Botswana!

Am Ende des namibischen Zipfels ging es dann am 12. Mai hinüber nach Botswana. Nachdem ich mir in der letzten Lodge noch habe erklären lassen, dass ich in der letzten Stadt vor der Grenze eben nicht die Grenzformalitäten erledigen muss (wie es fälschlicherweise meine Reisebüro-Tante behauptet hatte), sondern dies nur der Fall bei der Einreise ist, bin ich direkt durchgefahren, bis zum Grenzposten. Als ich gerade anhielt, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen, kam eine Frau auf mich zu, die ich ab ungefähr 3 Minuten, nachdem sie mich angesprochen hatte, nur noch

 

Die Stinkefrau

genannt habe. Die etwa Mitte Dreißig Jahre alte Stinkefrau suchte eine Mitfahrgelegenheit bis nach Kasane, dem Ort, zu dem auch ich musste. Da sie alleine war (häufig kommen dann auf einmal noch fünf andere Leute von irgendwo her, die auch mit wollen, habe ich gemeint, klar, sie könne mitfahren.

Die besagten drei Minuten später saß sie in meinem Auto und ich habe eine Weile ernsthaft überlegt, sie wieder raus zu schmeißen. Gott, stank die Frau. Übelst! Ich habe es natürlich nicht über mich gebracht, über sie hinweg nach der Beifahrertür zu greifen, sie zu öffnen und die Stinkefrau kommentarlos aus dem fahrenden Auto zu schieben. Stattdessen habe ich mein Fenster aufgemacht und mich die ganze Fahrt gefragt, ob sie sich nicht wundert, dass ich als Fahrer die ganze Zeit zum Seitenfenster hinaus sehe. Als sie mir erzählte, sie sei in der Tourismusbranche, dachte ich nur, na hoffentlich duscht sie wenigstens, wenn sie Kundenkontakt hat. Sonst wird die Lodge, in der sie arbeitet vermutlich bald pleitegehen…

 

Zusammen mit der Stinkefrau kam ich nach den Ausreiseformalitäten noch zur Schranke, hinter der dann ein Stück Niemandsland begann, bevor botswanischer Boden unter meine Räder kommen sollte. Dort fragte mich dann der Wachmann nach meiner Genehmigung für den Grenzübergang. Ich habe ihn nur ziemlich verständnislos angeschaut und er versuchte mir dann zu erläutern, dass ich eine Genehmigung brauchte, um das Auto über die Grenze zu bekommen. Und zwar nicht die, die mir mein Autovermieter ausgestellt hatte – nein. Sondern die, die ich für 70 Namibianische Dollar (ca.6 EUR) an der Total-Tankstelle im letzten Ort vor der Grenze hätte kaufen müssen. Etwa vor 70 Kilometern! Ich habe mich einfach nur so lange weiter blöd gestellt und getan, als verstünde ich ihn nicht, bis er mich leicht genervt einfach so durchgelassen hat.

Nach dem Streifen Niemandsland kam dann die Veterinärkontrolle. In Botswana dürfen keine frischen Tier- und Milchprodukte eingeführt werden. Eine rundliche Mama-Frau schaute erst in meine Kühlbox und meinte, die H-Milch gehe in Ordnung. Aber die Salami musste ich entsorgen. Dann mussten noch alle Schuhe auf einen uralten Lappen gepresst werden, der anscheinend mit einer antibakteriellen Lake getränkt war oder so etwas. So, wie der aussah, hab ich mir da allerdings eher Bakterien unter die Schuhe gerieben, statt sie zu entfernen.

Bevor ich dann mit dem Wagen auch noch durch ein Wasserbad fahren musste, wünschte die Mama-Frau mir noch einen schönen Tag und  erinnerte mich „und rufen Sie ihre Mutter an“… Heute war Muttertag und wenn mich die rundliche Mama-Veterinärkontrolleurin an einem recht einsamen Grenzübergang nicht daran erinnert hätte, hätte ich es wohl vergessen.

Dann die Einreiseformalitäten nach Botswana. Soweit problemlos, nur das Visum musste bezahlt werden. Aber da mir jeder und jeder Reiseführer gesagt hatte, in Botswana kann man sogar besser mit US-Dollar bezahlen, als mit der lokalen Währung, hatte ich genügend dabei.

Tja – ich nehme an, der Spannungsbogen war nicht so besonders geschickt aufgebaut und man hat es schon geahnt – nix US-Dollar. Namibische Dollar wären OK. Von denen hat allerdings jeder und jeder Reiseführer gesagt, damit könne man nun überhaupt nicht bezahlen. Also hatte ich die alle aufgebraucht. Jetzt stand ich da an der Grenze und lies mir erklären, ich müsse dann zurück durchs Niemandsland und an der namibischen Grenze könne ich die US-Dollar dann in botswanische Pula wechseln… Na super!

Aber ich hatte ja noch die Stinkefrau bei mir. Die hat mir dann die nötigen 200 Pula (ca. 19 EUR) geliehen und ich kam endlich nach

Botswana!

Nur mit äußerster Willensanstrengung (nicht anzuhalten und um Luft ringend ins Freie zu stürzen) kamen die Stinkefrau und ich nach etwa einer Stunde dann in Kasane an. Nachdem ich sie abgesetzt hatte, habe ich erst mal Stundenlang den Wagen gelüftet…

Nach einer Nacht in der Chobe Safari Lodge bin ich dann am Montag, den 13.5., in den Chobe-Nationalpark gefahren. Und ich war begeistert!

