Namibias Zipfel

Nach der Höhlenexpedition ging es Richtung Nordosten in den Caprivi-Zipfel. Der die meiste Zeit nur 50 km breite Streifen (maximal 150 km) führt von der äußersten Nord-Ost-Ecke des Landes zwischen Angola im Norden und Botswana im Süden nach Osten, bis zum Vierländereck mit Zambia, Zimbabwe und Botswana.

Der ältere, südafrikanische und nicht mehr ganz so latente Rassist, den ich schon mal erwähnt habe, hat mir erzählt, die Deutschen haben den Caprivi-Streifen irgendwann mit den vereinigten Königreichen gegen Sansibar getauscht, da sie eine Verbindung vom Atlantik zum indischen Ozean wollten. Leider habe ich gerade, während ich das schreibe, keine Internetverbindung, um das zu verifizieren. Und meine Geschichtskenntnisse reichen da zugegebenermaßen ebenfalls nicht aus.

Auf jeden Fall zeigt sich Namibia im Caprivi-Streifen von einer ganz anderen Seite. Durch die verschiedenen Flüsse, die hindurch fließen – unter anderem der Okavango – ist die sonst so staubtrockene Landschaft auf einmal geprägt von Bäumen und Grün. Besonders an den Flussufern wachsen das Schilf, das Gras, und die vielen Wasserpflanzen in ungewohnter Vielfalt. Durch das viele verfügbare Wasser ist die ganze Region auch viel dichter besiedelt, als der Rest des Landes. Auf einmal stehen ständig Menschen an der Straße und wollen mitgenommen werden. Ein Dorf aus traditionellen, Lehmhütten mit Grasdächern reiht sich an das nächste. Immer wieder laufen Kühe oder Schafe auf die Straße und Kinder winken mir während ich vorbei fahre. Afrika ist doch nicht so einsam!

Sonnenaufgang über dem Okavango

Ein oder zwei Mal kreuzte auch ein Elefant die Straße vor mir. Nach den letzten vier Wochen, in denen ich meistens nur Steine und Sand in verschiedenen Farben gesehen habe und die einzigen Menschen eigentlich die Mitarbeiter und Besucher der Unterkünfte waren, war es richtig angenehm, mal wieder „Leben“ zu sehen.

Und wie ich es schon am Mekong in Vietnam gesehen habe, wurde auch hier der Fluss vollständig in das normale Leben integriert. Man wäscht sich im Fluss, man spült sein Geschirr darin, man tränkt das Vieh und man fährt Touristen darüber, um ihnen die Landschaft zu zeigen. Ich habe auch eine solche Tour an einem Abend mit gemacht. Außer Landschaft und einem badenden und einem trinkenden Elefanten gab es zwar nichts zu sehen, aber die Landschaft war schön! Irgendwie trocknet man in einer so ariden Gegend wie Namibia auch geistig etwas aus. Und es ist eine Wohltat, wenn man auf einmal so viel Wasser um sich hat.

Wasserlilie

 

 

Die Wildkatze und die Höhle

Samstags ging es dann weiter über den Waterberg bis zur Gästefarm Ghaub – die letzten beiden Stationen bevor ich in den Caprivi-Zipfel fuhr.

Der Waterberg war landschaftlich schön – denke ich…

Aber nach mehr als acht Monaten Reise war ich nicht mehr so richtig in der Lage, dass zu honorieren. Ein Tag von zweien mit Magenproblemen hat das auch nicht erleichtert. Um nicht vor Langeweile auf dem völlig einsamen Campingplatz zu sterben, bin ich am zweiten Tag vor Ort dann etwa 150 km um den Berg herum gefahren, um ein Cheetah Conservatory zu besuchen; eine Geparden-Aufzucht. Die schnellsten Läufer der Welt sind mittlerweile eine ziemlich bedrohte Rasse. Da die lokalen Farmer um ihr Vieh fürchten, wenn sie eine der relativ kleinen Raubkatzen sehen, wird zuerst geschossen und dann gedacht. Wobei es zum großen Teil nicht um fehlendes Nachdenken geht, sondern leider um fehlendes Wissen. Z.B. das Wissen, dass Geparden nur in den seltensten Fällen für das Reißen von Nutzvieh wie Ziegen verantwortlich sind.

