Verliebt!

Ja, ich habe mich verliebt. In eine Frau, die ich auf einem Gamedrive kennengelernt habe und die so schön war, dass ich sie fast eine volle Stunde einfach nur angucken musste. Und bevor jetzt jemand meine Freundin anruft, um es ihr zu sagen – Jana weiß es schon.

Aber von Anfang…

Nach dem Mokoro-Trip stand noch ein Ausflug weiter in den Norden des Okavango-Deltas an. In das Moremi Game Reserve, einen Nationalpark im eher westlichen Botswana. Übernachtet habe ich in der Mankwe Bush Lodge auf einem völlig einsamen, nicht eingezäunten Campingplatz, der bei meiner Ankunft übersäht war mit Elefantenspuren. Zum Glück haben sie mich nicht nachts besucht…

Roter Litschi

Am Freitag, den 24.5. holte mich mein Guide zusammen mit seinem Guide-Lehrling um sechs Uhr morgens am Zelt ab (ehrlich gesagt habe ich aus Vorsicht vor den Elefanten im Auto geschlafen). Wieder mal war ich der einzige Teilnehmer, was in diesem Fall richtig von Vorteil war. So musste ich mich nie darüber ärgern, dass jemand anderes vor der Kamera sitzt und Clifford, der Guide, hat mich immer erst gefragt, bevor er weiter gefahren ist.

Geier sind Aasfresser

Bisher – und auch danach – habe ich alle Pirschfahrten selbst unternommen. Aber da ich gelesen hatte, dass die Wildnis im Moremi Reserve teilweise stark überflutet sein kann und man eventuell richtig durch Wasser fahren muss, wollte ich das Risiko nicht eingehen. Und nachdem ich die Erfahrung im Wasser zu versinken ja auch schon gemacht hatte, erschien mir mein Entschluss, eine geführte Tour zu machen doppelt weise. Am Ende gab es zwar kein nennenswertes Wasser, welches wir hätten überqueren müssen, aber es war auch mal sehr angenehm, nicht selber fahren zu müssen, sondern einfach nur gucken zu können.

Nilkrokodil beim Sonnen

Was besonders gut war, da wir insgesamt tatsächlich 15 Stunden unterwegs waren. Und in den 15 Stunden haben wir eigentlich gar nicht so viele Tiere gesehen. Ein relativ seltener Anblick waren die afrikanischen Wildhunde. Die, zu den am meisten gefährdeten Tieren Afrikas zählenden, Hunde sind schlank und vierfarbig gescheckt. Auffällig und auch ein wenig lustig aussehend sind diegroßen, runden Ohren. Sie leben meistens in Gruppen und jagen immer als Pack.

Afrikanischer Wildhund

Auch der Kampfadler, der sich einen Fuß in einem Wasserloch gekühlt hat, ist nicht wirklich häufig und vor allem eindrucksvoll groß.

Kampfadler

 

An einer Stelle fuhren wir an einem Wasserloch entlang in dem einige Nilpferde badeten. Auf einmal bricht ein ziemlich fettes Exemplar rechts von uns aus dem Gebüsch und sprintet mit einem dicken Platsch ins Wasser. Es hatte offensichtlich unter den Büschen gelegen und wurde von uns erschreckt. Und das konnte es natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Als wir beobachtend neben dem Wasserloch standen, hat es ein paar Mal versucht, das Auto zu verscheuchen. Es hat geschnaubt, plötzlich den Kopf zu uns herumgerissen und vor allen Dingen seine beeindruckenden Zähne präsentiert

Drohgebärde

Nachdem mit dieses Foto gelungen war, war ich für den Tag schon zufrieden.

 

Abendstimmung im Moremi Wildreservat

Aber als es Abend wurde und wir schon auf dem Rückweg zum Tor waren, habe ich sie gesehen. Sie rannte vor einem Mann weg, direkt vor unserem Auto quer über die Piste, und flüchtete sich auf einen Baum. Der Kerl ist noch hinterher, war aber zu schwer, um ihr bis in das dünne Geäst im Wipfel zu folgen. Nach ein paar Minuten ist er dann abgezogen und ich habe sie das erste Mal richtig gesehen – und war verliebt.

Raubkatze

Vor uns sind zwei Leoparden über den Weg gesprintet und auf den Baum geklettert. Und nachdem das Männchen fort war, hat das Weibchen es sich dort oben gemütlich gemacht. Direkt über unserem Auto. Ich habe noch nie vorher Leoparden gesehen – und falls es doch mal einen im Zoo gab, kann ich mich nicht daran erinnern. Und ich war hin und weg. Mir war vorher nicht klar, wie unglaublich elegant diese Katzen sind. Die schlanken Geparde wirken dagegen anorektisch. Löwen sind einfach nur plump.

Eleganz

Leoparden sind ziemlich selten und vor allem nachts aktiv. Es war also quasi schon Schicksal, dass wir sie gesehen haben. Und sie sind verdammt kräftig. Zur Beute der Raubtiere gehört alles, was sie erlegen können. Um ihren Fang vor Aasfressern und anderen Raubkatzen zu sichern, tragen sie z.B. Antilopen mühelos auf einen Baum, wo sie sie dann fressen.

Katzen beobachten alles

Von der Jagd oder dem Fressen war die neue Dame meines Herzens allerdings weit entfernt. Sie beobachtete die Umgebung, war aber ansonsten ziemlich entspannt und begann dann auch bald damit, sich die Pfoten zu lecken und sich auf dem Baum einzurichten.

Entspannt

Wir standen fast eine Stunde lang unter dem Baum und der Guide Clifford war anscheinend genauso begeistert wie ich. Am Ende waren wir sogar eine dreiviertel Stunde zu spät am Tor und mussten eine wilde Geschichte von einer Bootsfahrt erfinden, bei der der Motor ausgefallen sei, weswegen wir jetzt zu spät seien. Ansonsten hätten wir eine Geldbuße zahlen müssen. Aber mal ehrlich, wer kann diesen Augen wiederstehen?

 

Diese Augen ...

 

Der Tag hatte sich eindeutig gelohnt.

 

 

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