Im Gegensatz zu den Parks in Namibia, hatte man auf einmal das Gefühl, wirklich durch die Natur zu fahren. Das äußerte sich zum einen durch ziemlich tiefen Sand, in dem ich definitiv ohne 4×4-Antrieb mehrfach stecken geblieben wäre und zum anderen durch die Möglichkeit direkt am Ufer des Chobe-Flusses entlang zu fahren; ohne Straße oder auch nur einen Schotterweg. Sondern wirklich einen Meter neben dem Wasser einfach über das Flussufer. Ab und an kamen auch mal Passagen, in denen man ein wenig durch das Wasser musste.

Kaffernbüffel

Hier habe ich auch das erste Mal die großen Kaffernbüffel gesehen. Die Paarhufer mit den mächtigen Hörnern und der dicken Stirn grasten und badeten in einer riesigen Herde von bestimmt 100 Tieren. Ein paar Minuten später musste ich kurz weg vom Ufer und bin mitten durch die Herde gefahren.

Büffelherde

Rechts, links, vor und hinter mir – überall grasten, dösten, schliefen oder sonnten sich die Viecher. Manche sprangen erschrocken zur Seite, wenn sie das Auto bemerkten, andere hatte damit überhaupt kein Problem und ich musste warten, bis sie sich aus dem Weg bequemten.

Die Drei von ...

Badender Büffel

 

Nachdem ich schon richtig begeistert war, fuhr ich etwas später wieder zum Ufer – und trat auf die Bremse. Auf einer kleinen Schilfinsel ein paar Meter entfernt lag ein ziemlich großes Nilkrokodil und ließ sich geduldig das Wasser durch das offene Maul laufen, in der Hoffnung, ein Fisch würde ebenfalls den Weg zwischen seine gefährlich aussehenden Kiefer finden. In der Zeit, in der ich es beobachtet habe, hatte es allerdings kein Glück.

Nilkrokodil

Etwas weiter begegnete mir dann einer seiner Verwandten – der Nilwaran. Die bis zu zwei Meter langen Echsen bewegen sich oft sehr gemächlich vorwärts, können aber bei Bedarf auch richtig flink werden. Ihr Gang sieht ein wenig aus, als wären einer Schlange Beine gewachsen. Der ganze Körper und der lange Schwanz bewegen sich beim Laufen hin und her, wie der Körper einer Schlange.

Nilwaran I

Nilwaran II

 

Mittlerweile habe ich schon ziemlich viele Elefanten gesehen. Aber die grauen Riesen schaffen es immer wieder, mich zu faszinieren. So habe ich bestimmt eine Viertelstunde diesem einen Bullen zugeschaut, wie er da im Chobe stand und das Gras in sich hinein gestopft hat. Naja – die bis zu 500 Kg Grünfutter am Tag, die so ein ausgewachsener Dickhäuter vertilgt, müssen ja auch irgendwie zustande kommen.

Elefantenbulle im Chobe River

 

Natürlich gab es auch noch eine ganze Menge andere Tiere. Große Herden von Antilopen, Zebras, Gnus, Giraffen, usw. grasten die Büsche und den Boden der Landschaft ab. Immer wieder tauchten auf einmal Elefanten hinter Büschen auf. Hippos badeten ihre empfindliche Haut im kühlen Fluss und Mistkäfer rollten wie bekloppt Elefantendung ziellos hin und her.

Hippos im Chobe River

 

Erwähnenswert fand ich auch noch meine Begegnung mit den afrikanischen Fischadlern – auch Schreiseeadler genannt. An einer Stelle am Fluss waren gleich vier der Tiere versammelt und ab und an verdeutlichten sie mal, wie sie zu ihrem Namen kommen. Ein Gekeife ohnegleichen!

Ich hatte gerade die Kamera auf zwei der Raubvögel gerichtet, als einer auf einmal seine Schwingen spreizte und dicht über dem Wasser dahin schoss. Und ich hatte das Glück, genau im richtigen Moment den Auslöser zu drücken.

Afrikanischer Fischadler in Aktion

Kurz danach hatte ich (wie ja bekanntermaßen schon öfter) wieder die Kamera im richtigen Moment in der Hand…

Zwei Fischadler in Aktion

 

Ich war mehr als zufrieden für den Tag! Aber etwas hat mich dann doch noch beeindruckt. In diesem Fall war es mal nicht die Fauna, sondern die Flora. Der Baobab – der Affenbrotbaum – ist ein echter Gigant. Die riesigen Bäume werden bis zu über 20 m hoch. Im hohen Alter von 2.000 – 3.000 Jahren kann der Stamm bis zu 30 m Umfang erreichen. Ich bin immer wieder fasziniert, egal, wie viele der Bäume ich schon gesehen habe.

Im Schatten des Baobab

Um sich zu verdeutlichen, wie groß der Baum auf dem Bild ist, sollte man sich noch mal klar machen, dass das Elefanten sind, die da in seinem Schatten stehen. Tiere, die über drei Meter groß werden und bis zu sechs Tonnen wiegen können. Auf dem Foto sind sieben Tiere. Aber es passen locker mehr als ein Dutzend unter das Geäst des Baums.

Man merkt – ich bin immer noch beeindruckt.

 

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