Gepardendamen

Eine der Aufgaben, der sich die Non-Profit Organisation stellt, ist die richtigen Informationen zu verbreiten und Projekte, wie z.B. den Schutz der Herden durch die Vermittlung von Wachhunden, statt durch einfache Hütehunde, zu gewährleisten. Die andere Aufgabe ist, die verwaisten Jungen aufzunehmen und großzuziehen, die immer wieder gefunden werden, wenn doch wieder eine Mutter erschossen wurde.

Fütterung

Die Geparden haben mittlerweile das Problem, dass die genetische Vielfalt zu knapp wird und die Jungen oft entsprechende Mutationen in ihrem Erbgut haben. Oder für die nicht-Biochemiker ausgedrückt: es gibt nur noch so wenig Geparden, dass es viel zu Oft zu Inzest kommt, mit den entsprechenden Missbildungen.

Man kann die in der Aufzucht aufgewachsenen Jungen aber leider auch nicht mehr auswildern, da ihnen keiner beibringen kann, wie sie in der Wildnis überleben würden. Im Zweifel würden sie z.B. versuchen einen Elefanten zu reißen – es hat ihnen ja nie jemand gezeigt, welches die richtigen Beutetiere sind. So werden diese Tiere hier nur groß gezogen und helfen dann als „Botschafter“ bei der Information und dem Ziel, die Situation dieser eleganten Wildkatzen zu retten.

So gibt es einige Katzen, die wörtlich mit der Flasche aufgezogen wurden und zutraulich genug sind, um sich z.B. von Besuchern streicheln zu lassen. Mir blieb dieses Vergnügen allerdings vorenthalten.

Entspannung

Für mich war es auf jeden Fall ein netter Besuch und eine gute Art, den Tag nicht mit mieser Laune alleine auf dem Campingplatz zu verbringen

Aufmerksam

 

Nach dem Waterberg ging es dann zur Gästefarm Ghaub. Unterwegs habe ich noch den Hoba-Meteoriten besucht. Der fette, zu über 80% aus Eisen bestehende, Brocken misst ungefähr drei mal drei Meter und ist fast einen Meter dick. Als die 50 Tonnen vor ungefähr 80.000 Jahren in die Weiten Namibias eingeschlagen sind, wird es vermutlich einen ziemlichen Rumms gegeben haben.

In direkter Nachbarschaft des außerirdischen Klumpens liegt die Gästefarm auf einem richtig schönen Stück Land. Highlight des Besuchs ist allerdings die Tropfsteinhöhle auf dem Gelände.

Am nächsten Tag – es war der 8. Mai – bin ich mit Andreas, einem Guide, in die Höhle runter. Nachdem ich ja nun in Vietnam schon eine riesige Höhle gesehen hatte, habe ich meine Erwartungen hier absichtlich eher niedrig gelassen. So wurde ich dann auch deutlich positiv überrascht.

Zu meinem Glück war die Ghaub-Höhle nämlich das komplette Gegenteil des Paradise-Cave in Zentralvietnam. Ghaub war kleiner, eng, niedrig. Wir sind gekrochen, geklettert, haben uns durch Spalten gezwängt und sind Lehmhügel auf dem Hosenboden runtergerutscht. Die ganze Höhle geht richtig in die Tiefe – leider habe ich vergessen, wie weit. Aber auf jeden Fall weit genug, dass die Temperatur merklich ansteigt und die Luft deutlich weniger Sauerstoff enthält. An der tiefsten Stelle, an der wir dann durch einen Tunnel voll Grundwasser unbestimmter Länge hätten tauchen müssen (bisher hat das noch niemand getan), war die Luft so dünn, dass eine Kerze dort nicht mehr brennen kann.

Batmans Sohn

Ich habe Andreas ganz schön n Anspruch genommen. An allen möglichen Stellen fragte er mich, ob er zu schnell sei. Oder ob ich diesen Hügel auch noch hoch klettern wolle oder ähnliches. Ich habe ihn eigentlich immer nur schräg angeguckt und gemeint, was das denn jetzt für eine Frage sei – er sei eher zu langsam und natürlich will ich da auch noch hoch!

