Ein- oder Ausgang.

Als wir die Lichtquelle sehen konnten, wussten wir auch warum. Wir standen auf halber Höhe einer riesigen Kammer. Bestimmt 100 Meter hoch und 150 Meter breit. Am Boden der Kammer floss der, das Rauschen verursachende, Fluss. Und oben an der Decke, am höchsten Punkt, war ein gut 10 Meter durchmessendes Loch, durch welches das Sonnenlicht einfiel. Bewachsen mit Farnen und herabhängenden Tropfsteinen und so weit oben war dies allenfalls ein Eingang für Adrenalinsüchtige (ich habe natürlich direkt daran gedacht, sich dadurch abzuseilen). Als Ausgang taugte die Öffnung aber nun wirklich nicht.

Lunchtime-Kammer

Ein steter Strom von Wassertropfen fiel von oben hinab auf die großen Felsblöcke, die überall auf dem Boden verstreut herum lagen. Als ich mal versucht habe, den Flug eines Tropfens zu verfolgen kam ich auf gute fünf Sekunden, die das Wasser von oben bis unten brauchte.

In dieser wahrhaft beeindruckenden Umgebung gab es dann unser Mittagessen. Danach machten wir uns auf den gleichen Weg zurück. Das Licht nahm hinter uns immer weiter ab und bald standen wir wieder in völliger Dunkelheit und Stille. Wieder ausziehen, schwimmen, anziehen, durch den Stalagmiten-Wald, die Abhänge hinauf und hinab, über die Felsen klettern, die Strukturen bewundern. Wenn man neben einem Stalagmiten steht, den Blick nach oben wandern lässt und den Kopf in den Nacken legen muss, um das obere Ende sehen zu können, ist das tatsächlich eine große Erfahrung. Man kommt sich wirklich vor wie ein Höhlenforscher.

Höhlenforscher

 

Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich in einer Höhle war und auch Tropfsteinhöhlen habe ich schon ein paar gesehen. Aber bisher immer nur den Touristen-Teil. Ich bin noch nie nur mit einer kleinen Lampe durch ein solches, gigantisches System gewandert. Beeindruckend – ein passenderes Wort fällt mir nicht ein. Und ich kann nur jedem, der Vietnam besucht, raten, eine solche Wanderung mitzumachen. Im Phong Nha Ke Bang Nationalpark gibt es neben dem Paradise Cave noch ein paar andere, ebenso gigantische Höhlen. Bei meinem nächsten Besuch muss ich definitiv ein oder zwei weitere davon erkunden.

 

 

 

 

My Tho und Tet in Hoi An

Eigentlich wollten wir in My Tho die durch die Stadt führenden Kanäle bestaunen. Aber anscheinend hatte der Lonely Planet mal wieder maßlos übertrieben. Wir haben zumindest keine hübschen, kleinen Kanäle gesehen. Dafür haben wir eine Tour gemacht, bei der man uns zunächst eine Bienenfarm zeigte (eine Holzkiste mit ein paar Waben auf einem Plastikschemel musste da stellvertretend herhalten), wir etwas Obst zu essen bekamen, auf einer Touristeninsel mit einer Menge Restaurants hielten und – das einzig annähernd erwähnenswerte – eine Krokodilfarm besucht haben. Wobei ein paar Krokodile in einem Gehege mit Wasser auch nicht so wahnsinnig interessant waren.

Krokodilfarm

Grinsende Echse

Und damit ist unser Besuch in My Tho auch schon ausreichend beschrieben. Oder zusammengefasst: nicht der Rede wert.

 

Da am 10. Februar das vietnamesische Neujahr „Tet“ gefeiert wurde, sind wir am Samstag den 9. noch von Saigon – oder Ho Chi Minh City, wie die Stadt seit Vietnams Wiedervereinigung 1976 heißt – nach Hoi An in der Nord-Süd-Mitte des Landes geflogen. In der ehemaligen Hafenstadt, die heute den Charme eines französischen Mittelmeerdorfes hat, haben wir die Feiertage verbracht und darauf gewartet, dass Busse und Züge wieder fahren.

Hoi An 1

Wobei das Städtchen sowieso auf der Besuchsliste stand.  Insofern passe es ganz gut. Hoi An ist ziemlich entspannt und macht einen, für Vietnam, erstaunlich ordentlichen Eindruck. Es gibt eine Unmenge an guten Restaurants und Bars. Man sieht, dass es eine der reichsten Städte des Landes ist.

Hoi An 2

Etwa 20 Fahrradminuten entfernt liegt der Strand am Südchinesischen Meer. Wobei der Strand aussieht, wie vermutlich alle Strände der Welt – Sans, ein paar Liegen und Cafés und natürlich das Meer. Einzig erstaunlich war der offenkundige Brauch der Vietnamesen mit kompletter Bekleidung baden zu gehen…

Rückfahrt vom Strand

Die Tage vergingen ziemlich entspannt und unaufgeregt. Aufstehen, frühstücken, Kaffee trinken, essen, relaxen, … Es war fast wie Urlaub. Am Mittwoch den 13. Februar hatten wir dann genug Urlaub und sind in einen nicht gerade hübschen Nachtzug nach Norden gestiegen, der uns bis zum Phong Nha Ke Bang Nationalpark gebracht hat.

