Die Wildkatze und die Höhle

Samstags ging es dann weiter über den Waterberg bis zur Gästefarm Ghaub – die letzten beiden Stationen bevor ich in den Caprivi-Zipfel fuhr.

Der Waterberg war landschaftlich schön – denke ich…

Aber nach mehr als acht Monaten Reise war ich nicht mehr so richtig in der Lage, dass zu honorieren. Ein Tag von zweien mit Magenproblemen hat das auch nicht erleichtert. Um nicht vor Langeweile auf dem völlig einsamen Campingplatz zu sterben, bin ich am zweiten Tag vor Ort dann etwa 150 km um den Berg herum gefahren, um ein Cheetah Conservatory zu besuchen; eine Geparden-Aufzucht. Die schnellsten Läufer der Welt sind mittlerweile eine ziemlich bedrohte Rasse. Da die lokalen Farmer um ihr Vieh fürchten, wenn sie eine der relativ kleinen Raubkatzen sehen, wird zuerst geschossen und dann gedacht. Wobei es zum großen Teil nicht um fehlendes Nachdenken geht, sondern leider um fehlendes Wissen. Z.B. das Wissen, dass Geparden nur in den seltensten Fällen für das Reißen von Nutzvieh wie Ziegen verantwortlich sind.

Gepardendamen

Eine der Aufgaben, der sich die Non-Profit Organisation stellt, ist die richtigen Informationen zu verbreiten und Projekte, wie z.B. den Schutz der Herden durch die Vermittlung von Wachhunden, statt durch einfache Hütehunde, zu gewährleisten. Die andere Aufgabe ist, die verwaisten Jungen aufzunehmen und großzuziehen, die immer wieder gefunden werden, wenn doch wieder eine Mutter erschossen wurde.

Fütterung

Die Geparden haben mittlerweile das Problem, dass die genetische Vielfalt zu knapp wird und die Jungen oft entsprechende Mutationen in ihrem Erbgut haben. Oder für die nicht-Biochemiker ausgedrückt: es gibt nur noch so wenig Geparden, dass es viel zu Oft zu Inzest kommt, mit den entsprechenden Missbildungen.

Man kann die in der Aufzucht aufgewachsenen Jungen aber leider auch nicht mehr auswildern, da ihnen keiner beibringen kann, wie sie in der Wildnis überleben würden. Im Zweifel würden sie z.B. versuchen einen Elefanten zu reißen – es hat ihnen ja nie jemand gezeigt, welches die richtigen Beutetiere sind. So werden diese Tiere hier nur groß gezogen und helfen dann als „Botschafter“ bei der Information und dem Ziel, die Situation dieser eleganten Wildkatzen zu retten.

So gibt es einige Katzen, die wörtlich mit der Flasche aufgezogen wurden und zutraulich genug sind, um sich z.B. von Besuchern streicheln zu lassen. Mir blieb dieses Vergnügen allerdings vorenthalten.

Entspannung

Für mich war es auf jeden Fall ein netter Besuch und eine gute Art, den Tag nicht mit mieser Laune alleine auf dem Campingplatz zu verbringen

Aufmerksam

 

Nach dem Waterberg ging es dann zur Gästefarm Ghaub. Unterwegs habe ich noch den Hoba-Meteoriten besucht. Der fette, zu über 80% aus Eisen bestehende, Brocken misst ungefähr drei mal drei Meter und ist fast einen Meter dick. Als die 50 Tonnen vor ungefähr 80.000 Jahren in die Weiten Namibias eingeschlagen sind, wird es vermutlich einen ziemlichen Rumms gegeben haben.

In direkter Nachbarschaft des außerirdischen Klumpens liegt die Gästefarm auf einem richtig schönen Stück Land. Highlight des Besuchs ist allerdings die Tropfsteinhöhle auf dem Gelände.

Am nächsten Tag – es war der 8. Mai – bin ich mit Andreas, einem Guide, in die Höhle runter. Nachdem ich ja nun in Vietnam schon eine riesige Höhle gesehen hatte, habe ich meine Erwartungen hier absichtlich eher niedrig gelassen. So wurde ich dann auch deutlich positiv überrascht.

Zu meinem Glück war die Ghaub-Höhle nämlich das komplette Gegenteil des Paradise-Cave in Zentralvietnam. Ghaub war kleiner, eng, niedrig. Wir sind gekrochen, geklettert, haben uns durch Spalten gezwängt und sind Lehmhügel auf dem Hosenboden runtergerutscht. Die ganze Höhle geht richtig in die Tiefe – leider habe ich vergessen, wie weit. Aber auf jeden Fall weit genug, dass die Temperatur merklich ansteigt und die Luft deutlich weniger Sauerstoff enthält. An der tiefsten Stelle, an der wir dann durch einen Tunnel voll Grundwasser unbestimmter Länge hätten tauchen müssen (bisher hat das noch niemand getan), war die Luft so dünn, dass eine Kerze dort nicht mehr brennen kann.

Batmans Sohn

Ich habe Andreas ganz schön n Anspruch genommen. An allen möglichen Stellen fragte er mich, ob er zu schnell sei. Oder ob ich diesen Hügel auch noch hoch klettern wolle oder ähnliches. Ich habe ihn eigentlich immer nur schräg angeguckt und gemeint, was das denn jetzt für eine Frage sei – er sei eher zu langsam und natürlich will ich da auch noch hoch!

Am Ende wurde aus den geplanten ca. drei Stunden eine Tour von gut viereinhalb Stunden. Völlig versaut kam ich aus der Höhle wieder raus. Alles war voll mit Matsch und Lehm. Wieder bei der Farm fragte ich die zwei Frauen, die vorher schon meine andere Wäsche zum Reinigen angenommen hatten, ob sie die Sachen, die ich anhabe auch noch reinigen könnten. Ich würde nur schnell duschen und sie ihnen dann bringen.

Als ich mich umdrehe und Richtung Dusche gehe, höre ich doch, wie die eine hinter mir zu ihrer Kollegin meint „but he looks so nice, muddy….“ – etwa „aber er sieht so nett aus, so versaut“…

Höhlenexpedition

 

 

Leave a Reply