Am Ende wurde aus den geplanten ca. drei Stunden eine Tour von gut viereinhalb Stunden. Völlig versaut kam ich aus der Höhle wieder raus. Alles war voll mit Matsch und Lehm. Wieder bei der Farm fragte ich die zwei Frauen, die vorher schon meine andere Wäsche zum Reinigen angenommen hatten, ob sie die Sachen, die ich anhabe auch noch reinigen könnten. Ich würde nur schnell duschen und sie ihnen dann bringen.

Als ich mich umdrehe und Richtung Dusche gehe, höre ich doch, wie die eine hinter mir zu ihrer Kollegin meint „but he looks so nice, muddy….“ – etwa „aber er sieht so nett aus, so versaut“…

Höhlenexpedition

 

 

Erindi!

Am Tag der Arbeit bin ich dann von Swakopmund ins Erindi Game Reserve gefahren. Ein privates Tierreservat nord-östlich der Stadt. Um das direkt vorweg zu schicken: sonderlich beeindruckend war es nicht. Man merkte deutlich, dass es ein privates und kein staatliches Reservat war. Jeder Campingstellplatz hatte eine private Dusche/WC, Herdplatten, Wasserkocher und Kühlschrank. Auch die Gäste hier waren anders – deutlich mehr auf Urlaub als auf Safari aus. Wenn wir im Kgalagadi-oder Etosha-Park um 6 Uhr aufgestanden sind, hatten wir schon das Gefühl spät dran zu sein, weil viele andere schon ihre Sachen packten. Hier bin ich um 7 Uhr aufgestanden und war der erste der Wach war. Und auch der jüngste, der den Rest des Tages über wach war.

Hippos beim Kuscheln

Tiermäßig fing es mit einem Liebespärchen Nilpferde am Wasserloch direkt am Campingplatz schon mal gut an. Es steigerte sich dann noch mit einem relaxenden Krokodil. Und viel dann extrem stark ab, als ich zu meiner ersten Rundfahrt gestartet bin. Eigentlich habe ich in den zwei Tagen kaum Tiere gesehen. Es gab eine Antilopenart, die ich noch nicht kannte (die Wasserböcke) und ein paar weitere Hippos an einem anderen Wasserloch, aber damit erschöpfte es sich dann auch schon.

Wasserbock

Aber da wir so von Glück gesegnet waren, was die Tierwelt angeht, bisher, war ich ziemlich entspannt. Bis mir am zweiten Tag der Reifen platzte und ich eine viertel Stunde auf plattem Reifen zurück ins Camp rollen musste und mir später für ca. 100 EUR einen Neuen kaufen musste. Aber im großen und ganzen war Erindi schon OK.

Abendstimmung

 

Sand!

Nachdem ich meinen Reisekumpel für die letzten 8 Monate am Bus Richtung Windhoek abgesetzt hatte, blieben mir noch 2 Tage in Swakopmund. Einen davon habe ich schlicht und einfach mal Garnichts gemacht und am anderen bin ich zusammen mit einem Guide für etwa 4 Stunden auf einem Quad durch die Dünen der Namib vor der Stadt gedüst. Neben dem Spaß, den es bereitet, im tiefen Sand ausladende Bögen auf die Dünen rauf und wieder runter zu fahren, war das auch endlich mal ein echtes Wüsten-Feeling. Wohin man auch sah – es gab nur Sand.

Namib

Gut – an ein paar Stellen waren flache Ebenen, die etwas steiniger waren und den Wüsteneindruck ein wenig gestört haben. Also eigentlich wurde der Eindruck durch die Verkehrsschilder gestört, die die Zufahrt zu diesen Ebenen verboten. Das waren die einzigen Plätze in der Wüste, die Vögel zum Brüten nutzen konnten.

Wüste und Meer

Am Ende fuhr man dann durch die Wüste wieder auf die Stadt zu, die aus dieser Perspektive ein wenig wie eine (sehr große!) Oase wirkte.

Swakopmund

 

 

Auf Wiedersehen!

Nach unserem Aufenthalt im Etosha-Park ging es mit zwei Zwischenstopps Richtung Swakopmund, der deutschesten Stadt der Welt, an der Westküste des Landes.