Cafe mit Ausblick

 

 

Auf dem Wochenmarkt

Vor dem Hotel in Can Tho stand schon Abends ein ziemlich aufdringlicher Mensch, der jedes Mal, wenn wir das Hotel betraten oder verließen, versuchte, uns eine Tour am nächsten Tag zu verkaufen. Zunächst mit der Masche, wie viel wir doch zu sähen bekämen für das wenige Geld. Die Märkte, eine Fischfarm, eine Bienenfarm, und und und. Ganze sieben Stunden sollte die Tour gehen. Als er irgendwann spitz gekriegt hat, dass Dirk und ich gar keine Lust auf eine siebenstündige Tour hatten, hat er auf einmal versucht uns die halbe Tour zu verkaufen. Wir haben dann jedes Mal gesagt „maybe later“ (vielleicht später) und sind einfach weiter gegangen.

Am Ende haben wir am nächsten Dienstagmorgen dann das getan, wozu auch die Backpackerbibel Lonely Planet rät: wir sind einfach morgens um sieben zur Ho Chi Minh Statue gegangen und brauchten gar nicht wirklich zu suchen, um eine der Frauen zu finden, welche die Touristen mit dem Boot rausfahren. Sie fand uns …

Nachdem wir dann – natürlich mit dem einzigen anwesenden Mann – den Preis verhandelt hatten sind wir der Frau hinterher, die sich übrigens mit den Worten beschrieben hatte „I am boat“ (Ich bin das Boot), als wir fragten, mit welchem Boot wir denn fahren würden.

Da wir zwischen einem recht großen Boot mit 10-15 Sitzplätzen und einer kleinen Schatulle, in der wir auf einer einfachen Planke hocken mussten, wählen konnten, haben wir natürlich die Schatulle gewählt. Was eindeutig die bessere Wahl war!

So war das ganze Erlebnis fast gar nicht touristisch, sondern man hatte das Gefühl, die Menschen wirklich aus der Nähe zu erleben. Das kleine Boot, welches übrigens langsam aber sicher ein wenig voll Wasser lief – aber dafür gab es ja eine kleine Lenzpumpe in Form eines ca. fünfjährigen Mädchens an Bord – war dabei der eine Faktor. Es hatte aber, wie wir nach etwa einer Stunde Anfahrt gelernt haben, auch den Vorteil, dass man damit wirklich mitten durch den Markt rudern konnte. Die großen Boote, von denen auch einige dort waren, konnten nur außen herum fahren.

Der schwimmende Markt

Und der Markt war auch tatsächlich ein Markt. Keine nur noch für Touristen aufrecht erhaltene Tradition. Eigentlich gar nicht so unähnlich unseren Wochenmärkten. Wobei dort fast ausschließlich Lebensmittel verkauft wurden. Und das teilweise in nicht geringen Mengen.

Ananas

Obst und Gemüse

Da standen dann fünf Leute auf zwei oder drei Booten in einer Kette und haben sich eine Melone nach der anderen zugeworfen. Zwischendurch wurde verhandelt, es schipperten kleine und größere Schiffe hin und her, Motoren tuckerten, es wurde gerufen, geredet, gestikuliert. Ein buntes Treiben im wahrsten Sinne des Wortes.

Verhandlungen

Und es war ein schöner Einblick in das Leben der Menschen hier. Es wirkte freundlich und vor allem lebendig. Das Interessante waren hier nicht die Boote, die Waren oder der Fluss; es waren die Menschen.

Sich die Übersicht verschaffen

Durst

Was auch noch auffiel, waren die Unmengen an Blumen, die angeboten wurden. Uns wurde erst eine Woche später richtig klar, dass dies dem nahenden vietnamesischen Neujahr „Tet“ zu verdanken war. Nämlich dann, als die allgegenwärtigen Blumen auf den Straßen, in den Parks, in den Hauseingängen, an den Uferpromenaden, … nach den Feierlichkeiten wieder entfernt wurden. Für uns war die erste Woche in Vietnam allerdings voll von Blumen aller Art und in allen Farben.

Blumenverkäuferin

 

Nachdem wir bestimmt eine gute Stunde lang kreuz und quer durch den Markt geschippert sind – und nur nichts gekauft haben, weil wir schlicht und einfach nicht einmal eine ganze Melone brauchten, geschweige denn direkt mal die augenscheinliche Mindestabnahmemenge von einem halben Boot voll – sind wir wieder zurück gefahren und waren gegen Zehn oder halb Elf wieder in der Stadt und haben mit Ausblick auf den Fluss erst einmal gefrühstückt. Der Rest des Tages wurde in aller Ruhe verbracht, bevor wir am Mittwoch weiter nach My Tho gefahren sind.