Namibias Zipfel

Nach der Höhlenexpedition ging es Richtung Nordosten in den Caprivi-Zipfel. Der die meiste Zeit nur 50 km breite Streifen (maximal 150 km) führt von der äußersten Nord-Ost-Ecke des Landes zwischen Angola im Norden und Botswana im Süden nach Osten, bis zum Vierländereck mit Zambia, Zimbabwe und Botswana.

Der ältere, südafrikanische und nicht mehr ganz so latente Rassist, den ich schon mal erwähnt habe, hat mir erzählt, die Deutschen haben den Caprivi-Streifen irgendwann mit den vereinigten Königreichen gegen Sansibar getauscht, da sie eine Verbindung vom Atlantik zum indischen Ozean wollten. Leider habe ich gerade, während ich das schreibe, keine Internetverbindung, um das zu verifizieren. Und meine Geschichtskenntnisse reichen da zugegebenermaßen ebenfalls nicht aus.

Auf jeden Fall zeigt sich Namibia im Caprivi-Streifen von einer ganz anderen Seite. Durch die verschiedenen Flüsse, die hindurch fließen – unter anderem der Okavango – ist die sonst so staubtrockene Landschaft auf einmal geprägt von Bäumen und Grün. Besonders an den Flussufern wachsen das Schilf, das Gras, und die vielen Wasserpflanzen in ungewohnter Vielfalt. Durch das viele verfügbare Wasser ist die ganze Region auch viel dichter besiedelt, als der Rest des Landes. Auf einmal stehen ständig Menschen an der Straße und wollen mitgenommen werden. Ein Dorf aus traditionellen, Lehmhütten mit Grasdächern reiht sich an das nächste. Immer wieder laufen Kühe oder Schafe auf die Straße und Kinder winken mir während ich vorbei fahre. Afrika ist doch nicht so einsam!

Sonnenaufgang über dem Okavango

Ein oder zwei Mal kreuzte auch ein Elefant die Straße vor mir. Nach den letzten vier Wochen, in denen ich meistens nur Steine und Sand in verschiedenen Farben gesehen habe und die einzigen Menschen eigentlich die Mitarbeiter und Besucher der Unterkünfte waren, war es richtig angenehm, mal wieder „Leben“ zu sehen.

Und wie ich es schon am Mekong in Vietnam gesehen habe, wurde auch hier der Fluss vollständig in das normale Leben integriert. Man wäscht sich im Fluss, man spült sein Geschirr darin, man tränkt das Vieh und man fährt Touristen darüber, um ihnen die Landschaft zu zeigen. Ich habe auch eine solche Tour an einem Abend mit gemacht. Außer Landschaft und einem badenden und einem trinkenden Elefanten gab es zwar nichts zu sehen, aber die Landschaft war schön! Irgendwie trocknet man in einer so ariden Gegend wie Namibia auch geistig etwas aus. Und es ist eine Wohltat, wenn man auf einmal so viel Wasser um sich hat.

Wasserlilie

 

 

One thought on “Namibias Zipfel

  1. Hi, das mit dem Tausch des Caprivi- Zipfels gegen Sansibar stimmt im großen und ganzen. Zusätzlich ist gleichen Vertrag auch Helgoland wieder an Deutschland gegangen (durch meinen Helgoland-Besuch bin ich über das Thema gestolpert).

    Bin immer noch fasziniert von Deinen ganzen Tierbeobachtungen!

    Wünsche Dir noch eine tolle restliche Zeit und lass was von Dir hören, wenn Du wieder in der Heimat bist.

    Viele Grüße,

    Michaela

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