Der erste Aufenthalt war bei Twyfelfontein, wo wir zwar dank der großartigen Planung des Reisebüros zwei Nächte hatten, es allerdings außer ein paar Felsmalereien (die Besichtigung hat ca. eine Stunde gedauert) nichts zu sehen gab. Wirklich beeindruckend waren die Zeichnungen jetzt auch nicht, wobei ich auch kein Historiker oder Archäologe bin…

Felsmalereien bei Twyfelfontein

Der zweite Stopp am Brandberg, Namibias höchstem Gebirgsmassiv war kurzweiliger, weil kürzer, aber wiederrum nicht einmal interessant genug, dass ich auch nur ein Foto gemacht hätte.

 

Auf dem Weg nach Swakop, wie die Stadt auch genannt wird, sind wir noch an der Robbenkolonie am Cape Cross vorbei gefahren. Unglaublich, was für einen Lärm so ein paar Hundert Robben verursachen können. Und was für einen GESTANK!

Robben am Cape Cross

Geschrei

 

Swakopmund selber war … deutsch. Die Straßen haben deutsche Namen, man spricht fast überall deutsch und vor allem haben die Deutschen Bewohner hier auch leider häufig noch eine „deutsche“ Sichtweise auf Afrika. Ich habe bis jetzt keinen echten, aggressiven Rassismus mitbekommen. Das Übelste war vor ein paar Tagen ein älterer Südafrikaner mit deutschen Vorfahren, der mir erzählte, ich solle stolz darauf sein, dass meine Vorfahren damals Namibia besetzt haben und dass die Menschen hier sowieso alle Idioten seien.

Was ich allerdings leider bei so ziemlich allen meiner Landsleute, die sich hier nieder gelassen haben, feststellen musste, war ein latent rassistisches denken. Man meint es gut mit den „Schwarzen“, ja. In einem Sinn, in welchem man ihnen quasi noch Entwicklungshilfe gibt. Aber keiner hat von den Namibianern geredet. Es waren immer „die Schwarzen“. Es waren die Schwarzen, die z.B. in Uis am Brandberg es ja „richtig gut“ haben, weil sie in ordentlichen Häusern in der Unterstadt wohnen können. Mit fließend Wasser und Strom! Und nicht in den Townships wie in anderen Städten.

Uis ist noch aus Apartheitszeiten in eine Ober-, Mittel- und Unterstadt aufgeteilt. Und die Schwarzen haben es eben richtig gut, weil die Unterstadt so ordentlich ist. Dirk meinte irgendwann ganz richtig zu mir „aber das keiner von denen in der Oberstadt lebt, fällt niemandem auf“.

Ich würde sogar vermuten, dass das auch nicht gern gesehen werden würde.

Schade! Wäre die Apartheit und das Rassendenken wirklich nicht mehr vorhanden, würde auch keiner mehr von den Schwarzen reden. Man würde nicht meinen, man müsse ‚denen‘ noch helfen. Man würde einfach von Namibianern und Zuwanderern reden. Letztere dann eben hauptsächlich Deutsche.

Ein wenig schäme ich mich für meine Landsleute.

 

Vor der Küste Namibias

Aber neben deutscher als deutsch war Swakopmund auch die Stadt, von der aus Dirk nach Hause geflogen ist. Da ich nicht glaube, dass es ihm recht wäre, wenn ich hier seine Gründe erläutere, nur als Hinweis, dass es nicht an mir lag.

Und während er schon seine ersten Bewerbungsgespräche hinter sich hat, standen für mich noch sechs Wochen alleine reisen auf dem Plan. Wieder durch Namibia Richtung Norden und dann durch Botswana zurück bis nach Johannesburg in Südafrika.

 

Tiere!

Nachdem wir uns in der letzten Woche die Facetten der namibianischen Landschaft angesehen haben, war es jetzt endlich mal Zeit für die volle Packung der lokalen Fauna. Etosha wartete auf uns.

Am Freitag, den 19. April sind wir durch das östliche Tor in den über 22.000 qkm großen Nationalpark im Norden Namibias gefahren. Insgesamt haben wir vier Nächte in verschiedenen Camps innerhalb des Parks verbracht. Die Tage dazwischen liefen grundsätzlich immer gleich ab: wir haben relativ früh gefrühstückt, uns ins Auto gesetzt und sind durch den Park gefahren. Ab und an gab es kurze Pausen auf den ausgewiesenen Rastplätzen – den einzigen Orten außerhalb der Camps, an denen man aus dem Auto steigen durfte. Etwa neun Stunden später sind wir dann wieder ins Camp gekommen, haben zu Abend gegessen und sind schlafen gegangen.

