Schon wieder Wasser

Schon wieder Wasser

Der namibische Caprivi-Zipfel bildet quasi die nördliche Grenze von Botswana. Und die Victoriafälle liegen direkt neben der Nord-Ost-Ecke des Landes. Von dort aus führte mich mein Weg dann Richtung Süden, um in Nata nach Westen abzubiegen und über ein paar Zwischenstationen vom Süde aus in das Okavango Delta zu fahren.

Auf dem Weg durch Botswana muss man immer wieder Veterinärzäune passieren. Die Begrenzungen werden im Englischen „Buffalo-Fence“ (Büffelzaun) genannt und dienen in erster Linie dazu, die Ausbreitung der Maul-und-Klauen-Seuche durch die Büffelherden zu verhindern. Das Prozedere an den Posten ist immer gleich: man wird nach dem Führerschein gefragt, muss aussteigen und alle Schuhe auf einen alten Lappen mit antibakterieller Lake pressen und mit dem Auto durch ein Wasserbecken fahren. Und meistens wird auch noch die Kühlbox kontrolliert. Wie schon bei der Einreise ins Land, dürfen keine frischen Fleisch- und Milchprodukte durch die Kontrollen  gebracht werden. Man gewöhnt sich an die Prozedur.

Nur zwei Mal, war sie etwas lustiger. Das eine Mal hält man mich an, Führerschein, aussteigen, Schuhe auf den Lappen. Dann kontrolliert der Beamte meine Kühlbox. Der Wagen hat eine fest installierte Kühlbox, in die man von oben hineingreifen kann. Er macht also den Deckel auf, und schiebt, auf der Suche nach Frischfleisch, den Inhalt hin und her. Nachdem er eine Weile darin herumgewühlt hat, nimmt er den Kopf aus der Box, guckt mich an, und fragt leicht ungläubig „only beer“? (Nur Bier?). Ich hab geantwortet „Ne-in – da ist auch noch Cider drin!“

Das zweite (lustige) Mal begann ähnlich. Anhalten, Führerschein. Dann wollte mich der Polizist schon weiter fahren lassen. Aber ein Kollege von ihm kam an, noch bevor ich den Motor starten konnte, und fragte mich, was ich hinten im Wagen habe. Campingausrüstung. Ja – er wolle das gerne sehen…

Also aussteigen und aufmachen. Er sieht die Kühlbox. Will reingucken. Fragt noch „Kein Fleisch“? Ich sag „ne – nicht mehr“. Dann guckt er noch mal in die Box und dann mich an und fragt mit einem Grinsen „And where is my cold drink“? (Und wo ist mein kalter Drink). Bevor ich weiterfahren konnte, musste ich ernsthaft einen Polizisten mit einer Dose Bier bestechen. Die botswanische Polizei hat ja wohl echt keinerlei Ehrgefühl! Ich meine – der hat sich mit einem DOSENBIER als Bestechungsgeld zufrieden gegeben… Ich konnte mir das Lachen gerade noch verkneifen.

 

Nachdem ich dann durch einige Kontrollen durch war, kam ich in einer Unterkunft in der Nähe des Makgadikgadi-Nationalparks an. Am 18. Mai wollte ich mir den recht kleinen Nationalpark ansehen.

Am Nordost-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen. Aber wenn ich etwa 100 km weiter fahre, gibt es an der Nordwest-Ecke einen weiteren Eingang. Da könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da ich sowieso an die Westseite des Parks wollte, denn dort befindet sich der Fluss, an dem die meisten Tiere zu finden sind, bin ich dann halt zu dem besagten Tor gefahren.

Am Nordwest-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen.

Déjà-Vu nennt man das wohl…

Allerdings sei es kein Problem, wenn ich durch den Park zum Haupttor fahre, dass ca. 70 m weiter südlich liegt. Dort könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da das sowieso die Strecke war, die ich fahren wollte… was soll’s.

Der Makgadikgadi-Park stellte sich allerdings schnell als relativ langweilig heraus. Bis auf die Geier, die ich im „You and me …“ Beitrag vorgestellt habe, gab es nichts Besonderes zu sehen. Dafür gab es besonders viel Sand. Zwei Mal wäre ich fast stecken geblieben und kam nur mit Allrad, Untersetzung und einer ziemlich rabiaten Fahrweise wieder heraus. Die meiste Zeit bin ich mit 60 km/h durch den tiefen, feinen Sand gebrettert und geholpert, um nicht stecken zu bleiben. Das ist für 20 Minuten mal ganz lustig. Aber nach einer Stunde hatte ich langsam keine Lust mehr darauf.

Vom Haupttor aus konnte man auch einen Umweg, außen um den Park herum, nehmen, um wieder zurück zu fahren. War zwar etwas weiter, aber dafür wenigstens Asphalt und kein Treibsand. Nachdem ich also tatsächlich mein Tagesticket erstanden habe, bin ich – glücklicher Ticketbesitzer – direkt mal aus dem Park raus und ca. 100 Meter gefahren.

