Wasser!

Und zwar Unmengen von Wasser. 1,1 Millionen Liter. Pro Sekunde!

Aber erst musste ich einmal hinkommen, zu dem ganzen Wasser. Und dazu war wieder ein Grenzübergang nötig. Diesmal von Botswana nach Zimbabwe. Ohne Stinkefrau, aber nicht ohne eine kleine Geschichte.

Am 14. Mai bin ich von Kasane, dem Ort der Stinkefrau, nach Zimbabwe gefahren. Eine recht kurze Strecke von insgesamt nur 100 km stand auf dem Programm. Nach etwa einem Fünftel dieser Strecke kam ich an die Grenze. Den Ausreiseformalitäten aus Botswana sah ich entspannt entgegen. Ich hatte genügend Pula, die lokale Währung, und war demnach bestens gerüstet. Natürlich wollte dieses Mal niemand Geld von mir haben. Logisch – ich hatte ja diesmal daran gedacht. Zumindest nicht bei der Ausreise aus Botswana…

Dann kam die Einreise nach Zimbabwe. Irgendwer hatte mich schon gewarnt (ich glaube es war der Nazi-Opa, den ich auf dem Campingplatz in der Chobe Safari Lodge getroffen hatte), dass ich den Grenzbeamten sagen soll, ich sei eine Woche dort und nicht nur die geplanten zwei Tage. Denn wenn ich länger bleibe, als das Visum ausgestellt ist, gibt es Ärger. Nun – Ärger, z.B. aufgrund eines Motorschadens am Wagen oder so etwas, wollte ich natürlich vermeiden. Bisher waren die Visa zwar sowieso immer für mindestens vier Wochen ausgestellt worden, aber wer weiß schon, wie es in Zimbabwe so läuft. Tja – Glück gehabt. Das Visum wurde dann auch tatsächlich exakt für die angegebene Woche ausgestellt. Und ich musste es bezahlen.

In Pula? Nein! Dieses Mal dann doch lieber in US-Dollar! Na die hatte ich ja auch noch. Also Visum bezahlt. Dann an den nächsten Schalter – zum Zoll. Da quatscht mich auf einmal so ein Typ von der Seite an und hält mir irgendeinen Bogen unter die Nase. Den müsse ich auch ausfüllen. Nur sah der Typ nicht gerade wie ein Zollbeamter aus. Aber ich war es schon gewohnt, dass komisch gekleidete Menschen an offiziellen Stellen rumhängen und sich aufdrängen. Vermutlich wollte er mir helfen und dann Trinkgeld haben oder so. Und? Hatte ich es nicht gesagt? Ja – er wollte mir helfen und ja – er wollte Geld. Allerdings kein Trinkgeld. Er war ein Versicherungsfuzzi und wenn ich das richtig kapiert habe, muss jeder Leihwagen in Zimbabwe versichert werden. Nein – keine Haftpflicht oder so etwas.

Aber es ist ja nun relativ wahrscheinlich, dass man die Karre im Land zu Schrott fährt. Einen Totalschaden verursacht. Den Wagen jenseits jeglicher Reparaturmöglichkeit bringt. Dann gilt das Auto als „in Zimbabwe konsumiert“. Und da man nach so einem Totalschaden üblicherweise versucht, ohne die, durch den Autokonsum fällig gewordene, Importsteuer zu zahlen, aus dem Land zu verschwinden, muss dieser Fall natürlich versichert werden. Für 50 US Dollar für die eine Woche. Dafür zahlt dann die Versicherung die Dollars, die eigentlich der Steuerflüchtling blechen müsste.

Zusammen mit dem Visum und ein paar weiteren Gebühren war ich so etwas über 100 Dollar los, bevor ich das Grenzhäuschen verlassen und in meinem – nun vollumfänglich versicherten – Wagen die 15 Meter bis zum Schlagbaum fahren durfte. Dort musste ich dann sämtliche Quittungen für die eben getätigten Zahlungen wieder hervorkramen und dem Schlagbaum-Beamten geben. Der kontrollierte dann, ob ich auch wirklich alles ordentlich bezahlt habe.

Ich hab den Mann auch erst gar nicht verstanden, weil sein Englisch nicht gerade deutlich war. Nachdem er die eine Hälfte der Quittungen behalten und mir die andere wieder zurück gegeben hatte, stellte er mir noch eine Frage, die ich ebenfalls erst mal nicht verstanden habe. Da er allerdings nicht locker lies, schien es wichtig zu sein. Nach ein paar Anläufen hab ich es dann auch kapiert. Er fragte „and what did you bring for me?“ – Und was hast Du mir mitgebracht?

Netterweise hat er mir direkt im Anschluss erklärt, die Währung sei ihm dabei egal. „Namibia Dollar, Pula, US-Dollar, Euro, Rand“ – er nehme alles…

Also hab ich noch den Schlagbaum-Mann mit 5 Dollar bestochen und dann durfte ich endlich nach Zimbabwe.

 

Mein Ziel waren selbstverständlich die kurz hinter der Grenze liegenden Victoriafälle. Hier stürzt der Zambezi-River auf über 1.700 Metern Breite in die Tiefe. Im afrikanischen Sommer – um den November – sind es viele schmalere Bänder aus Wasser, die in die Schlucht fallen, von deren gegenüberliegender Seite aus man das Unesco Weltnaturerbe bewundern kann. Jetzt allerdings – im afrikanischen Winter – donnern die vollen 1,1 Millionen Liter Wasser pro Sekunde über den Rand. 107 Meter tief fallen die Wassermassen, bevor sie so viel Gischt produzieren, dass man bei Windstille selbst den oberen Rand kaum erkennen kann. Ein unablässiges Donnern und Rauschen dröhnt in den Ohren. Wenn Wind aufkommt, kann es sein, dass man urplötzlich im Regen steht. Der Regenmantel, den ich mir am Eingang ausgeliehen hatte, war auf jeden Fall notwendig.

Victoriafälle I

Victoriafälle II

 

Morgens, als ich ankam, war es noch relativ windstill und ich habe tatsächlich nur ziemlich wenig erkennen können. Aber da ich ja jede Menge Zeit hatte, bin ich am Ende sieben Stunden in dem Park geblieben, für den man sonst bei jedem Eintritt wieder 30 Dollar zahlen müsste. Und am späten Mittag stand dann die Sonne hinter mir und ich musste nicht mehr ins Gegenlicht schauen. Dazu kam ein wenig Wind auf, der die Gischtschwaden immer wieder beiseite wehte. Und dann sind die, zu den größten Wasserfällen der Welt zählenden, Victoriafälle wahrhaft beeindruckend. Auf riesiger Breite fällt das Wasser. Ab und an unterbrochen von ein paar Inseln.

Victoriafälle III

Victoriafälle IV

Wenn man dem Fluss zusieht, hat man das Gefühl, dass er mit wahnsinnig hoher Geschwindigkeit auf den Abgrund zuschießt, nur um dann im Zeitlupentempo nach unten zu fallen. Es ist … beruhigend, einfach nur da zu stehen und dem Wasser auf seinem Weg hinab hinterher zu blicken. Und es ist groß, wenn man den Blick hebt und sieht, dass es auf hunderten von Metern rechts und links genauso aussieht.

Victoriafälle V

 

 

Leave a Reply