Warzenschwein

 

Da wir selber gefahren sind und uns nicht den geführten Gamedrives (Safari-Fahrten) angeschlossen haben, konnten wir uns immer so viel Zeit lassen, wie wir wollten, wenn wir Tiere entdeckt haben. Und wir HABEN Tiere entdeckt…

Manchmal haben wir drei Stunden an einem Wasserloch verbracht und den Antilopen, Zebras, Elefanten, Löwen, Adlern, Warzenschweinen, Giraffen, Böcken, usw. zugesehen.

Ich habe eine solche Unmenge von Fotos gemacht, dass ich allein zum Aussortieren mehrere Stunden gebraucht habe.

Spaziergang

 

Wenn man einmal die Erwartungshaltung an das, was man zu sehen bekommt, abgelegt hat, ist es unglaublich entspannend, einfach nur da zu sitzen und die Tiere zu beobachten. Mit der Zeit sieht man die spezifischen Eigenarten. Man lernt, dass z.B. die Antilopen mit dem, meiner Meinung nach, eindrucksvollsten Geweih – die Kudus – auch die schreckhaftesten sind.

Kudu

Man hört Zebras Geräusche verursachen, bei denen man im ersten Moment eher an Raubkatzen denken könnte. Und ich hätte auch nicht geglaubt, dass die relativ kleinen Impalas so tief röhren können.

Kämpfende Impala-Böcke

 

Die Zebras haben sich auch ansonsten ab und an eher seltsam verhalten. So zum Beispiel bei dem hier dokumentierten Versuch des Hengstes, seine Wollust abzubauen. Nur hatte der andere irgendwie keine Lust und ist schnell abgehauen. Ja genau – DER andere. Entweder hat es der libidöse Hintermann nicht so genau genommen, bei wem er ran darf, oder es war wirklich dringend.

Netter Versuch

 

Wenn man lange genug an den Wasserlöchern wartet, sieht man irgendwann auch die kleineren Bewohner der Savanne, die sonst eher im Steppengras untertauchen. Die Horde von Zebramangusten wuselte irgendwann zum Wasser. Dabei kletterten die Tiere übereinander, stellten sich zwischendurch auf ihre Hinterbeine und waren in ständiger Bewegung. Nachdem alle getrunken hatten verschwanden sie fast so fix, wie sie gekommen waren.

Zebramangusten

 

In zwei Camps gab es (bei Nacht) beleuchtete Wasserlöcher. Aber nur in einem bekamen wir tatsächlich etwas zu sehen. Abends ab etwa 21 Uhr tauchten Breitmaul-Nashörner auf und vertrieben sich die Zeit abwechselnd mit Baden und damit, miteinander zu kämpfen. Was mir irgendwie besonders nachts deutlich wurde, war, wie ruhig die Tiere eigentlich sind. Das bezieht sich nicht nur auf die Rhinos. Neben gelegentlichem Brunftgeschrei und ab und an mal sonstigem Wiehern, Röhren, oder was sonst noch, hört man eigentlich nur die Geräusche, die bei der Bewegung entstehen. Eigentlich logisch – aber mit der ganzen Geräuschkulisse, mit der wir so leben, musste ich mir das echt erst einmal verdeutlichen, in welcher angenehmen Ruhe die Bewohner des Nationalparks eigentlich leben. Wären da nicht die Massen an Safari-Touristen mit ihren Autos…

Breitmaul-Nashörner bei Nacht

 

Der Etosha-Nationalpark hat seinen Namen von der Etosha-Pfanne. Einer riesigen, trockenen Staub- und Lehmebene im östlichen Teil des Parks. Wenn man entlang dieser Ebene fährt, sieht man meistens nicht viel davon, da es noch ein wenig Vegetation davor gibt. Aber es gibt eine Möglichkeit, ein paar Kilometer in die Pfanne zu fahren und sie sich anzusehen. Wenn man dort ist, sieht man … nichts. Grauer Staub und Dreck verlieren sich irgendwann am vor Hitze flimmernden Horizont. ‚Einöde‘ drückt es noch nicht treffend aus. Es gibt keinen Strauch, keinen Tropfen Wasser, einfach nichts.