 

Dann musste ich mit einer Fähre über den Fluss setzen, an dessen Ufer ich zuvor die Geier fotografiert hatte. Die „Fähre“, wie sie genannt wurde, war dann doch eher ein Floß mit Außenbordmotor. Als der Fährmann am gegenüberliegenden Ufer mich sah, ließ er seinen Zweitjob als Hüter einer Rinderherde kurz liegen und kam herüber getuckert.

Die Fähre

Da das Wasser zu seicht war, konnte er nicht bis ganz ans Ufer kommen und bedeutete mir mit Handzeichen, durch das Wasser zu ihm zu fahren. Dabei legte er noch Wert darauf, dass ich einen Bogen fahren sollte. Vermutlich Steine im Wasser oder so etwas.

Also fahre ich schon leicht angespannt in dem mir bedeuteten Bogen auf das Floß zu. Plötzlich macht der Fährmann ein ziemlich blödes Gesicht und sagt „Oh – there is a hole“ (Oh, da ist ein Loch). JA, das hab ich auch gemerkt. Schließlich ist gerade mein rechter Vorderreifen abgesagt und die Karre hängt schräg bis zum Scheinwerfer im Wasser! Rückwärtsgang!

Keine Chance. Der Boden ist viel zu schlammig und von den vier Reifen haben sowieso nur noch zwei überhaupt Bodenkontakt. Versucht der Fährmann als erstes mal, mein Auto vorne hochzuheben… Der Typ war noch dünner als ich. Der hätte vermutlich schon Probleme gehabt, MICH hochzuheben, geschweige denn mich und das Auto, in dem ich sitze. Tja – ein Satz mit X, das war wohl nix.

Dann stand er da etwas bedröppelt und wusste auch nicht weiter. Unterdessen sickerte langsam das Wasser durch die Tür.

Dann eine Idee: er würde Hilfe holen. Jemanden, der ihm hilft, den Wagen hochzustemmen. Nur – wen?? Da war weit und breit niemand! Mittlerweile hatte das Wasser die Pedale erreicht.

Am gegenüberliegenden Ufer tauchten zwei Jeeps auf, die übersetzen wollten. Von denen würde er jemanden fragen. Die sollten helfen und retten. Ich konnte es kaum glauben… Da sitze ich in meiner gemieteten Karre mitten in einem Fluss und hab meine Beine bis zu den Knien im Wasser. Wohlgemerkt – im Wasser IN MEINEM AUTO! Und der verantwortliche Fährmann schippert mit einem Höllentempo von gefühlten 5 Metern pro Minute ans andere Ufer, um Supermann zu holen, der mein Auto hochhebt.

Zum Glück waren die Jeepfahrer nicht ganz so naiv und kamen auf die Idee, mich mit ihrem Auto rückwärts rauszuziehen, statt mit Muskelschmalz meinen Wagen anzuheben. Es dauerte ungefähr eine Viertelstunde, dann war der erste Jeep auf meiner Seite. Der hat dann übrigens auch den direkten Weg von der Fähre zum Ufer genommen und nicht den mir zuvor angezeigten Bogen. Da war dann auch kein Loch im Boden…

Während der Jeep-Mann anscheinend hinten an meinem Wagen das Seil befestigte, tuckerte der Fährmann wieder rüber und holte den anderen Jeep. Irgendwann war es dann so weit. Das Seil war verknotet und ich sollte gleichzeitig rückwärts fahren, während ich gezogen werden.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen. Zweiter Versuch.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen.

Dann fiel dem Jeep-Mann ein, dass er ja noch ein dickeres Seil hat. Mittlerweile war der gesamte Fußraum auf der Fahrerseite voll Wasser und ich bekam einen nassen Hosenboden…

Nach weiteren 5 Minuten war das dicke Seil angebracht. Und tatsächlich – ich wurde aus meiner nassen Lage befreit. Ich kam mir vor, wie in einem dämlichen Film, als ich die Tür öffnete und ein riesen Schwall Wasser AUS meinem Auto schoss.

Aber ich musste ja immer noch über den blöden Fluss… Dieses Mal bin ich allerdings auf direktem Weg auf das Floß gefahren – ohne Löcher. Nur saß das Floß jetzt fest. Ich denk noch „das kann jetzt nicht Dein Ernst sein…“ Ein Stückchen vorfahren auf dem Floß, dann wird es hinten leichter. Hilft nicht. Noch ein Stück vor. Tatsächlich – wir tuckern über den Fluss. Wieder ein Stück zurück – zum Anlegen. Zum Glück ist das Ufer an dieser Seite steiler, so dass das Floß bis ganz an den Rand kann.

Puuh – ich habe es geschafft. Ich stehe auf der anderen Seite und der Motor läuft auch noch. Na wenigstens musste ich für die Überfahrt so nichts bezahlen. Ganz umsonst bin ich über den Fluss gekommen. Wahnsinn!

 

Mit seiner langjährigen Erfahrung hatte der Fährmann übrigens schnell erkannt, woran es lag, dass mein Auto fast ertrunken wäre: es ist ein Nissan!

Na dann …

 

 

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