Etosha-Pfanne

 

Bei der Identifikation der größeren Tiere (so etwas wie Löwen, Elefanten, Nashörner) bin ich mir ziemlich sicher, die Viecher richtig erkennen zu können. Bei der ornithologischen Zuordnung bin ich für Korrekturen dankbar. Es gab eine Unmenge an verschiedensten, toll aussehenden Vögeln. Hier gibt es nur die zwei besten Fotos (zugegeben, habe ich auch nicht so viele von den Federträgern gemacht).

Gelbschnabeltoko

Kampfadler

 

Wovon ich allerdings viele Fotos gemacht habe – auch der einfachen Tatsache geschuldet, dass wir davon am meisten gesehen haben, waren Elefanten. Ich weiß schon gar nicht mehr genau, wo wir die grauen Dickhäuter als erstes gesehen haben. Aber mit eine der ersten Begegnungen mit einer ganzen Herde fand direkt am ersten Tag im Nationalpark statt. Danach haben wir jeden Tag mindestens eine Herde gesehen.

Am ersten Tag war es noch eine relativ kleine Gruppe von vielleicht 20 Tieren, die sich in einem Schlammlock suhlten. Nach einiger Zeit kam dann eine zweite Gruppe dazu, mit der man sich offensichtlich nicht ganz grün war. Auf jeden Fall ging die erste Clique schon ihres Weges und machte den Schlamm frei, als sich auf einmal zwei Bullen anfingen zu streiten.

Bullenkampf

Nach ca. 5 Minute hatten sie wohl entschieden, wer der Stärkere war und gingen auseinander. Nur der Verlierer brauchte noch etwas Beruhigung für sein Ego und kam langsam auf uns zu. Als uns klar wurde, dass er uns nicht mag, haben wir den Rückwärtsgang eingelegt und sind langsam abgehauen. Nachdem er uns so 10-15 Meter weit zurück gescheucht hatte, fühlte er sich auch wieder gut genug, um umzudrehen und ebenfalls im Gebüsch zu verschwinden.

Aggressiver Verlierer

 

Ein oder zwei Tage später sahen wir dann eine ganze Elefantenparade an einem Wasserloch. Ich habe angefangen zu zählen, aber bei 50 Tieren dann aufgehört. Es war wirklich alles vertreten. Alte Bullen, Elefantenkühle mit Jungtieren, Teenager, … Wenn ich mich daran erinnere, welch ein Trara der Kölner Zoo getrieben hat, als EIN Elefantenjunges geboren wurde, kann ich jetzt nur noch müde lächeln.

Elefantenparade

An dem Wasserloch war sowieso eine richtige Party im Gange – die erst dann so richtig abging, als die Elefantenherde irgendwann abgezogen war – und so waren wir bestimmt zwei bis drei Stunden dort. Als dann die größten Landsäugetiere der Welt meinten, sie hätten jetzt genug gebadet und sich im Spa getummelt, teilten sie sich auf.

Niedliche Knirpse

Körperpflege

Eine große Gruppe zog gen Norden ab und so ungefähr 15 bis 20 Tiere wollten Richtung Westen. Auf einmal – riesen Alarm. Die Bullen tröteten wie verrückt und drohten mit erhobenem Rüssel. Stampften auf. Wir dachten, da wäre wieder eine neue Gruppe angekommen, die sie nicht leiden können. Nur sah man die nicht…

Dann betrat der Verursacher des ganzen Aufruhrs die Bühne.

Elefanten verjagen

Ein Löwe ging mit aller Ruhe, die man so als König der Savanne hat, den ungefähr vier bis fünf Tonnen schwereren Kolossen entgegen und fauchte sie an. Irgendwann kam noch ein Löwenkumpel dazu, hielt sich aber eher im Hintergrund. Nach ein paar Minuten Elefantentröten und gelegentlichem Löwenfauchen wurden wir Zeuge, wie zwei Löwen eine ganze Gruppe von Elefanten verscheuchte, die dann ebenfalls Richtung Norden abzog. Danach wurde dann auch klar, wieso die Raubkatzen so einen Wert auf ihr Recht des Stärkeren gelegt hatten. Unter einem Busch lag ein Gnu-Kadaver, an dem sich der erste Löwe jetzt gütlich tat, während sein Companion Schmiere stand.

Mahlzeit

Schmiere stehen

 

Irgendwann kam dann auch noch eine Löwin dazu. Wirklich jedes Mal, wenn wir Löwen gesehen haben, hat mindestens einmal ein Männchen versucht, eine Dame zu begatten. Wirklichen Vollzug gab es bisher allerdings nur im Kgalagadi Nationalpark. So war es auch hier. Kaum betrat die Hübsche das Spielfeld und näherte sich dem Kadaver, war er auch schon über ihr. Nur wollte sie erst mal fressen …

 

Nachdem alle satt waren und Elefanten und Löwen ihres Weges gezogen waren, merkte man richtig, wie sich all die anderen Tiere entspannten und die Party in Schwung kam.

Party

 

Insgesamt war der Etosha-Nationalpark wie erwartet DAS Highlight Namibias. Wobei ich mal behaupten würde, wir haben auch zusätzlich noch richtig Glück gehabt, was die Begegnungen mit den Tieren anging. Und jedem, der auch nur in die grobe Nähe fährt, kann ich nur raten, diesen Teil nicht auszulassen.

 

Der Chef

 

 

Rote Dünen

Nach dem zwar schönen, aber nicht wirklich spektakulären Beginn des Namibia-Teils ging es am 15. April weiter zum Sossusvlei. Das Wort Vlei bezeichnet dabei eine abflusslose Pfanne, die in unregelmäßigen und seltenen Zeiten mit Wasser gefüllt wird, dass dann schnell wieder verdunstet und eine aufgerissene Lehmkruste auf dem Boden zurück lässt.

Bekannt ist das Sossusvlei allerdings eher wegen der wirklich wunderschönen, roten Sterndünen, die dort die Landschaft bestimmen. Die riesigen, bis zu 200 m hohen Berge aus rotem Quarzsand wandern bei gleichbleibender Windrichtung bis zu 20 m im Jahr. Wir sind – wie so ziemlich alle Touristen dort – morgens noch vor dem Sonnenaufgang zu den Dünen gefahren und mit einiger Anstrengung auf eine davon geklettert, um dem Schauspiel beizuwohnen, wie der rote Ball gen Himmel steigt.

Nun ja – nach den Erzählungen, die ich gehört hatte, hatte ich mehr erwartet…

Sonnenaufgang am Sossusvlei

 

Dafür war die umgebende Landschaft toll. Und das Sossusvlei selber gab auch einen guten Grund zum Fotografieren.

Dünenlandschaft

Sossusvlei

Und die Lichtverhältnisse am frühen Morgen ließen im Vlei auch sonst nicht zu sehende Farbspiele entstehen.

Farben am Morgen

 

Am beeindruckendsten waren allerdings die perfekten, sanften Bögen, in denen sich die Ausläufer der Sterndünen Richtung Spitze schwangen. Im Licht der rotgoldenen Morgensonne ergaben sich hier Licht- und Schattenspiele, dass ich die Kamera vor lauter Staunen nicht mehr vom Auge bekommen habe.

Licht und Schatten

Geschwisterdünen

Dünenwanderung

 

Außerdem liegt nur zwei bis drei Kilometer vom Sossusvlei entfernt das sogenannte Dead Vlei. Wie der Name schon sagt, eine ziemlich tote Pfanne. Die vom charakteristischen Rissmuster durchzogene Lehmebene ist ‚bevölkert‘ von einer ganzen Anzahl toter Baumgerippe. Der Anblick ist schon leicht surreal. Die Kombination aus dem hellen Boden, den roten Dünen, dem blauen Himmel und den toten, braunen Bäumen schafft eine ganz eigene Stimmung. Vielleicht ist es mir ja gelungen, ein bisschen davon einzufangen.

Dead Vlei I

Dead Vlei II

 

Auf jeden Fall war dieser Besuch für mich – auch jetzt im Nachhinein noch – eines der Highlights in Namibia.

 

 

 

Namibia!

Mit dem Kgalagadi Transfrontier Park war Südafrika dann auch schon wieder beendet. Dann ging es Richtung Namibia. Eine einsame Straße immer geradeaus, bis zu dem noch einsameren Grenzposten. Ausreiseformalitäten aus Südafrika erledigen; Einreiseformalitäten nach Namibia. Untrügliches Anzeichen, dass wir jetzt in Namibia waren: direkt am Schlagbaum hörte die geteerte Straße auf und fing die Schotterpiste an.

 

Fish River Canyon

Die ging es dann noch viele rappelnde Kilometer weiter (eine Fortbewegungsweise, die uns ab da die meiste Zeit begleitete), bis wir schließlich im Fish River Village, einer Lodge in der Nähe des Fish River Canyon ankamen.

Um nicht den Nachmittag nutzlos herum zu sitzen, sind wir als erstes auf den Hügel nebenan geklettert – der sich, als wir oben waren, schon eher als Berg denn als Hügel präsentierte – und haben uns den Sonnenuntergang angesehen.

Umgebung des Fish River Village

 

Am 12. April haben wir dann die relativ kurze Fahrt zum Fish River Canyon unternommen. Der 161 km lange Canyon wird stellenweise bis zu 27 km breit. Mit einer Tiefe von bis zu 549 m git er als der zweit größte Canyon der Welt, nach dem Grand Canyon in den USA. Mein Namibia-Reiseführer behauptet, der Fish River Canyon sei deutlich weniger eindrucksvoll, da der namensgebende Fish River in der Trockenzeit (also bei unserem Besuch) gar nicht wirklich fließt, sondern eher wie eine Ansammlung von großen Pfützen aussieht.

Ich war noch nicht am Grand Canyon, aber ich fand seinen Konkurrenten in Namibia auf jeden Fall eindrucksvoll. Die Größe der Schlucht lässt sich auf Fotos gar nicht richtig zum Ausdruck bringen. Sie ist tatsächlich nur als riesig zu beschreiben.

Fish River Canyon

Canyon mit Grössenvergleich

 

Aus

Nach dem Besuch des Canyons ging es am nächsten Tag weiter in den Ort „Aus“. Aus Aus lassen sich Ausflüge zu den Wildpferden der Namib und nach Lüderitz unternehmen. Wobei Lüderitz ehrlich gesagt eigentlich nicht mal eine Erwähnung wert ist, wie wir feststellen mussten, nachdem wir die etwas über 100 km hingefahren sind.

Sonnenuntergang bei Aus

Aber nur etwa 20 km hinter unserem Campingplatz gab es ein künstlich angelegtes Wasserloch, an dem die erwähnten Wildpferde sich regelmäßig laben. Man weiß nicht genau, wo sie herkommen oder um wie viele Tiere es sich handelt. Fest steht, dass sich die geschätzten 250-300 Pferde an das trockene Leben in der Wüste angepasst haben. Sie kommen bis zu sechs Tage ohne Wasser aus und grasen nur noch morgens oder abends, während sie sich tagsüber die wenigen schattigen Plätze der Wüste zum Ruhen suchen. Die Vermutungen über ihre Herkunft reichen von entlaufenen Abkömmlingen des Schlossgestüts von Duwisib, über Relikte einer um Aus stationierten Schutztruppe bis hin zu Überlebenden einer Schiffskatastrophe. Wie dem auch sei – ich habe mal wieder feststellen dürfen,  dass Pferde echt schöne Tiere sind.

Namib-Wildpferde I

Namib-Wildpferde II

 

Wie schon gesagt, sind wir (unnötigerweise) noch weiter bis nach Lüderitz gefahren. Die alte, jetzt verlassene, Diamantenstadt Kolmanskuppe, die etwa 15 km vor Lüderitz liegt, konnte man leider nur bis 13 Uhr besuchen. Wir waren gegen 12:45 dort …

So bleibt eigentlich nur der Eindruck der Namib-Wüste zu erwähnen, durch die wir fahren mussten. Die meiste Zeit ist die Namib eher eine Steinwüste, die mich sehr an die Atacama in Nordchile erinnert hat. Aber ein kurzes Stück vor der Küste sah sie dann doch mal eher so aus, wie man sich eine Wüste vorstellt

Durch die Wüste per Straße

Durch die Wüste per Bahn

Namib-Wildpferde III